Thyssenkrupp bewegt sich an der Börse in diesen Wochen zwischen zwei Erzählsträngen: dem laufenden Konzernumbau und dem wechselhaften Geschäft mit Kriegsschiffen. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 11,94 Euro, ein Minus von 1,93 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 28,75 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro aus dem Oktober 2025 fehlen aktuell 9,85 Prozent.
TKMS pendelt zwischen Kanada-Hoffnung und Polen-Enttäuschung
Im U-Boot-Geschäft der Marinesparte TKMS zeigt sich das Bild zuletzt gespalten. Anfang Juli setzte die Bundesregierung auf einen U-Boot-Deal im Umfeld eines Nato-Gipfels. Zur möglichen Lieferung an Kanada äußerte sich Bundesfinanzminister und Vizekanzler Klingbeil zuversichtlich: Die Argumente stünden auf deutscher Seite. Wenige Tage zuvor hatte es allerdings einen Dämpfer gegeben: Polen entschied sich Ende Juni für drei U-Boote aus Schweden, TKMS ging bei diesem Auftrag leer aus. Auch beim Ausbau der Werftkapazitäten bleibt Bewegung im Spiel – Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig brachte die Peene-Werft zusätzlich für den Bau neuer Fregatten ins Gespräch.
Konzernumbau nimmt Formen an
Parallel zum Rüstungsgeschäft treibt Thyssenkrupp den Konzernumbau voran. Mitte Juni bekräftigte das Unternehmen, für die Werkstoffhandelssparte TK Accelis noch in diesem Jahr einen Börsengang anzustreben, bei dem 49 Prozent der Anteile platziert werden sollen. Kurz zuvor war die geplante Abspaltung des Materialhandelsgeschäfts bereits öffentlich geworden. Anfang Juni verkaufte der Konzern zudem seine verbliebenen 15 Prozent an AST und benannte die frühere Werkstoffsparte um. Der Umbau verläuft nicht ohne Reibung: Anfang Juni rief die IG Metall Tausende Beschäftigte der Stahlsparte zu Protesten auf – ein Hinweis darauf, dass die Neuausrichtung des Konzerns auch innerbetrieblich Spannungen erzeugt.
Hauptversammlung im Blick der Anleger
Ende Juni terminierte Thyssenkrupp seine Hauptversammlung auf den 7. August 2026. Für Anleger dürfte das Treffen zum Prüfstein werden, ob Vorstand und Aufsichtsrat den eingeschlagenen Kurs aus Abspaltungen, Teilverkäufen und Rüstungsexpansion überzeugend vermitteln können. Charttechnisch notiert die Aktie derzeit rund sechs Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 11,26 Euro, was auf eine grundsätzlich intakte kurzfristige Aufwärtstendenz hindeutet, auch wenn der jüngste Tagesverlust zeigt, wie nervös der Markt auf einzelne Nachrichten aus dem Rüstungs- und Werftgeschäft reagiert.
Für das Gesamtbild bleibt entscheidend, ob sich die Hoffnung auf neue U-Boot-Aufträge – etwa aus Kanada – konkretisiert, während der Verlust des polnischen Auftrags zeigt, dass TKMS im internationalen Wettbewerb keineswegs automatisch zum Zug kommt. Gleichzeitig dürfte der für 2026 angepeilte Börsengang von TK Accelis zusätzliche Aufmerksamkeit auf den Konzern lenken, sobald konkretere Details zu Bewertung und Zeitplan vorliegen.
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