Süss MicroTec schließt die Produktion am Hauptsitz in Garching und senkt zugleich die Jahresprognose. Der Halbleiterzulieferer verweist auf Einmalkosten, Umsatzverschiebungen und knappe Komponenten. Die Aktie gab am Vormittag um rund elf Prozent nach.
Fertigung wandert nach Taiwan und Sternenfels
Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, die Fertigung auf die beiden größten Standorte zu konzentrieren. Die Mask Aligner sollen schrittweise in Zhubei (Taiwan) gebaut werden, die Modulfertigung zieht nach Sternenfels. In Garching soll die Produktion eingestellt werden. Etwa 70 Mitarbeiter sind betroffen, das Unternehmen strebt eine sozialverträgliche Umsetzung im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern an.
Forschung und Entwicklung, zentrale Kompetenzen und die Konzernzentrale bleiben nach Unternehmensangaben in Deutschland und sollen ausgebaut werden. COO Thomas Rohe spricht von einer effizienteren und besser skalierbaren Struktur, die zudem näher an die Kundenmärkte in Asien rückt. Als Begründung nennt Süss den anhaltend hohen Auftragseingang im dritten Quartal und ein Orderbuch auf Rekordniveau.
Prognose rutscht nach unten
Die Umstellung kostet einmalig rund 6,2 Millionen Euro, davon fallen etwa 4,5 Millionen noch in diesem Jahr an. Hinzu kommen temporäre Effekte auf die Umsatzrealisierung während der Verlagerung. Außerdem verschieben angespannte Lieferketten bei einzelnen Komponenten Erlöse voraussichtlich ins Geschäftsjahr 2027.
Entsprechend fällt die neue Guidance aus:
- Umsatz 2026: 405 bis 425 Millionen Euro (zuvor 425 bis 485 Millionen)
- EBIT-Marge: 5 bis 7 Prozent (zuvor 8 bis 10 Prozent)
- Bruttomarge: unverändert 35 bis 37 Prozent
Besonders die Obergrenze beim Umsatz fällt deutlich, die Marge schrumpft um drei Prozentpunkte. Das erklärt die kräftige Reaktion der Anleger.
CFO Cornelia Ballwießer bezeichnet die Belastungen als bewusste Ausgaben in Skalierbarkeit und operative Effizienz. Die Nachfrage sei weiterhin stark, es geht also um verschobene, nicht um verlorene Aufträge. Dass die Bruttomarge unangetastet bleibt, deutet darauf hin, dass das Kerngeschäft preislich stabil läuft.
Konkreten Aufschluss liefert Süss am 5. November, wenn die Quartalsmitteilung zum 30. September erscheint. Dann lässt sich prüfen, wie stark der Auftragseingang tatsächlich ausfiel und wie viel Umsatz in das Jahr 2027 rutscht.
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