Morgan Stanley traut Tesla im Speditionsgeschäft Milliarden zu — und rückt damit ein Geschäftsfeld in den Fokus, das bislang kaum eine Rolle spielte. Die Bank bestätigt zwar nur ihr „Equalweight“-Rating mit Kursziel 400 Dollar, hebt aber ihr Bull-Case-Szenario für Teslas Netzwerkdienste auf 840 Dollar an. Der Grund: autonome Lkw-Flotten.
Was das Semi-Geschäft bringen könnte
Die Analysten beziffern den adressierbaren US-Markt für autonomes Trucking bis 2041 auf 500 Milliarden bis 1,1 Billionen Dollar. Autonome Flotten sparen laut der Studie rund 20 Prozent der Kosten gegenüber menschlich gesteuerten Lkw ein — vor allem bei Personal, Sprit und Versicherung.
Tesla könnte über eine Software-Abo-Gebühr von 0,85 bis 1,00 Dollar pro Meile monatlich zwischen 12.000 und 18.000 Dollar pro Fahrzeug einnehmen, deutlich mehr als die rund 100 Dollar, die Full-Self-Driving-Abos bei Privatkunden heute generieren.
Erreicht Tesla bis 2040 rund 82.000 Semi-Trucks auf den Straßen — ein Marktanteil von 13,5 Prozent — käme laut Morgan Stanley Software-Umsatz von 17 Milliarden Dollar zusammen, mit einem operativen Gewinnbeitrag von etwa 7,5 Milliarden Dollar.
Fahrzeugverkäufe oder Ladeinfrastruktur sind darin noch nicht einmal eingerechnet. Die Prognosen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Tesla mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 338 gehandelt wird — ein Bewertungsniveau, das viel Wachstumsfantasie bereits einpreist.
Analystenbild bleibt gespalten, Kurs pendelt seitwärts
Der breitere Analystenkonsens zeigt kein einheitliches Bild. Kursziele reichen von 24,86 Dollar (GLJ Research, Sell) bis 480 Dollar (RBC Capital, Buy), mit Zwischenwerten von JPMorgan (445 Dollar, Hold) und Barclays (370 Dollar, Hold). Diese Streuung spiegelt unterschiedliche Einschätzungen zur Frage wider, wie viel Wert Robotaxi- und Trucking-Fantasie heute schon rechtfertigen.
Charttechnisch hängt die Aktie derzeit zwischen der 200-Tage-Linie bei etwa 381 Dollar als Widerstand und der 50-Tage-Linie bei rund 350 Dollar als Unterstützung fest. Die Handelsspanne zwischen 360 und 375 Dollar gilt als richtungslose Zone mit schwacher Trendstärke.
Abseits der Bewertungsdebatte expandiert Elon Musks Boring Company, die eng mit Tesla verzahnt ist: Das Tunnelbau-Unternehmen wurde zuletzt mit 23 Milliarden Dollar bewertet und sammelte in einer von den Vereinigten Arabischen Emiraten angeführten Runde 3 Milliarden Dollar ein, um mehr als 150 Kilometer Tunnel in Dubai zu bauen. In den USA transportieren Tesla-Fahrzeuge bereits Passagiere durch bestehende Boring-Co.-Loops in Las Vegas.
Ein möglicher Belastungsfaktor bleibt im Raum: Evercore ISI führt Tesla auf einer Liste von 40 Aktien, die durch Umschichtungen institutioneller Anleger vor den erwarteten Börsengängen von OpenAI und Anthropic unter Druck geraten könnten. Ob sich dieser Effekt tatsächlich zeigt, dürfte sich frühestens am für den 28. Oktober angepeilten, noch unbestätigten Quartalstermin ablesen lassen.
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