Die Deutsche Telekom hat der Handelswoche noch eine positive Wendung gegeben. Am Freitag schloss die Aktie bei 26,45 Euro, ein Plus von 1,54 Prozent. Auf Sieben-Tage-Sicht bleibt trotzdem ein Minus von 2,04 Prozent stehen – die Erholung kommt spät, aber sie kommt.
Auslöser ist eine Nachricht aus den USA. T-Mobile US hat die Prognose für den bereinigten freien Cashflow im Gesamtjahr 2026 angehoben. Der Markt reagierte zunächst zurückhaltend, denn der Umsatz der US-Tochter blieb leicht hinter den Erwartungen zurück. Auch die Aussicht auf eine steigende Kündigungsquote im dritten Quartal sorgte für Skepsis. Am Freitag setzte sich am Ende die bessere Cashflow-Perspektive durch. Das laufende Aktienrückkaufprogramm der Konzernmutter stützt den Kurs zusätzlich durch kontinuierliche Käufe am Markt.
Die entscheidende Frage: Reicht der Cashflow gegen den Trend?
Der US-Cashflow und die eigenen Rückkäufe treffen auf einen hartnäckigen Abwärtstrend. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 4,82 Prozent zu Buche, auf Zwölf-Monats-Sicht sogar ein Rückgang von 17,14 Prozent. Die zentrale Frage für die kommende Woche: Reicht die fundamentale Stärke aus der US-Tochter, um die technische Schwäche zu brechen? Oder behält der Wettbewerbsdruck im Telekommunikationssektor die Oberhand? Hinzu kommt ein Governance-Thema – die Vergütung des US-Managements stieß zuletzt bei einigen Großaktionären auf Kritik.
Bullisches Szenario: Cashflow als Stützpfeiler
Für eine Fortsetzung der Erholung sprechen mehrere Faktoren. Die angehobene Cashflow-Prognose sichert dem Konzern die Mittel für eine verlässliche Dividendenpolitik und den fortlaufenden Rückkauf eigener Aktien. Das drückt das Angebot an ausstehenden Papieren und wirkt kursstützend.
Deutsche Bank Research hat die Einstufung „Buy“ zuletzt bestätigt und sieht die US-Kennzahlen als unterstützend an. Die fundamentale Investment-Story gilt trotz der Kursverluste der vergangenen Monate bei vielen Experten weiterhin als intakt.
Charttechnisch hat sich die Aktie bereits um gut 12 Prozent von ihrem Jahrestief bei 23,54 Euro gelöst. Gelingt der Sprung über den 50-Tage-Durchschnitt bei 27,19 Euro, könnte das zusätzliches Kaufinteresse wecken.
Bärisches Szenario: Der Abwärtstrend hält noch
Dem Optimismus stehen handfeste Risiken gegenüber. Die Aktie notiert weiterhin rund 7,7 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 28,66 Euro. Das übergeordnete Bild bleibt damit technisch angeschlagen, trotz der jüngsten Erholung.
Operativ drohen Belastungen aus mehreren Richtungen. Die von T-Mobile US angekündigten Tarifumstellungen dürften im dritten Quartal zu mehr Kündigungen führen. Gleichzeitig verschlingt der Ausbau von Glasfaser- und 5G-Netzen hohe Investitionssummen – Geld, das an anderer Stelle fehlt.
Auch der Wettbewerb verschärft sich. Analysten verweisen auf Satelliten-Internetdienste und die milliardenschweren KI-Investitionen der Konkurrenz als Wachstumsbremsen für etablierte Telekom-Konzerne. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro beträgt inzwischen 23 Prozent – ein Hinweis darauf, wie viel Vertrauen der Markt seit dem Hoch im Februar bereits eingebüßt hat.
Dazu kommen makroökonomische Unsicherheiten. Neue US-Zolldrohungen gegen EU-Waren belasten die Stimmung in Europa. Die Deutsche Telekom hängt über ihr US-Geschäft stark am Dollar, entsprechend könnten Handelshemmnisse die Bewertung indirekt treffen. Die annualisierte Volatilität von 33,58 Prozent zeigt: Das Marktumfeld bleibt nervös.
Ausblick: Die Marke bei 27,19 Euro entscheidet
Für die kommende Woche zeichnet sich eine Richtungsentscheidung ab. Solange die Aktie unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt verharrt, bleibt das Bild technisch angeschlagen. Rutscht das Papier unter das Jahrestief von 23,54 Euro, dürfte der Verkaufsdruck wieder zunehmen.
Anders sieht es aus, wenn sich der Kurs über 26,00 Euro hält und den 50-Tage-Durchschnitt bei 27,19 Euro überwindet. Das würde den Weg in den neutralen Bereich öffnen, den auch der aktuelle RSI von 49,3 andeutet. Als nächster konkreter Prüfstein gilt die Umsetzung der angekündigten US-Tarifanpassungen. Der Fortgang des Aktienrückkaufprogramms bleibt bei einer Marktkapitalisierung von 126,42 Milliarden Euro ein Signal, das der Markt genau beobachten dürfte.
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