Starke Quartalszahlen, eine anstehende Milliardenübernahme und ein Aktienkurs im freien Fall. Bei The Platform Group klaffen Realität und Marktstimmung extrem weit auseinander. In dieser Woche muss sich das Management erstmals seit dem Kurseinbruch vor institutionellen Investoren erklären. Parallel dazu tickt die Uhr für den wichtigsten Deal der Firmengeschichte.
Vorwürfe überschatten Wachstum
Das operative Geschäft läuft rund. Im ersten Quartal 2026 stieg das Bruttowarenvolumen um 23 Prozent. Der Umsatz kletterte auf 243,1 Millionen Euro. Auch das bereinigte EBITDA legte deutlich zu. Daraufhin bestätigte der Vorstand die Jahresprognose.
Dennoch erlebte die Aktie einen massiven Absturz. Auslöser war ein Bericht des Manager Magazins. Demnach fordern Banken wie die LBBW angeblich Kredite in Millionenhöhe zurück. Obendrein prüft die Staatsanwaltschaft Chemnitz, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
Das Unternehmen wehrt sich vehement. Die beauftragte Kanzlei bezeichnet die Darstellungen zu Kreditverhältnissen und Steuerschulden als unzutreffend. Die Unsicherheit am Markt bleibt enorm. Die Aktie verlor auf Monatssicht rund 59 Prozent an Wert.
Frist für AEP-Deal läuft ab
Mitten in dieser Vertrauenskrise finalisiert das Management die Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP. Der Zukauf würde den Konzernumsatz auf zwei Milliarden Euro verdoppeln. Das Bundeskartellamt gab bereits im März grünes Licht. Nun hakt es offenbar an der Finanzierungsstruktur.
Ende Juni läuft die selbst gesteckte Frist für das Closing ab. Gelingt der Abschluss, will CEO Dominik Benner die Jahresprognose anheben. Scheitert der Deal, droht ein weiterer Rückschlag für das angeschlagene Vertrauen.
Analysten halten Kurs
Trotz der Turbulenzen stützen Analysten das Papier. First Berlin und NuWays raten weiterhin zum Kauf. Sie senkten zwar ihre Kursziele, sehen den fairen Wert aber bei 19,00 beziehungsweise 17,00 Euro. Ein krasser Kontrast zur Börsenrealität.
Davon ist der reale Handel weit entfernt. Am Freitag schloss die Aktie bei 1,25 Euro. Das entspricht einem Abschlag von fast 78 Prozent zum 52-Wochen-Hoch. Ein RSI-Wert von 21,5 signalisiert einen stark überverkauften Zustand.
Am 25. Juni stellt sich das Management in Paris den Fragen der Investoren. Wenige Tage später, am 1. Juli, folgt die Hauptversammlung in Düsseldorf. Spätestens dort muss der Vorstand handfeste Ergebnisse zur AEP-Finanzierung vorlegen.
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