Ein 18-Prozent-Einbruch an einem einzigen Handelstag. T1 Energy schloss den Freitag bei 8,20 Euro — und das nach einer 30-Tage-Rally von über 83 Prozent. Hinter dem Kursrutsch stecken zwei ungelöste Konflikte, die die Aktie in den kommenden Tagen weiter belasten könnten.
Aktionäre stimmen über massive Verwässerung ab
Am 17. Juni treffen sich die Aktionäre zur Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung steht eine Verdoppelung der genehmigten Stammaktien — von 500 Millionen auf eine Milliarde. Das Management braucht den Spielraum, um die verbleibende Finanzierung für das Fabrikprojekt G2_Austin zu sichern. Der Gesamtbedarf für Phase 1 liegt bei rund 225 Millionen Dollar.
Zum Stichtag 8. Mai waren bereits 279,3 Millionen Aktien im Umlauf. Hinzu kommen 165,7 Millionen reservierte oder gebundene Anteile — aus Wandelanleihen, Warrants und Aktienprogrammen. Stimmen die Aktionäre zu, gibt das Management grünes Licht für weiteres Kapital. Die Kehrseite: ein erheblicher Verwässerungsdruck hängt über dem Kurs.
Steuervorteile in der Schusslinie
Das schwerere Problem ist der Streit um amerikanische Steuergutschriften nach Section 45X. Der Leerverkäufer Fuzzy Panda Research behauptet, T1 Energy habe versteckte Verbindungen zum chinesischen Solarhersteller Trina Solar — und erfülle damit die FEOC-Anforderungen nicht, die US-Subventionen für heimische Hersteller an die Unabhängigkeit von chinesischen Unternehmen knüpfen.
Der Vorwurf ist konkret: T1 soll im ersten Quartal 2026 bereits 41,4 Millionen Dollar an Steuergutschriften verbucht haben, ohne sie tatsächlich erhalten zu haben. Sollten diese Vorteile wegfallen, würde die operative Marge laut Fuzzy Panda von plus 6 Prozent auf minus 31 Prozent abstürzen. Das Unternehmen soll zudem Vorladungen von Justizministerium und SEC erhalten haben.
T1 Energy weist die Vorwürfe zurück. Roth Capital bezeichnete den Kursrutsch als Kaufgelegenheit und sieht das Unternehmen als FEOC-konform.
Trina Solar zieht sich zurück — operativ bleibt die Abhängigkeit
Pikant: Trina Solar (Schweiz) AG verkaufte am 21. und 22. Mai insgesamt 22,5 Millionen T1-Aktien zu Preisen zwischen 7,74 und 9,43 Dollar. Der Anteil sank damit von 53,2 Millionen auf 30,7 Millionen Aktien — noch rund 11 Prozent des Streubesitzes.
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Operativ läuft die Beziehung jedoch auf Hochtouren. T1 verkaufte im ersten Quartal Solarmodule im Wert von 188,8 Millionen Dollar an die Trina-Gruppe — fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig kaufte T1 Rohstoffe im Wert von 119 Millionen Dollar von Trina, nach 51 Millionen im Vorjahresquartal. Die Eigentumsstruktur verändert sich, die wirtschaftliche Verflechtung wächst.
Fabrik im Plan, Kasse knapp
G2_Austin läuft nach Zeitplan. Im April begannen die Betonarbeiten, im Mai soll der erste Stahl aufgestellt werden. Die erste Zellproduktion peilt T1 für das vierte Quartal 2026 an. Für 2027 erwartet das Management ein bereinigtes EBITDA zwischen 375 und 450 Millionen Dollar — sobald Phase 1 vollständig hochgefahren ist.
Die Liquidität ist eng. Ende März hielt T1 Energy 123,7 Millionen Dollar in Kasse und Reserven, davon waren nur 46,4 Millionen frei verfügbar. Im ersten Quartal verbrannte das operative Geschäft 72,9 Millionen Dollar, Investitionen in Sachanlagen kosteten weitere 60,7 Millionen.
Die Quartalszahlen selbst überraschten positiv: 177,65 Millionen Dollar Umsatz gegen eine Konsensschätzung von 110,57 Millionen Dollar. Der Nettogewinn lag bei 2,91 Millionen Dollar. Allerdings stehen genau diese Zahlen unter dem Vorbehalt der angefochtenen Steuergutschriften.
Hohe Short-Quote, prominenter Neueinstieg
Der Kursanstieg der vergangenen Wochen hatte auch technische Treiber. Die Short-Quote überstieg 27 Prozent des Streubesitzes — ein Nährboden für Short-Squeezes. Außerdem wurde bekannt, dass Leopold Aschenbrenners Fonds Situational Awareness LP eine Position im Wert von 43,9 Millionen Dollar aufgebaut hat.
Die Aktie notiert trotz des Freitagseinbruchs noch 46 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 11,00 Euro ist sie allerdings bereits 25 Prozent entfernt. Die Hauptversammlung am 17. Juni und etwaige Neuigkeiten zur FEOC-Prüfung werden zeigen, ob die Verwässerungsfrage und der Regulierungsstreit gemeinsam die Oberhand gewinnen — oder ob das Fabrikprojekt die Bewertung trägt.
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