Gute Nachrichten, fallender Kurs. Bei Thyssenkrupp lief der Freitag nach einem klassischen Muster ab: Während die Marinesparte einen strategischen Vertrag verkündete, nutzten Anleger die Bestätigung des geplanten Spin-offs für Gewinnmitnahmen.
U-Boot-Stahl für Kanada
Thyssenkrupp Marine Systems hat beim Spezialstahlhersteller Valbruna ASW eine erste Charge von rund 70 Tonnen amagnetischem U-Boot-Stahl bestellt. Der Auftrag hängt direkt mit dem „Canadian Patrol Submarine Project“ zusammen — einem milliardenschweren Programm zur Modernisierung der kanadischen U-Boot-Flotte. TKMS gilt als einer der Finalisten für dieses Großprojekt.
Parallel unterzeichneten beide Unternehmen eine Kooperationsvereinbarung. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Qualifizierung von Spezialstahl für moderne U-Boot-Plattformen. Vertriebsvorstand Thomas Keupp betonte, dass starke Industriepartnerschaften nötig sind, um die Materialanforderungen der nächsten Generation von Marinesystemen zu erfüllen.
Spin-off-Bestätigung löst Verkäufe aus
Der eigentliche Kurstreiber war ein anderer. Der Aufsichtsrat genehmigte die Pläne zur Abspaltung der Werkstoff- und Dienstleistungssparte unter dem neuen Namen „tk accelis“. Viele Anleger hatten auf genau diesen Beschluss gewartet — und verkauften danach. Kein Wunder: Die Aktie hatte im Vorfeld deutlich zugelegt.
Am 7. August 2026 entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung final über den Spin-off. Thyssenkrupp plant, 49 Prozent der Anteile an tk accelis an die bestehenden Aktionäre zu übertragen. Die Muttergesellschaft behält die Mehrheit.
Die Aktie schloss am Freitag mit einem Minus von 0,80 Prozent bei 10,53 Euro. Auf Sicht von sieben Handelstagen beträgt der Rückgang 7,27 Prozent — trotzdem liegt das Papier seit Jahresbeginn noch rund neun Prozent im Plus.
Analysten bleiben gespalten
Jefferies hält an der Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 13,00 Euro fest. Analyst Tommaso Castello sieht in der Verselbstständigung von tk accelis einen konsequenten Schritt, um den sogenannten Konglomeratsabschlag zu verringern. JPMorgan bleibt zurückhaltender: „Neutral“ mit einem Kursziel von 11,80 Euro.
Charttechnisch hält die Aktie knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 10,36 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt bei 10,04 Euro. Der RSI liegt bei 44,3 — neutral, kein Überverkauft-Signal.
Am 23. und 24. Juni nimmt das Management an der Jefferies German & Swiss Corporate Conference in Baden-Baden teil. Investoren erhoffen sich dort Klarheit über das Umtauschverhältnis der tk-accelis-Aktien und den Stand der Verhandlungen über die Stahlsparte.
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