Tata Steel hat derzeit zwei Gesichter. In Indien boomt das Geschäft mit zweistelligen Zuwachsraten, während in Europa die Justiz zuschlägt. Die Staatsanwaltschaft in den Niederlanden will den Stahlkonzern nun strafrechtlich verfolgen.
Vorwurf der Umweltkriminalität
In den Niederlanden wird es ernst für die Tochtergesellschaft Tata Steel Nederland. Die Ermittler werfen dem Unternehmen vor, am Standort IJmuiden vorsätzlich Schadstoffe freigesetzt zu haben. Zudem fehlen laut Anklage nötige Genehmigungen, während die Wartung der Anlagen vernachlässigt wurde. Die Behörden vermuten eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit.
Der Prozess geht auf eine Beschwerde von über 800 Anwohnern aus dem Jahr 2021 zurück. Am 20. November 2026 findet die erste Anhörung vor dem Bezirksgericht Amsterdam statt. Hier werden die konkreten Anklagepunkte verkündet.
Tata Steel weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. Das Unternehmen betont, die Vorfälle bei der Koksherstellung massiv reduziert zu haben. Zwischen Januar 2020 und Mai 2026 lag die Fehlerquote laut Konzern bei unter 0,011 Prozent. Damit bewege man sich deutlich unter dem Branchendurchschnitt.
Wachstum in Indien stützt Bilanz
Operativ zeigt sich ein gespaltenes Bild. In Indien steigerte Tata Steel die Rohstahlproduktion um elf Prozent auf 5,82 Millionen Tonnen. Vor allem die Sparten Automotive und Branded Products meldeten Rekordvolumina. Die starke Inlandsnachfrage kompensiert damit die Schwäche in Übersee.
In Europa hingegen stockt der Motor. Stilllegungen in Großbritannien und den Niederlanden drückten den Ausstoß im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Dennoch reagierte die Aktie positiv auf die operativen Daten aus Asien. Das Papier kletterte am Dienstag um 8,50 Prozent auf 16,60 Euro und setzte sich damit von seinem 52-Wochen-Tief ab.
Das Werk in IJmuiden bleibt ein zentraler Faktor für die Zukunft. Es gilt als einer der größten Emittenten der Niederlande. Parallel zur Anklage verhandelt der Konzern mit der Regierung über Milliardenhilfen für eine grüne Transformation. Ziel ist der Umstieg auf wasserstoffbasierte Technologien unter dem „Fit for 55“-Mandat.
Für das laufende Geschäftsjahr plant das Management milliardenschwere Kostensenkungen. In Indien soll die Kapazität langfristig auf über 40 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Die erste Anhörung im November markiert nun den nächsten Fixpunkt für die Bewertung der europäischen Risiken.
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