Ein neues Kursziel der Deutschen Bank hat die Thyssenkrupp-Aktie am Dienstag nicht vor Verlusten bewahrt. Trotz des Kaufvotums gab das Papier deutlich nach – ein Signal dafür, dass Anleger nach der jüngsten Rally offenbar Gewinne mitnehmen, statt der Analystenmeinung zu folgen.
Kapitalmarkttag rückt in den Fokus
Der Kursrücksetzer fällt in eine Phase, in der Investoren zunehmend auf den anstehenden Kapitalmarkttag blicken. Dort dürfte das Management Auskunft über die strategische Ausrichtung der kommenden Jahre geben, während der Konzern gleichzeitig mit hoher Marktaufmerksamkeit für seine einzelnen Sparten kämpft.
Die Marinesparte TKMS etwa, die inzwischen als eigenständiges Papier gehandelt wird, hatte zeitweise rund ein Viertel an Wert verloren, zeigt zuletzt aber erste Stabilisierungstendenzen bei einem Kurs von 84,40 Euro.
Der aktuelle Rücksetzer bei Thyssenkrupp kommt nach einer beeindruckenden Aufholjagd: Der Kurs hat sich seit März faktisch verdoppelt und zuletzt mit 15,79 Euro ein Niveau erreicht, wie es zuletzt 2018 zu beobachten war.
Am heutigen Dienstag notiert die Aktie bei 15,41 Euro und damit 2,3 Prozent unter dem Vortagesschluss – zugleich nur knapp unter diesem 52-Wochen-Hoch. Nach einem derart steilen Anstieg wirkt eine Verschnaufpause wenig überraschend, zumal der RSI mit über 67 zuletzt in überkaufter Zone lag.
Zollrahmen bringt Planungssicherheit, Stahl bleibt Sonderfall
Ein weiterer Faktor im Hintergrund ist der EU-US-Zolldeal, den das EU-Parlament im Juni gebilligt hatte. Er sieht für den Großteil der EU-Exporte in die USA einen Zollsatz von maximal 15 Prozent vor und gilt bis Ende 2029. Stahl und Aluminium erhalten dabei eine gesonderte Behandlung innerhalb dieses Rahmens – ein Detail, das für Thyssenkrupps Stahlsparte weiterhin von zentraler Bedeutung bleibt, da die Handelsbedingungen für diese Produkte über den allgemeinen Zollsatz hinaus gesondert verhandelt werden.
Für Anleger bedeutet das: Die grundsätzliche Planungssicherheit im transatlantischen Handel ist gestiegen, doch die Sonderrolle von Stahl sorgt weiterhin für Unsicherheit darüber, wie sich die Wettbewerbsbedingungen für Thyssenkrupps Kernsparte konkret entwickeln.
Makroumfeld bleibt herausfordernd
Auch das gesamteuropäische Marktumfeld liefert an diesem Dienstag keinen Rückenwind. Steigende Ölpreise infolge der Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie die Erwartung einer Zinserhöhung durch die EZB am Donnerstag belasten die Stimmung an den europäischen Börsen insgesamt.
In einem solchen Umfeld fällt es zyklischen Industriewerten wie Thyssenkrupp schwerer, ihre Kursgewinne zu verteidigen, selbst wenn die fundamentale Nachrichtenlage – etwa durch positive Analystenstimmen – eigentlich stützend wirkt.
Die Diskrepanz zwischen dem Kaufvotum der Deutschen Bank und der negativen Kursreaktion zeigt, wie stark die Aktie inzwischen von kurzfristigen Gewinnmitnahmen getrieben wird. Nach einem Anstieg von rund 24 Prozent innerhalb eines Monats dürfte der bevorstehende Kapitalmarkttag zum eigentlichen Prüfstein werden: Erst dort wird sich zeigen, ob die operative Story die hohe Bewertung rechtfertigt, die der Markt der Aktie inzwischen zubilligt.
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