Die Aktie von The Trade Desk schoss am 5. März 2026 um über 18 Prozent nach oben – der stärkste Tagesgewinn seit drei Jahren. Zwei Entwicklungen fielen zeitgleich zusammen: Berichte über mögliche Werbegespräche mit OpenAI und ein Rekord-Insiderkauf durch CEO Jeff Green. Nach monatelangem Abwärtstrend zeigt sich nun: Ist das die Trendwende oder nur ein Strohfeuer?
OpenAI als potentieller Gamechanger
Laut einem Bericht von The Information führt OpenAI frühe Gespräche mit The Trade Desk. Im Zentrum steht die programmatische Plattform des Adtech-Unternehmens, die künftig für den Verkauf und die Aussteuerung von Werbung in OpenAI-Produkten genutzt werden könnte.
Der Hintergrund: OpenAI hat erst im Februar erstmals Werbung in ChatGPT eingeführt und will das Geschäft nun rasch skalieren. Statt eine eigene Infrastruktur aufzubauen, scheint das KI-Unternehmen auf einen etablierten Partner zu setzen. Für The Trade Desk wäre das ein Zugang zu einem völlig neuen Nachfragekanal – unabhängig vom klassischen Programmatic-Markt, wo Konkurrenten wie Amazon Druck machen.
Die Gespräche sind allerdings noch unbestätigt und befinden sich in einem frühen Stadium.
CEO kauft für 148 Millionen Dollar
Parallel dazu stockte CEO Jeffrey Terry Green seine Beteiligung massiv auf. Zwischen dem 2. und 4. März erwarb er rund 6,4 Millionen Class-A-Aktien zu durchschnittlichen Preisen von 23,49 bis 25,08 Dollar. Die vier Transaktionen summierten sich auf etwa 148,1 Millionen Dollar.
Besonders bemerkenswert: Es handelt sich um den ersten signifikanten Insiderkauf bei The Trade Desk seit über einem Jahr. Zuvor hatten Führungskräfte entweder verkauft oder sich komplett zurückgehalten. Das Handelsvolumen am 5. März erreichte 82,2 Millionen Aktien – rund 405 Prozent über dem Dreimonatsdurchschnitt.
Fundamentale Herausforderungen bleiben
Der Kurssprung erfolgte vor dem Hintergrund erheblicher Belastungen. In den zwölf Monaten zuvor war die Aktie um 63 Prozent gefallen, vom Julihoch aus sogar um 72 Prozent. Anleger sorgten sich um verlangsamendes Wachstum und den möglichen Einfluss von KI auf das Geschäftsmodell.
Die Zahlen zum vierten Quartal 2025, veröffentlicht am 25. Februar, verstärkten die Skepsis. Zwar übertrafen die Q4-Ergebnisse die Erwartungen, doch der Ausblick enttäuschte. Für das erste Quartal 2026 stellt The Trade Desk Umsätze von mindestens 678 Millionen Dollar in Aussicht – ein Wachstum von nur noch zehn Prozent.
Im Gesamtjahr 2025 legte der Umsatz um 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar zu, nach 26 Prozent im Vorjahr. Der Gewinn pro Aktie stieg lediglich um 6,6 Prozent auf 1,77 Dollar. Im vierten Quartal betrug das Umsatzplus 14 Prozent.
Solide Bilanz, moderate Bewertung
Trotz der operativen Schwierigkeiten steht The Trade Desk finanziell stabil da. Dem Schuldenstand von 376 Millionen Dollar stehen 1,4 Milliarden Dollar Cash gegenüber – eine klare Netto-Cash-Position. Die Verschuldungsquote liegt bei nur 2,8 Prozent, verglichen mit 20,2 Prozent im S&P 500.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt aktuell 26, auf Basis der erwarteten Gewinne sogar unter 12. Zum Vergleich: Der S&P 500 wird mit dem 25,8-Fachen der Gewinne und dem 21,9-Fachen der Forward-Earnings gehandelt.
Neue Plattform und Short-Squeeze-Potenzial
Zusätzlich kündigte The Trade Desk auf der RampUp-Konferenz von LiveRamp eine neue Plattform namens OpenTTD an. Sie bündelt Login und Analyse-Tools für Unternehmen, die mehrere Rollen innerhalb des Trade-Desk-Ökosystems einnehmen – etwa als Werbekunde, Anzeigenverkäufer und Datenanbieter zugleich. Mehrere hundert Unternehmen sollen davon profitieren.
Die Leerverkaufsquote stieg zuletzt auf 10,61 Prozent der frei handelbaren Aktien. Bei durchschnittlichem Handelsvolumen würden Short-Seller fast drei Tage benötigen, um ihre Positionen zu schließen – ein möglicher Beschleuniger für weitere Kursgewinne.
Wettbewerb bleibt scharf
Die Konkurrenz durch Amazon bleibt eine zentrale Herausforderung. Im vierten Quartal 2025 steigerte Amazon seinen Werbeumsatz um 23 Prozent auf 21,3 Milliarden Dollar – deutlich dynamischer als die 14 Prozent bei The Trade Desk.
Das Unternehmen setzt auf Wachstum im programmatischen Werbemarkt und auf seine offene Internet-Strategie. Ob das ausreicht, um die Verlangsamung zu stoppen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die mögliche OpenAI-Partnerschaft könnte dabei zum entscheidenden Unterschied werden – sofern sie sich konkretisiert.
