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Symbolbild, KI-generiert

Technologie-Aktien: SAP kämpft mit KI-Zweifeln, Netlist explodiert weiter

SAP verliert nach UBS-Abstufung, während Netlist weiter zulegt. Palantir und CrowdStrike zeigen trotz starker Zahlen Bewertungsdruck.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • UBS stuft SAP auf Neutral
  • Diginex wechselt zur Interimsführung
  • Netlist profitiert von Samsung-Allianz
  • CrowdStrike stellt neue KI-Produkte vor

Fünf Technologie-Werte, fünf völlig unterschiedliche Geschichten. Während SAP eine Analysten-Herabstufung verdaut, jagt Netlist von einem Rekordhoch zum nächsten. Palantir bekommt trotz neuer Milliardenaufträge die Kehrseite hoher Bewertungen zu spüren, CrowdStrike präsentiert auf seiner Hausmesse eine KI-Offensive – und beim Mikrokapitalisierer Diginex wechselt mitten in einem Übernahmeprozess die Führung.

SAP: Die Lücke zwischen Cloud-Wachstum und KI-Tempo

Ein Downgrade sorgte Ende August für Unruhe bei Europas größtem Softwarekonzern. UBS-Analyst Michael Briest senkte seine Einstufung von „Buy“ auf „Neutral“, hob das Kursziel aber gleichzeitig auf 201 Euro an. Die Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von 3,4 Prozent auf 179,14 Euro.

Der Grund liegt nicht im Kerngeschäft, sondern im Tempo. UBS bemängelte die langsame Auslieferung agentischer KI-Werkzeuge an Kunden und rechnet mit einer Abschwächung des Cloud-Auftragswachstums in der zweiten Jahreshälfte. SAP hat bislang 17 einsatzbereite KI-Agenten ausgeliefert, 15 weitere befinden sich in der Hochlaufphase – zu wenig für Anleger, die schnelle Monetarisierung sehen wollen. Die Bank strich zudem die Erwartung, dass SAP sein „Rule of Forty“-Ziel noch in diesem Jahrzehnt erreicht.

Operativ zeigt sich ein anderes Bild: Der laufende Cloud-Auftragsbestand wuchs zum Ende des zweiten Quartals um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz legte um 24 Prozent zu. SAP hat sich seit der Herabstufung teilweise erholt und notiert aktuell bei rund 184,68 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 181,30 Euro. Der Blick auf die Jahresbilanz bleibt dennoch ernüchternd: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 12 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 21 Prozent.

Diginex: Führungswechsel mitten im Übernahmeprozess

Beim RegTech-Unternehmen Diginex überschlagen sich die Ereignisse. Lubomila Jordanova trat zum Monatsende als CEO und aus dem Board zurück. Der Vorstand berief die bisherige Chief Impact Officer Archana Kotecha mit sofortiger Wirkung zur Interims-Chefin – sie war erst im Januar über die Übernahme ihrer eigenen Beratungsfirma The Remedy Project zu Diginex gekommen.

Der Wechsel fällt in eine heikle Phase. Kurz zuvor hatte Diginex einen Listing-Antrag bei der Nasdaq eingereicht, um die Zustimmung zu einem Kontrollwechsel einzuholen, der aus der geplanten Übernahme von Resulticks resultieren würde. Der entsprechende Kaufvertrag war Mitte August unterzeichnet worden.

Finanziell zeigt der jüngste Jahresbericht ein zweischneidiges Bild: Der Gesamtumsatz stieg um 77 Prozent auf 3,6 Millionen US-Dollar, doch der Nettoverlust weitete sich auf 31,1 Millionen Dollar aus – nach 5,2 Millionen im Vorjahr. Ein Großteil davon geht auf nicht zahlungswirksame, einmalige M&A-Kosten zurück. Die Aktie selbst notiert nach einem Reverse Split meilenweit von früheren Höchstständen entfernt; gestern legte sie um 16 Prozent zu, bleibt aber mit einer Marktkapitalisierung von nur rund 34 bis 35 Millionen Dollar ein Nischenwert mit entsprechend hoher Schwankungsbreite.

Palantir: Wenn gute Nachrichten nicht mehr reichen

Nach der Kursrally im August folgte bei Palantir die Ernüchterung. Die Aktie war zwischen Anfang und Ende des Monats um rund 48 Prozent gestiegen, getrieben von starken Zweitquartalszahlen. Seit dem Jahreshoch von 186,38 Dollar ging es dann wieder bergab – aktuell notiert das Papier bei 147,06 Euro, ein Rückgang von 7,9 Prozent innerhalb einer Woche.

Operativ lief es dabei alles andere als schlecht. Der Umsatz im zweiten Quartal übertraf mit 1,94 Milliarden Dollar die Erwartungen deutlich, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,41 Dollar statt der erwarteten 0,35 Dollar. Der US-Regierungsumsatz wuchs sogar um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar. Zusätzlich holte sich Palantir mit Peter Zaffino, dem ehemaligen AIG-Chef, prominente Verstärkung als Global Head of Financial Services.

Dass die Aktie trotzdem fällt, hat vor allem mit der Bewertung zu tun. Bei einem KGV im dreistelligen Bereich reichen selbst starke Zahlen nicht mehr, um Gewinnmitnahmen zu verhindern. Cathie Woods ARK-ETFs verkauften Ende August Palantir-Aktien im Wert von knapp 26 Millionen Dollar – wobei das Unternehmen im Flaggschiff-Fonds ARKK weiterhin unter den zehn größten Positionen bleibt. Eher Portfolio-Pflege als Vertrauensverlust, aber ein Signal, dass institutionelle Anleger bei diesen Kursniveaus Kasse machen.

Netlist: Die Samsung-Allianz beflügelt weiter

Kein anderer Name im Sektor sorgt derzeit für ähnliches Aufsehen wie Netlist. Der Speicherchip-Spezialist hat seit Jahresbeginn um 479 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar um 544 Prozent. Auslöser war eine fünfjährige Allianz mit Samsung Electronics, die eine Patentkreuzlizenz, Speicherproduktversorgung und technologische Zusammenarbeit umfasst und jahrelange Rechtsstreitigkeiten beendete.

Der Kurs bleibt entsprechend volatil. Gestern brach die Aktie um 23 Prozent ein, nachdem sie zuvor auf ein Hoch von 7,00 Dollar geklettert war. Der Quartalsumsatz wuchs im Jahresvergleich um 163 Prozent, getrieben vom Umstieg auf Hochleistungsspeicher für KI-Anwendungen.

Roth-Capital-Analyst Suji Desilva hob sein Kursziel jüngst auf 15 Dollar von zuvor 10 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Bei einer annualisierten Volatilität von 206 Prozent bleibt die Aktie aber ein Fall für Anleger mit starken Nerven – die Bewertung nach der Rally wirkt selbst für Optimisten ambitioniert.

CrowdStrike: KI-Offensive trifft auf Bewertungssorgen

Auf seiner Fal.Con-Hausmesse in Las Vegas fuhr CrowdStrike diese Woche schweres Geschütz auf. Vorgestellt wurden SafeMind, ein gemeinsam mit Nvidia entwickeltes KI-Modell für Cyberabwehr, sowie Guardian zum Schutz von KI-Agenten im Live-Betrieb. Nach unternehmenseigenen Tests soll SafeMind eine um 29 Prozent höhere Erkennungsrate und sechsfach schnellere Behebung bei deutlich geringeren Kosten liefern als Konkurrenzprodukte.

Das Management nutzte die Bühne auch für ambitionierte Fernziele: Der Ending-ARR lag im zweiten Quartal bei 5,8 Milliarden Dollar, bis zum Geschäftsjahr 2030 sollen daraus 10 Milliarden werden, bis 2035 sogar 20 Milliarden. Der Jahresumsatz kletterte zuletzt um rund 22 Prozent auf 4,81 Milliarden Dollar.

Die Aktie selbst tat sich trotz der Produktoffensive schwer und verlor auf Wochensicht 9,0 Prozent, aktuell steht sie bei 178,08 Euro. Truist-Analyst Junaid Siddiqui hatte sein Kursziel kurz zuvor auf 300 Dollar angehoben, DA Davidson bekräftigte nach der Konferenz seine Kaufempfehlung. Die Kursziel-Spanne der Wall Street reicht von 119 bis 300 Dollar – ein Zeichen dafür, wie unterschiedlich die Zukunftsaussichten des Sicherheitsspezialisten eingeschätzt werden.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich die KI-Erzählung derzeit in der Technologiebranche entfaltet:

  • SAP: Solides Cloud-Wachstum reicht Anlegern nicht mehr, wenn die sichtbare KI-Monetarisierung hinterherhinkt
  • Palantir: Starke operative Zahlen und neue Aufträge verpuffen an einer Bewertung, die kaum noch Luft nach oben lässt
  • CrowdStrike: Echte Produktinnovation trifft auf eine Premiumbewertung, die anfällig für Zinssorgen bleibt
  • Netlist: Eine einzelne strategische Partnerschaft löst eine Rally im dreistelligen Prozentbereich aus – Chance und Risiko zugleich
  • Diginex: Ein Mikrokapitalisierer zeigt, wie fragil Strukturen bei Führungswechseln und Übernahmen sein können

Wendepunkt oder Konsolidierung – der Sektor sucht seine Richtung

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die KI-Euphorie einer genaueren Prüfung der Umsetzungsgeschwindigkeit standhält. Bei SAP wird das Tempo beim Ausbau der KI-Agenten in Richtung des Jahresendziels von 200 Stück zum Gradmesser dafür, ob sich die UBS-Skepsis als berechtigt erweist. Palantir muss zeigen, ob operative Stärke und Verteidigungsaufträge die hohe Bewertung auf Dauer rechtfertigen können, während institutionelle Anleger weiter Gewinne mitnehmen.

CrowdStrikes Fal.Con-Ankündigungen positionieren das Unternehmen strategisch gut, doch anhaltende Zinsvolatilität könnte hochbewertete Softwaretitel insgesamt belasten. Netlists Rally wird sich daran messen lassen müssen, wie gut sich die Samsung-Allianz in dauerhafte Umsätze übersetzt statt in reine Kursfantasie. Bei Diginex hängt vieles davon ab, wie reibungslos der Übergang zur neuen Interimsführung und der Nasdaq-Antrag inmitten der laufenden Restrukturierung gelingen.

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Diskussion zu SAP

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.