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The Trade Desk Aktie: Unklarer Ausgang?

Die Aktie des Werbetechnologie-Unternehmens leidet unter politischen Zöllen, internen Umstellungen und wachsendem Wettbewerbsdruck durch Amazon. Die kommenden Quartalszahlen sind entscheidend.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kurs liegt rund 70 Prozent unter dem Jahreshoch
  • Neue Zölle und Plattformumstellung bremsen Wachstum
  • Amazon erhöht als Wettbewerber den Druck
  • Kritische Quartalszahlen am 12. Februar 2026

Der Absturz von The Trade Desk in den vergangenen zwölf Monaten ist heftig: Der Kurs liegt rund 70 % unter dem Jahreshoch, das Vertrauen vieler Anleger ist angekratzt. Im Kern geht es um drei Themen: politische Risiken durch neue Zölle, den holprigen Übergang auf die neue Plattform Kokai und den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Amazon. Entscheidend ist nun, ob das Unternehmen den Wachstumskurs überzeugend zurückerobern kann.

Handelszölle und Werbebudgets

Die jüngste Schwächephase wurde durch die Ankündigung von US-Präsident Trump befeuert, europäische Waren mit einem zusätzlichen Zoll von 10 % zu belegen. Das trifft exportorientierte Unternehmen, die traditionell einen relevanten Teil ihrer Budgets in digitale Werbung stecken.

Für The Trade Desk bedeutet das: Kunden, die stark vom Export abhängen, könnten ihre Werbeausgaben aus Vorsicht kürzen oder verschieben. In einem Umfeld, in dem die Aktie ohnehin stark abgebaut hat, verstärken solche Ankündigungen die Sorge, dass sich das Wachstum weiter eintrübt. Die Aktie notiert derzeit bei 35,33 US‑Dollar und damit deutlich näher am 52‑Wochen‑Tief als am Hoch.

Kokai-Übergang sorgt für Reibung

Parallel kämpft The Trade Desk intern mit dem Plattformwechsel. Kokai, eine KI-gestützte Buying-Plattform, soll Werbekunden bessere Gebotsentscheidungen, präzisere Messung und bessere Prognosen bieten. Strategisch ist das ein wichtiger Schritt, um sich im hochkompetitiven Programmatic-Markt zu differenzieren.

In der Praxis läuft der Übergang jedoch nicht friktionsfrei. Einige Werbekunden tun sich mit der neuen Oberfläche und den veränderten Abläufen schwer. Solche Umstellungen binden Ressourcen im Vertrieb und bei der Kundenbetreuung – und können kurzfristig das Buchungsverhalten bremsen, auch wenn das Produktziel langfristig ein klarer Mehrwert ist.

Analysten unsicher, Bewertung widersprüchlich

Die Uneinigkeit am Markt spiegelt sich auch in den Analysteneinschätzungen wider. Morgan Stanley hält zwar an einem „Equal-Weight“-Votum fest, hat das Kursziel aber von 50 auf 42 US‑Dollar gesenkt. Das signalisiert fortbestehende Zweifel am künftigen Wachstumstempo.

Der Konsens der Analysten liegt mit einem durchschnittlichen Kursziel bei 60,45 US‑Dollar allerdings deutlich höher, die Spanne ist mit 34 bis 135 US‑Dollar aber sehr breit. Das zeigt, wie unterschiedlich die Perspektiven auf das Geschäftsmodell und die aktuelle Schwächephase sind.

Besonders auffällig ist das widersprüchliche Bild bei der Bewertung:

  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 37,7 liegt klar über einer modellierten „Fair-Value“-P/E von 27,9 und mehr als doppelt so hoch wie der US‑Media-Sektor mit 14,3.
  • Ein DCF-Modell kommt dagegen auf einen fairen Wert von 102,75 US‑Dollar und signalisiert damit theoretisch eine deutliche Unterbewertung gegenüber dem aktuellen Kurs.
  • Im Peervergleich liegt das KGV mit 37,7 aber wiederum unter dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen von 44,6.

Je nach Methode lässt sich The Trade Desk also als teuer, fair bewertet oder deutlich günstig interpretieren. Konkrete Kennzahlen untermauern aber immerhin, dass das Unternehmen trotz Kursverfall weiterhin substanzielle Größenordnungen bewegt: Ein Jahresumsatz von rund 2,8 Milliarden US‑Dollar und ein Nettogewinn von etwa 438,6 Millionen US‑Dollar stehen einem Marktwert von 17,16 Milliarden US‑Dollar gegenüber.

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Wettbewerb: Amazon erhöht den Druck

Parallel zum internen Umbau wächst der äußere Druck. Amazons eigene Demand-Side-Plattform gewinnt im Markt deutlich an Bedeutung. Vor allem der Trend zu Retail-Media-Netzwerken – also Werbeumfelder rund um Einkaufsplattformen – spielt Amazon in die Karten.

The Trade Desk positioniert sich als neutrale Plattform, die nicht an ein einzelnes „Walled Garden“-Ökosystem gebunden ist. Dieser Ansatz war lange ein starkes Verkaufsargument. Nun drängen aber gerade diese geschlossenen Ökosysteme und Retail-Media-Plattformen aggressiv auf höhere Anteile am digitalen Werbekuchen. Laut Branchenstudien wächst der Markt insgesamt zwar weiterhin mit etwa 15 % pro Jahr bis 2030, ein immer größerer Teil dieses Wachstums läuft aber direkt über große Plattformen wie Amazon.

Geschäftsentwicklung und Ausblick

Operativ hat sich das Wachstum zuletzt deutlich verlangsamt. In den Zahlen zum dritten Quartal 2025 lag das Umsatzwachstum spürbar unter den historischen Raten. Das Management führt diese Schwäche auf makroökonomische Faktoren und das Umfeld zurück, nicht auf strukturelle Probleme im Geschäftsmodell, und stellt für 2026 eine Beschleunigung des Wachstums in Aussicht.

Spannend wird es in Kürze: Am 12. Februar 2026 legt The Trade Desk die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Dann dürfte sich zeigen, ob die Wachstumsdelle tatsächlich vor allem konjunkturell bedingt ist oder ob der Plattformwechsel und der Wettbewerbsdruck tiefer in die Dynamik eingegriffen haben, als das Management bislang einräumt.

OpenAds als Konter gegen Vertrauensverlust

Mit der Initiative „OpenAds“ versucht The Trade Desk, sich klarer von Wettbewerbern abzusetzen und Vertrauen auf der Angebotsseite zu stärken. Am 6. Januar 2026 hat das Unternehmen die erste Welle von Verlagspartnern für dieses Programm vorgestellt.

Ziel von OpenAds ist eine transparentere, „gesündere“ digitale Medien-Lieferkette. Mehr Einblick in Inventarqualität, Lieferwege und Abrechnung soll vor allem Werbekunden überzeugen, die zunehmend sensibel auf Themen wie Fraud, Brand Safety und Messbarkeit reagieren. In einem Markt, in dem große Plattformen immer mehr Kontrolle bündeln, setzt The Trade Desk damit bewusst auf Offenheit und Partnerschaften.

Kurzfristige Weichenstellung steht an

Trotz der strategischen Initiativen bleibt das Sentiment im Markt angespannt. Die Short-Quote liegt bei 9,98 % und signalisiert erhöhten Pessimismus insbesondere auf institutioneller Seite. Gleichzeitig handelt die Aktie nahe ihrem 52‑Wochen‑Tief, mit einem Rückgang von knapp 70 % über zwölf Monate und einem Abstand von gut 70 % zum Jahreshoch bei 118,90 US‑Dollar.

Mit den anstehenden Quartalszahlen am 12. Februar, dem weiteren Rollout von Kokai und den ersten sichtbaren Effekten von OpenAds stehen in den nächsten Wochen mehrere klare Wegmarken an. Ob The Trade Desk die skeptische Marktstimmung drehen kann, wird sich vor allem daran entscheiden, ob das Unternehmen wieder an frühere Wachstumsraten anknüpft und gleichzeitig zeigt, dass die strategischen Initiativen im Wettbewerb mit Amazon und Co. Wirkung entfalten.

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