Tesla drückt seine Fahrassistenz-Software in Europa mit Macht in den Markt. Die Zulassungswelle rollt bereits durch sechs Länder. Gestern veröffentlichte Dokumente werfen nun aber einen dunklen Schatten auf die Kampagne. Die zugrundeliegenden Sicherheitsstatistiken stehen massiv in der Kritik.
Der Autobauer reichte bei niederländischen und schwedischen Behörden eigene Sicherheitsdaten ein. Unabhängige Verkehrsforscher bewerten diese Zahlen als irreführendes Marketing. Tesla behauptet darin, die Software FSD sei bis zu zehnmal sicherer als menschliche Fahrer. Das System hätte angeblich 32.000 Todesfälle verhindern können.
Diese enorme Zahl basiert auf einer absurden Annahme. Dafür müsste jedes einzelne Fahrzeug in den USA durch einen FSD-Tesla ersetzt werden. Forscher kritisieren obendrein die Vergleichsmethode. Tesla stellt Unfallraten von Autos mit aktiviertem Assistenten völlig anderen nationalen Durchschnittswerten gegenüber.
An der Börse sorgt die Debatte für Verunsicherung. Die Tesla-Aktie gibt heute um gut zwei Prozent auf 346,80 Euro nach. Damit weitet sich das Minus seit Jahresbeginn auf rund sieben Prozent aus. Der Kurs pendelt aktuell direkt an seiner mittelfristigen Durchschnittslinie.
Behörden verteidigen eigene Tests
Die betroffenen Zulassungsstellen wehren sich gegen die Vorwürfe. Die niederländische Straßenbehörde RDW betont ihre Unabhängigkeit. Sie verlässt sich nach eigenen Angaben nicht auf externe Marketing-Zahlen. Stattdessen führt sie eigene, strenge Tests durch. Im April erteilte die RDW eine vorläufige nationale Typgenehmigung.
Die Folge: FSD läuft mittlerweile unter Aufsicht in den Niederlanden, Litauen, Estland, Belgien und Dänemark. Weitere Staaten wie Deutschland und Frankreich prüfen das System noch.
EU-weite Zulassung lässt auf sich warten
Eine flächendeckende EU-Zulassung erfordert eine hohe Hürde. Mindestens 55 Prozent der Mitgliedsstaaten müssen zustimmen. Diese Länder müssen ferner 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Auf der Agenda Ende Juni steht vorerst nur eine weitere Diskussion. Eine formelle Abstimmung fehlt.
Für Tesla steht viel auf dem Spiel. Der Konzern verliert in Europa zunehmend Marktanteile an chinesische Konkurrenten wie BYD. Um den Umsatz anzukurbeln, stellte Tesla im Mai auf ein Abo-Modell um. Kunden zahlen nun 99 Euro pro Monat für die Software. Die Einmalkauf-Option entfällt.
Kamera-Tricks in China
Parallel dazu bröckelt das Sicherheitsnarrativ an einer anderen Front. Chinesische Fahrer überlisten die Innenraumkamera ihres Teslas mit kleinen Figuren. Diese billigen Gadgets gaukeln dem System Aufmerksamkeit vor. Der Autopilot übernimmt das Steuer, während der Fahrer unbemerkt wegschaut.
Die europäische Zulassungskampagne gerät damit in eine kritische Phase. Der Weg zur EU-weiten Erlaubnis führt nicht mehr nur über technische Tests. Tesla muss nun die Glaubwürdigkeit seiner eigenen Datenbasis beweisen. Am 30. Juni trifft sich der technische Ausschuss der EU zur nächsten Verhandlungsrunde.
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