Teslas Robotaxi-Erzählung lebt davon, dass Software, Regulierung und reale Testdaten am Ende zusammenpassen. Genau hier kratzt ein neuer Reuters-Bericht am Lack: Ausgerechnet in Kalifornien, dem wichtigsten US-Automarkt, soll Tesla seit Jahren keine autonomen Testkilometer gemeldet haben. Das wirft ein grelles Licht auf die Lücke zwischen Ambition und behördlicher Realität.
Kalifornien: Keine Testmeilen seit 2019
Laut einer Reuters-Recherche auf Basis von Unterlagen der kalifornischen Zulassungsbehörde DMV hat Tesla seit 2019 keinen einzigen autonomen Testmile auf öffentlichen Straßen in Kalifornien dokumentiert. Insgesamt komme das Unternehmen seit 2016 lediglich auf 562 Meilen in den bei der Behörde erfassten Meldungen.
Das ist vor allem deshalb brisant, weil Tesla für seine autonomen Pläne in einem Markt wie Kalifornien nicht nur Technik, sondern auch einen belastbaren regulatorischen Track Record braucht. Ein DMV-Sprecher bestätigte Reuters zudem, dass Tesla keine Genehmigungen über eine Einstiegs-Erlaubnis hinaus beantragt habe – diese erlaubt Tests nur mit Sicherheitsfahrer am Steuer.
Neue Regeln erhöhen die Hürde
Zusätzlichen Druck baut ein Regulierungsvorhaben auf, das laut Reuters später in diesem Jahr finalisiert werden soll: Danach müsste ein Anbieter mindestens 50.000 Meilen autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen mit Sicherheitsfahrer nachweisen, bevor überhaupt ein Antrag für Tests ohne Sicherheitsfahrer möglich wäre.
Gemessen daran wirkt Teslas Status in Kalifornien wie ein Kaltstart mit angezogener Handbremse. Bryant Walker Smith, Juraprofessor und Experte für autonomes Fahren, der laut Reuters auch für die DMV beraten hat, formulierte es zugespitzt: Tesla vermittle „sie seien bereit und die Regulierer nicht“ – tatsächlich seien „die Regulierer bereit, und sie sind es nicht“.
Rechtsstreit um „Autopilot“ verschärft das Umfeld
Die Meldung trifft auf ein ohnehin angespanntes Klima in Kalifornien. CNBC und Electrek berichteten, Tesla habe die DMV verklagt, nachdem die Behörde zu dem Schluss gekommen sei, die Vermarktung von „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ sei irreführend gewesen.
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Brisant dabei: Laut CNBC wurde die Klage am 13. Februar eingereicht, obwohl Tesla die behördlich geforderten Korrekturen bereits umgesetzt hatte. Die DMV bestätigte demnach am 17. Februar entsprechende Anpassungen: Tesla ließ den Begriff „Autopilot“ fallen und ergänzte bei „Full Self-Driving“ den Zusatz „Supervised“. Damit habe das Unternehmen laut Electrek eine mögliche 30-tägige Verkaufssperre im Bundesstaat vermieden. Teslas Anwälte warfen der Behörde laut CNBC vor, das Unternehmen „zu Unrecht und haltlos“ als „falschen Werber“ bezeichnet zu haben.
Robotaxi bisher: Pilot statt Flotte
Operativ bleibt Teslas Robotaxi-Betrieb laut Reuters bislang überschaubar. In Austin (Texas) laufe ein kleiner Pilotbetrieb, wo die regulatorischen Hürden niedriger seien. In der San-Francisco-Bay-Area wiederum entspreche das, was Tesla als „Robotaxi“-Service gestartet habe, laut Reuters und Behörden eher einem Chauffeur-Modell: Menschen fahren, unterstützt von der Full-Self-Driving-Software.
Parallel erhöht sich der Konkurrenzdruck. Waymo habe laut Barron’s den Betrieb in 10 US-Städten gemeldet. Das steht in deutlichem Kontrast zu Teslas kommuniziertem Plan, bis zur Jahresmitte neun Städte zu bedienen.
Kursreaktion im schwachen Tech-Umfeld
Die Tesla-Aktie stand am Donnerstag unter Druck und notierte laut den bereitgestellten Daten 2,16% tiefer bei 345,80 Euro. Reuters ordnet die Bewegung auch in eine allgemein schwächere Stimmung im Technologiesektor ein.
Zum Gesamtbild passt außerdem: Der Kurs liegt rund 7% unter dem 50-Tage-Durchschnitt, was den jüngsten Gegenwind technisch unterstreicht.
Am 21. April 2026 legt Tesla die nächsten Quartalszahlen vor – bis dahin dürfte sich in der Bewertung vieles daran messen, ob die Robotaxi-Pläne mehr Substanz bekommen, gerade im regulatorisch anspruchsvollen Kalifornien.
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