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Interviewmit Dieter Jaworski

Tesvolt: Wie viel sind geplante 4 GWh ohne belegte Auslastung wert?

Dieter Jaworski sieht Chancen in TESVOLTs Systemintegration, hält die Fabrikauslastung aber für unbelegt und einen Aktienwert für nicht ableitbar.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Wittenberger Jahreskapazität von 4 GWh geplant
  • Fabrikauslastung bislang nicht belegt
  • Software und Cybersicherheit als mögliche Vorteile
  • TESVOLT ist nicht börsennotiert

Wie viel wirtschaftliche Substanz steht hinter TESVOLTs geplanter Fertigung in Wittenberg, solange deren Auslastung offen ist? Auf dem Oktoberfest werden Speicher des Unternehmens eingesetzt; einen Börsenkurs, an dem sich Erwartungen ablesen ließen, gibt es für TESVOLT nicht. Darüber spricht die Redaktion mit Dieter Jaworski.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Wer sich die Netzentgeltbefreiung für ein Speicherprojekt sichern will, steht vor einer verschärften Frist für die endgültige Investitionsentscheidung. Ist das für TESVOLT derzeit das größte Einzelrisiko?

Dieter Jaworski: Für neue Projekte halte ich das für das drängendste Risiko. Die Netzentgeltbefreiung – also die Befreiung von Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes – soll grundsätzlich bestehen bleiben, doch Kunden müssen ihre Entscheidung früher treffen. Das kann Bestellungen verzögern oder Projekte ausbremsen.

TESVOLT ist nicht börsennotiert; es gibt daher keinen Kurs, an dem ich ablesen könnte, wie viel künftiger Absatz bereits erwartet wird. Wer dem Unternehmen heute einen hohen Wert zuschreibt, muss diese Aufträge erst einmal belegen. Bedarf an Speichern allein unterschreibt keine Bestellung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Die Speicher auf dem Oktoberfest zeigen einen konkreten Bedarf. Sind damit nicht auch hohe Erwartungen an die neue Fertigung gerechtfertigt?

Dieter Jaworski: Sie schieben einen konkreten Einsatz und den Absatz einer Fabrik zusammen. Die Installation in den Festzelten zeigt, wofür TESVOLTs Speicher gebraucht werden können; über die künftige Nachfrage nach Wittenberger Systemen sagt sie wenig. Für Wittenberg sind 4 GWh Jahreskapazität geplant. Kapazität ist noch kein Absatz. Ohne Börsenkurs und ohne belegte Auslastung kann ich daraus keinen seriösen Aktienwert ableiten.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Kapazität ist noch kein Absatz.“ Weshalb geben Sie Wittenberg dann überhaupt eine Chance, wenn chinesische Anbieter bei Batteriezellen günstiger sind?

Dieter Jaworski: Weil TESVOLT mehr liefert als Zellen: Die eigene Software und die Cybersicherheitsarchitektur gehören zur Systemintegration. Darin sehe ich einen möglichen Vorteil für gewerbliche Kunden. Den Kostenvorteil chinesischer Anbieter schafft das nicht weg.

Meine Einschätzung würde kippen, wenn die Auslastung der Wittenberger Fertigung trotz Nachfrage nach Gewerbespeichern schwach bliebe. An dieser Größe messe ich laufend, ob der geplante Maßstab trägt; vor einem Beleg rechne ich keinen Größenvorteil ein.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Was müsste auf dem Oktoberfest gelingen, damit Sie in dem Einsatz mehr sehen als eine Vorführung?

Dieter Jaworski: Die Speicher müssen die Stromversorgung im Festbetrieb zuverlässig halten. Danach müssten weitere Betriebe aus eigenem Bedarf bestellen. Ein Fest allein füllt keine Fabrik.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihr Vertrauen in TESVOLTs Stellung stützt sich auch auf einen deutschen Marktanteil von rund 49 Prozent aus dem Jahr 2021. Ist diese Zahl heute noch belastbar?

Dieter Jaworski: Als heutiger Marktanteil wäre sie nicht belastbar. Sie zeigt, dass TESVOLT in seiner deutschen Nische einmal eine starke Stellung hatte; ob sie fortbesteht, muss sich neu erweisen. Die Verbindung von Speichern mit TESVOLT Energy und mehreren Energiehändlern kann Kunden enger binden. Das steckt noch am Anfang. Eine alte Marktanteilszahl ist dafür kein Ersatz.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Für die geplanten 4 GWh rechnen Sie ohne belegte Auslastung keinen Größenvorteil ein. Welches Gesamturteil folgt daraus für TESVOLT?

Dieter Jaworski: TESVOLT bearbeitet eine überzeugende Nische und zeigt auf dem Oktoberfest einen handfesten Anwendungsfall. Das stärkere Gewicht hat für mich die unbelegte Auslastung der neuen Fertigung. Und von einer bewertbaren Aktie zu sprechen, geht derzeit zu weit: TESVOLT ist nicht börsennotiert. Hier verdient das Geschäft Aufmerksamkeit, während ein Aktienwert offenbleibt.

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Diskussion zu Tesvolt

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.