Während die Aktie heute leicht nachgibt, schickt Tesla ein klares operatives Signal aus Brandenburg: Das Werk in Grünheide soll ab Oktober auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche hochfahren — ein weiteres Fünftel mehr als das bereits angehobene Ziel von 6.200 Einheiten, das ab Juli gelten soll.
Konkret plant Tesla, weitere 1.000 Mitarbeiter in der Fahrzeugproduktion einzustellen. Rund 700 davon sind bereits an Bord. Parallel dazu laufen Einstellungen für die Batteriezellfertigung — ebenfalls in Grünheide, wo Tesla knapp 250 Millionen Dollar investiert, um eine Jahreskapazität von 18 Gigawattstunden aufzubauen. Für diesen Bereich werden mehr als 1.500 Fachkräfte gesucht, was die Rekrutierung nach eigenen Angaben anspruchsvoller macht. Insgesamt entstehen damit kurz- und mittelfristig rund 3.500 neue Stellen am Standort.
Trendwende im Heimatmarkt
Der Aufwuchs kommt nicht aus dem Nichts. Im Mai wurden in Deutschland über 5.100 Tesla-Fahrzeuge neu zugelassen — ein Plus von 322 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nach dem starken Absatzeinbruch 2025 läuft die Erholung offenbar schneller als erwartet.
Mit 7.500 Einheiten pro Woche käme Grünheide rechnerisch auf rund 375.000 Fahrzeuge im Jahr — deutlich unter der ursprünglich angestrebten halben Million, aber eine spürbare Annäherung. Die langfristige Ausbauoption auf eine Million Einheiten jährlich bleibt damit zumindest in der Diskussion.
Narrative schlägt Fundamentals
An der Börse treiben derweil andere Themen den Kurs. Barclays hält das Rating auf „Equalweight“ mit einem Kursziel von 360 Dollar und stellt fest, dass Quartalszahlen und Margen für viele Investoren kaum noch eine Rolle spielen. Die Fantasie rund um Robotaxi, den humanoiden Roboter Optimus und KI dominiert das Sentiment. Das Analystenhaus rechnet für das zweite Quartal mit rund 418.000 Auslieferungen — über dem Konsens von 396.000 Einheiten.
Die Kursziele im Markt spannen sich von 123 bis 600 Dollar, ein ungewöhnlich breites Spektrum, das unterschiedlichere Einschätzungen zur Bewertung kaum deutlicher zeigen könnte. Das KGV von über 340 signalisiert: Wer Tesla kauft, wettet auf eine Zukunft, die noch nicht in den Zahlen steckt.
Die Auslieferungsdaten für das zweite Quartal werden voraussichtlich Anfang Juli veröffentlicht — dann zeigt sich, ob Barclays‘ optimistische Schätzung aufgeht.
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