Während Tesla seine Cybercabs in Austin auf die Straße schickt, fährt Waymo längst in vierzehn Städten. Der Vergleich der beiden Robotaxi-Rivalen zeigt, wie groß der Abstand tatsächlich noch ist — und wie viel vom Börsenwert des Autobauers an diesem einen Zukunftsprojekt hängt.
Cybercab startet, Behörde schaut zu
Seit dem 3. September bietet Tesla erste Fahrten mit seinem fahrerlosen Cybercab in ausgewählten Bereichen von Austin an. Das zweisitzige Fahrzeug kommt ohne Lenkrad und Pedale aus — Konzernchef Elon Musk bezeichnete es als das erste Auto, das gezielt für unbeaufsichtigtes autonomes Fahren entwickelt wurde. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA steht deswegen bereits mit Tesla in Kontakt und prüft den Zertifizierungsprozess des Fahrzeugs.
Offen bleibt bislang, ob für die Fahrten überhaupt ein Preis verlangt wird und wer in Austin Zugang zur App bekommt. In Texas waren zuletzt 420 autonome Tesla-Fahrzeuge registriert, davon 45 Cybercabs. Waymo kommt im selben Bundesstaat auf 988 Fahrzeuge. In Kalifornien fehlt Tesla weiterhin die Genehmigung für einen echten Robotaxi-Betrieb ohne Sicherheitsfahrer.
Waymo weit voraus, Tesla wächst aus kleiner Basis
Der Größenunterschied zwischen beiden Anbietern ist erheblich. Tesla meldete zuletzt mehr als 380.000 unbeaufsichtigt gefahrene Meilen in sechs Städten, mit zweistelligen Wachstumsraten von Woche zu Woche. Waymo dagegen kam im März auf bis zu 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche und rund 220 Millionen gefahrene Meilen seit dem Start 2018.
Tesla-KI-Chef Ashok Elluswamy sieht die aktuelle Wachstumsbremse nicht in fehlender Nachfrage, sondern in der Zuverlässigkeit des Systems — Musk nennt es den „Marsch der Neunen“.
Ob sich das Geschäft rechnet, bleibt unklar: Weder Tesla noch Waymo haben bislang eigene Finanzzahlen für ihre Robotaxi-Sparten veröffentlicht. Der Bereich Other Bets von Alphabet, dem Waymo zugeordnet ist, verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar bei knapp 800 Millionen Dollar Umsatz.
Konzernzahlen und Insider-Verkauf
Auf Konzernebene wies Tesla für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 28,2 Milliarden Dollar aus, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis blieb mit 0,4 Milliarden Dollar mager, der freie Cashflow war mit minus 1,1 Milliarden Dollar negativ.
Finanzchef Vaibhav Taneja begründete das mit steigenden Investitionen, die sich in der zweiten Jahreshälfte weiter erhöhen sollen — für das Gesamtjahr plant Tesla mit mehr als 25 Milliarden Dollar, unter anderem für den Ausbau der Robotaxi-Flotte.
Passend dazu verkaufte Taneja Anfang September Aktien im Wert von rund 938.000 Dollar, die im Rahmen der Steuerpflicht bei vestenden Restricted Stock Units automatisch eingezogen wurden. Die Tesla-Aktie notierte zuletzt bei knapp 368 Dollar, was den Konzern mit etwa 1,45 Billionen Dollar bewertet.
Die Analystenmeinungen zum Cybercab-Start gehen auseinander: GLJ Research bekräftigte eine Verkaufsempfehlung wegen der aus ihrer Sicht lückenhaften Informationslage zum Rollout, während StoneX bei „Kaufen“ mit einem Kursziel von 475 Dollar bleibt.
Der Robotaxi-Bereich gilt als zentrale Stütze für die hohe Bewertung von Tesla gegenüber anderen Autobauern, während das klassische Elektroauto-Geschäft unter dem Druck vor allem chinesischer Konkurrenten steht. Wie schnell sich der Cybercab-Betrieb über Austin hinaus ausweiten lässt, dürfte auch davon abhängen, wie die laufende NHTSA-Prüfung ausgeht.
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