Der US-Infrastrukturbetreiber TeraWulf bereitet sich auf eine massive Ausweitung seiner Kapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI) vor. Während das Unternehmen seine Wurzeln im Bitcoin-Mining hat, rückt nun die Bereitstellung von Hochleistungs-Rechenzentren in den Fokus.
Für die Entwicklung des neuen Justified Data Campus im US-Bundesstaat Kentucky wird ein erheblicher Kapitalbedarf prognostiziert. Analysten schätzen, dass TeraWulf für den Aufbau der dortigen Infrastruktur zwischen 4,0 und 4,5 Milliarden US-Dollar finanzieren muss.
Dieser Kapitalbedarf unterstreicht die Dimensionen, in denen sich das Unternehmen künftig bewegen will. Erst gestern wurde bekannt, dass die regionale Aufsichtsbehörde in Kentucky einen 15-jährigen Stromliefervertrag über bis zu 482 Megawatt (MW) für diesen Standort genehmigt hat. Damit sichert sich TeraWulf eine langfristige Energieversorgung, die als Grundlage für den Betrieb von KI-Clustern unerlässlich ist. Das Vorhaben ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die das Unternehmen unabhängiger von den Schwankungen des Kryptomarktes machen soll.
Fokus auf Finanzierung und langfristige Erlöse
Die hohen Investitionskosten stehen einer ambitionierten Wachstumsprognose gegenüber. Marktbeobachter gehen davon aus, dass TeraWulf bis zum Jahr 2029 einen Jahresumsatz von rund 2,1 Milliarden US-Dollar erzielen könnte. Dabei wird ein Gewinn von etwa 254,8 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt.
Ein wesentlicher Baustein für diese Erwartungen ist ein bereits unterzeichneter Leasingvertrag mit dem KI-Unternehmen Anthropic. Dieser Vertrag hat eine Laufzeit von 20 Jahren und umfasst eine Kapazität von etwa 401 MW.
An der Börse wird die Transformation mit gemischten Gefühlen verfolgt. Die Aktie schloss gestern bei einem Kurs von 13,70 Euro, was einem Tagesverlust von 2,0 Prozent entspricht.
Zwar konnte das Papier seit Jahresbeginn um 41 Prozent zulegen, notiert jedoch derzeit mit einem Abstand von minus 47 Prozent deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 25,96 Euro. Anleger wägen derzeit die enormen Chancen im KI-Sektor gegen die Risiken der Milliardenfinanzierung ab.
Marktveränderungen zwingen zur Neuausrichtung
Der Pivot weg vom reinen Bitcoin-Mining ist eine Reaktion auf das veränderte Marktumfeld. Der Preis für Bitcoin fiel von einem Höchststand bei 124.000 US-Dollar im Oktober vergangenen Jahres auf etwa 80.000 US-Dollar im August zurück. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach Rechenkapazität für KI-Anwendungen exponentiell an.
TeraWulf befindet sich hier in einem direkten Wettbewerb mit anderen Branchengrößen wie Core Scientific oder Riot Platforms, die ebenfalls massiv in KI-Infrastruktur investieren. Letztere schlossen Berichten zufolge erst kürzlich einen milliardenschweren Compute-Deal mit Anthropic ab.
Zusätzlich zu den Finanzierungsthemen rücken regulatorische und energetische Hürden in den Fokus. Die Federal Reserve Bank of Dallas wies jüngst darauf hin, dass das Wachstum von KI-Rechenzentren die Stromerzeugungskosten bis 2028 um bis zu 30 Prozent in die Höhe treiben könnte.
In einigen Bundesstaaten wie Texas oder New York reagieren Behörden bereits mit Moratorien oder verschärfter Aufsicht auf den massiven Energiebedarf der Branche. TeraWulf scheint durch den langfristig gesicherten Zugang zu 482 MW in Kentucky jedoch einen strategischen Vorsprung gegenüber Projekten zu haben, die noch auf Netzanschlüsse warten.
Analysten beziffern den fairen Wert der Aktie derzeit auf 37,94 US-Dollar. Ob dieses Ziel erreicht wird, hängt maßgeblich davon ab, wie zügig die Erschließung des Campus in Kentucky voranschreitet und zu welchen Konditionen die notwendigen Milliardenkredite aufgenommen werden können. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob TeraWulf die hohen Entwicklungskosten effizient in profitables Wachstum ummünzen kann.
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