Ein einziger Satz auf einer Londoner Autokonferenz hat diese Woche die Karten im europäischen Automobilsektor neu gemischt. BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte: Ihr Unternehmen verhandelt aktiv mit Stellantis und weiteren europäischen Herstellern über die Übernahme brachliegender Werke. Die Folgen reichen weit über einen einzelnen Deal hinaus.
Europas Autofabriken laufen im Schnitt nur noch auf halber Kapazität. Diese strukturelle Überkapazität wird nun zum zentralen Schlachtfeld der globalen E-Mobilitäts-Wende — und fünf Aktien stehen an sehr unterschiedlichen Punkten dieser Verschiebung.
BYD: Fabrikjäger mit Profitproblem
„Wir sprechen nicht nur mit Stellantis, wir reden auch mit anderen Unternehmen“, erklärte Stella Li am Rande der Konferenz. „Wir suchen jede verfügbare Fabrik in Europa.“ Die Strategie dahinter ist klar: Statt jahrelang auf neue Werke zu warten oder EU-Zölle zwischen 17 und 35 Prozent zu absorbieren, will BYD bestehende Kapazitäten kaufen — und sofort produzieren.
Die Exportzahlen untermauern den Ehrgeiz. Im April verkaufte BYD 135.000 Fahrzeuge im Ausland, ein Plus von 70 Prozent zum Vorjahr und ein neuer Rekord. In den ersten vier Monaten 2026 gingen fast eine halbe Million Einheiten in den Export. Das Jahresziel liegt bei 1,5 Millionen Fahrzeugen außerhalb Chinas.
Die Kehrseite: Acht Monate in Folge gingen die Inlandsverkäufe zurück. Der Nettogewinn brach im ersten Quartal 2026 um 55 Prozent ein. Bereits 2025 war der Jahresgewinn trotz Rekordabsatz von 4,6 Millionen Einheiten um 19 Prozent gefallen. BYD wächst also rasant international, bezahlt das Wachstum aber mit schrumpfenden Margen. Besonders pikant: Li bezeichnete die Stellantis-Luxusmarke Maserati als „sehr interessant“ — ein Signal, dass BYD neben Fabriken auch europäische Traditionsmarken ins Visier nimmt.
Deutz AG: Rekordaufträge abseits des EV-Dramas
Während die Pkw-Branche um Marktanteile ringt, läuft es beim Kölner Motorenhersteller so gut wie lange nicht. Die Jahreszahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Auftragseingang Q1 2026: 771 Mio. Euro (+41,2 % ggü. Vorjahr)
- Umsatz Q1: 530 Mio. Euro (+8,4 %)
- Bereinigtes EBIT: 37,3 Mio. Euro (+45,7 %), Marge bei 7,0 %
- Auftragsbestand: Rekordniveau von knapp 739 Mio. Euro
Das Verteidigungssegment glänzte mit einer zweistelligen Marge von rund 13 Prozent. Seit Jahresbeginn operiert Deutz unter einer neuen Fünf-Segment-Struktur — Defense, Energy, Engines, NewTech und Service —, die den Wandel vom reinen Motorenbauer zum diversifizierten Antriebsspezialisten abbilden soll.
Auf der Hauptversammlung Mitte Mai genehmigten die Aktionäre eine erhöhte Dividende von 0,18 Euro je Aktie. CFO Oliver Neu vermeldete, das Sparprogramm „Future Fit“ sei vollständig umgesetzt und werde das ursprüngliche Einsparziel von 50 Millionen Euro um rund zehn Prozent übertreffen.
Der Kurs schloss am Freitag bei 9,91 Euro — nach einem Wochenverlust von knapp neun Prozent. Der RSI von 83 signalisiert eine überkaufte Lage nach der vorangegangenen Rally. Berenberg sieht das Kursziel bei 13,00 Euro, die DZ Bank bei 11,60 Euro. Beide empfehlen den Kauf. Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Umsatz von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 Prozent an.
Tesla: Robotaxi-Programm im Gegenwind
Teslas Woche stand im Zeichen unangenehmer Transparenz. Das Unternehmen legte alle 17 Unfallberichte seines Robotaxi-Programms offen, die bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eingereicht wurden. Die Vorfälle erstrecken sich von Juli 2025 bis März 2026 — den gesamten Testzeitraum in Austin.
Mindestens zwei Unfälle ereigneten sich, während ein Teleoperator das Fahrzeug fernsteuerte. Beide passierten bei niedriger Geschwindigkeit, mit Sicherheitsfahrer am Steuer und ohne Passagiere. Die meisten Zusammenstöße gingen nicht auf Tesla zurück. Einige Fälle werfen aber Fragen auf.
Die Skalierung bleibt das eigentliche Problem. Gerade einmal 50 Robotaxis operieren in Austin — Waymo hat dort mehr als 250 Fahrzeuge im Einsatz. Elon Musk hatte ursprünglich prognostiziert, der Service könne bis Ende 2025 die halbe US-Bevölkerung erreichen. Nun spricht er davon, bis Jahresende 2026 in „ein Dutzend oder so Bundesstaaten“ zu expandieren.
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Aus Australien kam zusätzlicher Druck. Ein Bundesrichter warnte Tesla vor „wirklich schlechten Zeiten“, sollte der Konzern in einem Sammelklageverfahren nicht ausreichend kooperieren. Die Aktie verlor am Freitag über fünf Prozent und schloss bei 363,40 Euro.
Die operativen Kennzahlen des ersten Quartals fielen solide aus: 22,4 Milliarden Dollar Umsatz bei 16 Prozent Wachstum, eine Bruttomarge von 21,1 Prozent. Für 2026 plant Tesla Investitionen von über 25 Milliarden Dollar in Fabriken, KI-Infrastruktur und den Robotaxi-Launch. Die Analysten-Einschätzung ist gespalten — der Konsens steht auf „Halten“ bei einem mittleren Kursziel von 406,65 Dollar.
Schaeffler: Zulieferer sieht Chance in Chinas Europa-Expansion
Wo andere Bedrohungen sehen, wittert Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld Geschäft. Der Zulieferer für Kugellager und Hybridantriebe sei „gut vorbereitet“, um chinesische Hersteller zu beliefern, die in Europa produzieren wollen. Eine strategisch kohärente Position: Anders als OEMs, die Marktanteile verteidigen müssen, profitiert ein breit aufgestellter Teilelieferant unabhängig davon, welches Logo am Werkstor hängt.
Die Q1-Zahlen stützten den Optimismus. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,07 Euro und übertraf die Erwartungen um gut 32 Prozent. Der Umsatz erreichte 5,76 Milliarden Euro — ein leichtes Plus, getragen von industrieller und E-Mobilitäts-Nachfrage.
Die Aktie legte in den vergangenen sieben Tagen über 16 Prozent zu und notierte am Freitag bei 11,00 Dollar an der US-Börse. Die Volatilität ist mit annualisiert 109 Prozent allerdings extrem hoch. Für das Gesamtjahr erwartet Schaeffler einen Umsatz von 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro bei einer bereinigten Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent — beides unterhalb des Analystenkonsenses. Sieben von acht Analysten empfehlen dennoch den Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei 8,91 Euro.
Stellantis: Investor Day als Weichenstellung
Für Stellantis verdichten sich die Ereignisse. BYD verhandelt über brachliegende Werke. Das Leapmotor-Joint-Venture wird ausgeweitet. Und am 21. Mai steht der Investor Day an, auf dem CEO Antonio Filosa seinen strategischen Gesamtplan vorlegen soll.
Die Partnerschaft mit dem chinesischen E-Auto-Hersteller Leapmotor gewinnt an Substanz. Im Werk Figueruelas bei Zaragoza wird eine zusätzliche Linie für ein neues Opel-Elektro-SUV geprüft, Produktionsstart möglicherweise 2028. Auch das Madrider Werk Villaverde könnte ein Leapmotor-Modell erhalten — besonders relevant, weil dort die Produktion des Citroën C4 ausläuft.
Die Q1-Zahlen zeigten eine Stabilisierung: Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 38,1 Milliarden Euro. Nach einem Verlust von 387 Millionen Euro im Vorjahresquartal kehrte Stellantis mit 377 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück. Das bereinigte operative Ergebnis erreichte eine Milliarde Euro bei einer Marge von 2,5 Prozent.
Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte. Mit 6,49 Euro liegt er gut 33 Prozent unter dem Jahresstartwert und knapp 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Bank of America stufte die Aktie im Mai auf „Underperform“ herab. Der Analystenkonsens von 27 Experten sieht dennoch ein mittleres Kursziel von 8,10 Euro — rund 25 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Fünf Aktien, fünf Richtungen — und ein entscheidender Termin
Die Dynamik im Automobilsektor sortiert sich entlang einer klaren Trennlinie: Wer profitiert vom Umbau der europäischen Produktionslandschaft, wer wird davon überrollt?
- BYD tauscht Marge gegen Marktanteile und beschleunigt den Europa-Einstieg über Fabrikübernahmen statt Neubau
- Deutz fährt auf eigenem Gleis — der Auftragsboom bei Bau- und Landmaschinen hat mit dem EV-Umbruch wenig zu tun
- Tesla kämpft an zu vielen Fronten gleichzeitig: Skalierung, Regulierung, Rechtsstreitigkeiten
- Schaeffler positioniert sich als Gewinner unabhängig vom Ausgang der OEM-Schlachten
- Stellantis muss am 21. Mai in Auburn Hills beweisen, dass hinter den vielen Partnerschaften ein kohärenter Plan steckt
Der Investor Day am Mittwoch wird zum Lackmustest. Filosa muss erklären, wie Stellantis gleichzeitig mit BYD über Werksverkäufe verhandeln, die Leapmotor-Allianz ausbauen und die eigene Markenflotte zukunftsfähig machen will. Gelingt ihm das, könnte die Bewertungslücke zum Analystenkonsens Kaufsignal sein. Gelingt es nicht, droht die nächste Abstufung.
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