Ein Minus von rund einem Viertel an einem Handelstag: TeamViewer hat Anleger am Dienstag mit einer gekappten Umsatzprognose kalt erwischt. Dabei sind die Signale aus dem Geschäft gemischt. Die Profitabilität stimmt, die Neukundenstory läuft, nur der Umsatz hinkt hinterher.
Prognose gesenkt, Marge bestätigt
Für 2026 erwartet der Fernwartungsspezialist währungsbereinigt nun einen Umsatzrückgang von ein bis zwei Prozent. Bisher standen Vorjahresniveau bis drei Prozent Wachstum im Plan. Als Gründe nennt das Unternehmen verzögerte Abschlüsse bei Großkunden und erneute wirtschaftliche Unsicherheit in Europa. Die bereinigte EBITDA-Marge von rund 43 Prozent bleibt Ziel.
Im dritten Quartal sank der Umsatz auf 184,5 Millionen Euro, währungsbereinigt um 2,2 Prozent. Der Vertragsbestand (ARR) ging ebenfalls zurück. Die Marge lag bei 42,8 Prozent, knapp drei Punkte unter dem Vorjahr. Unter dem Strich stieg der Gewinn dennoch um gut ein Viertel auf 36 Millionen Euro, auch dank geringerer Zinslasten nach der Refinanzierung.
Die Aktie fiel zeitweise auf 5,35 Euro, den tiefsten Stand seit Juli. Damit sind die Kursgewinne des laufenden Jahres aufgezehrt. Das Rekordtief von 4,09 Euro aus dem April liegt allerdings noch ein Stück entfernt.
Was Konzernchef Steil sagt
Für das vierte Quartal, in der Softwarebranche traditionell das wichtigste, hatte das Management einige größere Deals eingeplant. Diese kämen nun so nicht, räumte Oliver Steil ein. Betroffen seien auch angepeilte Verträge mit öffentlichen Kunden in den USA, wo die ungeklärte Haushaltslage Abschlüsse verzögern dürfte.
Neue Abschlüsse seien gut, „aber ehrlicherweise nicht gut genug“. DZ-Bank-Analyst Armin Kremser verweist zudem auf überraschend deutliche Kundenabwanderungen im Enterprise-Geschäft.
MWB Research senkte am Morgen die Einstufung auf „Hold“ und das Kursziel von 8,90 auf 7 Euro.
Lichtblicke im Kerngeschäft
Steil sieht die Strategie unverändert intakt. Die Plattform TeamViewer ONE, im Januar gestartet, steuert bereits rund zehn Prozent des Enterprise-ARR bei. Neugeschäft und Upsells mit ONE und der DEX-Lösung haben sich binnen eines Jahres versechsfacht. Zu den Kunden zählt ein großer Luftfahrt- und Rüstungskonzern mit einem Dreijahresvertrag über 200.000 Endgeräte.
Auch das schwächelnde Geschäft mit kleinen und mittleren Kunden stabilisiert sich. Die Abwanderung verharrt seit Monaten bei 17 Prozent, die Rückgänge werden kleiner. Die Verschuldung sank sequenziell auf 819 Millionen Euro, der Verschuldungsgrad auf das 2,5-Fache des EBITDA. Bis Jahresende peilt das Unternehmen etwa 2,3 an.
Für 2027 setzt das Management auf drei Hebel: den neu aufgebauten europäischen Vertrieb, eine Erholung im US-Behördengeschäft und die ServiceNow-Partnerschaft. Im vierten Quartal soll der Enterprise-ARR zunächst um zwei bis drei Prozent wachsen. Ob das reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, zeigt sich spätestens bei den Jahreszahlen, wenn der Umsatz endlich mit dem operativen Momentum Schritt halten muss.
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