Take-Two Interactive richtet den Blick auf den heutigen Netflix-Auftritt zu Grand Theft Auto 6 – nach Wochen, in denen unautorisierte Gameplay-Leaks und juristische Schritte gegen Microsoft und Discord die Schlagzeilen bestimmt haben. Der Streamingdienst zeigt heute einen exklusiven „erweiterten Blick“ auf das Spiel, der anschließend auch auf YouTube und anderen Plattformen verfügbar sein soll.
Der Termin kommt für Take-Two zu einem heiklen Zeitpunkt. Mitte August waren unter dem Namen CyberLeek mehrere Videos und Kartenausschnitte aus dem unveröffentlichten Spiel im Netz aufgetaucht. Das Unternehmen bezifferte den daraus entstandenen Marktwertverlust auf 2,83 Milliarden US-Dollar.
Am 20. August reichte Take-Two beim zuständigen Bundesgericht in New York Vorladungen gegen Microsoft und Discord ein, um IP-Adressen, Telefonnummern sowie verknüpfte Google- und Xbox-Konten der beteiligten Server-Mitglieder zu erhalten. Beide Unternehmen müssen die geforderten Daten bis zum 4. September übermitteln.
Analysten sehen trotz Leaks keine Gefahr für den Starttermin
Benchmark-Analyst Mike Hickey bekräftigte am Mittwoch das Kaufvotum mit einem Kursziel von 300 US-Dollar und ordnete die durchgesickerten Aufnahmen als Beleg für die hohe Qualität und den fortgeschrittenen Entwicklungsstand des Spiels ein. Es gebe keine belastbaren Hinweise auf eine schwächere Nachfrage oder eine Verschiebung des für den 19. November angesetzten Starttermins, so Hickey. Die Leaks hätten zwar die Marketingkampagne durcheinandergebracht, das fundamentale Argument für das Spiel aber eher gestärkt.
Die Aktie hat diese Einschätzung an der Börse bislang nicht eins zu eins nachvollzogen. Sie notiert derzeit rund 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro und liegt mit 5,3 Prozent auch unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der jüngste Kursverlauf – seit Jahresbeginn stehen 7,8 Prozent im Minus – spiegelt damit die Unsicherheit über die Auswirkungen der Leaks wider, auch wenn Analysten das eigentliche Produkt weiterhin positiv beurteilen.
Netflix als Bühne für die eigene Erzählung
Der heutige Auftritt bei Netflix gibt Take-Two die Gelegenheit, die Kontrolle über die Kommunikation zurückzugewinnen, nachdem die vergangenen Wochen von ungewollten Enthüllungen geprägt waren. Statt fragmentierter Leak-Ausschnitte können Rockstar Games und Take-Two nun kuratierte Inhalte präsentieren – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Verkaufsstart am 19. November für PlayStation 5 und Xbox Series X|S zum Preis von 79,99 US-Dollar.
Der Rechtsstreit um die Leak-Quelle bleibt daneben ein Thema mit eigener Dynamik. Sollten die Vorladungen Erkenntnisse über die Herkunft der durchgesickerten Aufnahmen liefern, könnte dies auch Signalwirkung für den Umgang mit künftigen Leaks in der Branche haben.
Für Anleger dürfte in den kommenden Wochen entscheidend sein, ob die Marketingmaschinerie rund um GTA VI wieder an Fahrt gewinnt und ob sich die von Analysten wie Hickey betonte fundamentale Stärke des Spiels auch im Kursverlauf niederschlägt. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 36 Prozent bleibt die Aktie in der Zwischenzeit ein schwankungsanfälliges Papier.
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