Startseite » News zu Unternehmen » Analystenstimmen » The Trade Desk Aktie: Konstanter Geschäftsverlauf

The Trade Desk Aktie: Konstanter Geschäftsverlauf

Der Werbetechnologie-Spezialist The Trade Desk liefert weiter solide operative Zahlen, kämpft aber mit einer verlangsamten Wachstumsrate, hoher Bewertung und wachsendem Wettbewerbsdruck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Gemischte Signale von institutionellen Investoren
  • Analysten senken Kursziele, bleiben aber mehrheitlich positiv
  • Umsatzwachstum verlangsamt sich auf 18 Prozent
  • Neue OpenAds-Plattform als Antwort auf Wettbewerb

The Trade Desk hat ein hartes Jahr hinter sich. Der Werbetechnologie-Spezialist ringt mit einem tiefen Kursrutsch, wachsendem Wettbewerb und einer anspruchsvollen Bewertung – liefert operativ aber weiter ordentliche Zahlen. Wie passt das zusammen, und wo stehen die Chancen und Risiken aktuell?

Institutionelle Investoren werden vorsichtiger

Auf der Eigentümerseite ist Bewegung. Asset Management One Co. Ltd. hat seine Position deutlich verkleinert und den Bestand um 26,5 % reduziert. Der japanische Investor trennte sich von knapp 72.000 Aktien und hält nun rund 200.000 Stück. Marktbeobachter sehen darin ein Beispiel für die allgemein zurückhaltendere Haltung vieler Institutioneller gegenüber dem Adtech-Sektor.

Trotz dieser Kürzung liegt der Anteil institutioneller Investoren mit 67,77 % der ausstehenden Aktien weiterhin hoch. Einige Adressen haben ihre Engagements in den vergangenen Quartalen sogar deutlich ausgebaut:

  • Family Legacy Financial Solutions LLC erhöhte im dritten Quartal um 163,2 %
  • Sound Income Strategies LLC stockte im zweiten Quartal um 317,6 % auf
  • West Oak Capital LLC legte im zweiten Quartal um 466,7 % zu

Das Bild ist damit gemischt: Während einige größere Investoren Risiken reduzieren, sehen andere auf dem aktuellen Niveau offenbar Einstiegschancen.

Analysten senken Kursziele, bleiben aber mehrheitlich positiv

Auf der Analystenseite hat sich der Ton aufgehellt, aber mit klarer Vorsicht bei den Kurszielen. Mehrere Häuser haben ihre Erwartungen an den fairen Wert der Aktie reduziert:

  • Wolfe Research bleibt bei „Outperform“, senkt das Ziel jedoch von 60 auf 45 US‑Dollar
  • Wedbush reduziert von 50 auf 40 US‑Dollar und stuft mit „Neutral“ ein
  • Rosenblatt Securities geht von 78 auf 64 US‑Dollar zurück, bleibt aber bei „Buy“
  • UBS hält an „Buy“ mit einem Ziel von 82 US‑Dollar fest

Im Schnitt ergibt sich damit ein Konsensrating „Moderate Buy“. Je nach Datenquelle liegt das durchschnittliche Kursziel zwischen 61,80 und 76,56 US‑Dollar – also deutlich über dem aktuellen Kursniveau von 38,65 US‑Dollar. TipRanks zählt 15 Kaufempfehlungen, 7 Halteempfehlungen und nur ein Verkaufsvotum von insgesamt 23 Analysten.

Die Botschaft: Die Wachstumsstory wird grundsätzlich weitergetragen, aber die Bewertungsfantasie ist spürbar zurückgenommen worden.

Operativ solide – doch Wachstumstempo sinkt

Fundamental liefert The Trade Desk weiterhin Wachstum. Im jüngsten Quartal übertraf das Unternehmen die Erwartungen:

  • Umsatz im dritten Quartal: 739,43 Mio. US‑Dollar, ein Plus von 17,7 % gegenüber dem Vorjahr und über den Konsensschätzungen von 719,11 Mio. US‑Dollar
  • Gewinn je Aktie: 0,45 US‑Dollar, leicht über den erwarteten 0,44 US‑Dollar

Wichtige Kennzahlen zeigen ein profitables, aber hoch bewertetes Geschäftsmodell:

  • Marktkapitalisierung: 18,69 Mrd. US‑Dollar
  • KGV: 44,4
  • Nettomarge: 15,72 %
  • Eigenkapitalrendite: 16,0 %

Die Wachstumsrate hat sich jedoch spürbar verlangsamt: Statt 27 % wächst der Umsatz nur noch um 18 % pro Jahr. Das ist für ein reifes Tech-Unternehmen immer noch ordentlich, aber der Rückgang im Tempo ist ein zentraler Treiber der Kurskorrektur.

Ein Signal der Unternehmensführung setzt einen Kontrapunkt: Der Vorstand hat ein Aktienrückkaufprogramm über 500 Mio. US‑Dollar beschlossen, was rund 2,1 % der ausstehenden Aktien entspricht. Das Management zeigt damit Vertrauen in den eigenen Kurs und nutzt das schwächere Bewertungsniveau.

Bewertung zwischen Chance und Anspruch

Die Bewertung ist der Kern der aktuellen Debatte. Auf der einen Seite stehen Modelle, die auf Basis von Cashflows ein deutliches Aufwärtspotenzial sehen. Eine DCF-Analyse von Simply Wall St kommt auf einen fairen Wert von rund 62,33 US‑Dollar je Aktie – das entspräche einem Abschlag von gut einem Drittel auf den inneren Wert. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate liegt bei 722,5 Mio. US‑Dollar; bis 2030 sollen es 1,70 Mrd. US‑Dollar werden.

Dem gegenüber steht ein KGV von rund 44,2, das deutlich über dem Branchenschnitt der Medienwerte von 14,2 liegt und auch die Peer-Group übertrifft. Selbst nach dem herben Kursrückgang zahlt der Markt also weiterhin einen Bewertungsaufschlag – dieser Aufschlag muss durch nachhaltiges Wachstum und stabile Margen gerechtfertigt werden.

Wettbewerb und Managementwechsel belasten Stimmung

Auf der Nachfrageseite wächst der Druck. Besonders die zunehmende Präsenz von Amazon im digitalen Werbemarkt sorgt für Unruhe unter Investoren. Der Internetriese baut sein eigenes Anzeigen-Geschäft aggressiv aus und greift damit den unabhängigen Plattformen an.

Parallel dazu dämpfen interne Themen das Vertrauen. Die Wachstumsrate von The Trade Desk sank wie erwähnt von 27 % auf 18 %, was die hohe Bewertung schwerer zu rechtfertigen macht. Zudem verließ CFO Laura Schenkein im August das Unternehmen – ein Wechsel an so zentraler Stelle wird am Markt oft sensibel aufgenommen. Das Management räumte ein, im vierten Quartal 2024 hinter den eigenen Erwartungen geblieben zu sein. Beides zusammen verstärkt den vorsichtigen Blick vieler Investoren.

OpenAds als strategischer Hebel

Strategisch versucht The Trade Desk, die eigene Position im offenen Internet zu stärken. Am 6. Januar 2026 stellte das Unternehmen die erste Welle von Partnern für die neue OpenAds-Plattform vor. Zu den teilnehmenden Publishern zählen unter anderem AccuWeather, BuzzFeed, der Guardian, Hearst Magazines, Newsweek und Ziff Davis.

OpenAds soll eine neue Auktionsumgebung schaffen, über die Werbeflächen im offenen Internet effizienter gehandelt werden können. CEO Jeff Green kündigte auf der CES 2026 an, 2026 werde „das bisher beste Jahr für das offene Internet“. Die Initiative zielt klar darauf ab, den wachsenden „walled gardens“ von Konzernen wie Amazon oder Meta ein starkes, offenes Ökosystem entgegenzustellen.

Technisches Bild bleibt angeschlagen

Charttechnisch steckt The Trade Desk weiterhin in schwierigem Fahrwasser. Der Kurs liegt derzeit bei 38,65 US‑Dollar und damit rund 68 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 121,08 US‑Dollar. Zwar hat sich die Aktie seit ihrem Zwischentief im Dezember etwas erholt, insgesamt bleibt der langfristige Abwärtstrend aber intakt.

Kurzfristig zeigt sich ein gemischtes Bild: Der Titel notiert über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 35,05 US‑Dollar, aber klar unter der 200‑Tage-Linie bei 49,00 US‑Dollar. Der RSI von 50,4 signalisiert weder Überkauf noch Überverkauf, die zuletzt annualisierte 30‑Tage-Volatilität von rund 61 % unterstreicht jedoch, wie nervös der Handel bleibt.

Fazit: Hohe Erwartungen treffen auf Wachstumsbremse

The Trade Desk steht an einem spannenden Punkt: Operativ wächst das Unternehmen weiter zweistellig, ist profitabel und investiert mit OpenAds in eine klare strategische Antwort auf den zunehmenden Konkurrenzdruck. Gleichzeitig haben sinkende Wachstumsraten, starke Wettbewerber wie Amazon, der Abgang der CFO und die im Branchenvergleich hohe Bewertung die Aktie stark belastet.

Entscheidend für die nächsten Quartale wird sein, ob The Trade Desk das Wachstum wieder beschleunigen und die Erwartungen an Cashflows und Margen erfüllen kann. Gelingt das, könnte das aktuelle Bewertungsniveau im Rückblick als Konsolidierungsphase erscheinen; bleibt das Tempo dagegen länger gedämpft, dürfte der Bewertungsaufschlag gegenüber der Branche weiter unter Druck geraten.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.