STMicroelectronics kehrt in die Gewinnzone zurück, hebt den Ausblick an – und trotzdem flüchten Anleger aus der Aktie. Der Kurs brach am Donnerstag vorbörslich zeitweise um bis zu acht Prozent ein, auf 53,64 Euro. Ein Widerspruch, der sich erst beim Blick auf die Details auflöst.
Zahlen übertreffen Erwartungen, Reaktion fällt trotzdem negativ aus
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar, angetrieben von Automobilelektronik und Consumer-Produkten. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 222 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 97 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Bereinigt um Sonderposten sprang der Gewinn je Aktie auf 0,31 US-Dollar – ein Plus von rund 410 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.
Damit lag STMicroelectronics sowohl beim Umsatz als auch beim bereinigten Gewinn je Aktie über den Analystenschätzungen. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 34,8 Prozent von 33,5 Prozent im Vorjahr. Der Kursrutsch dürfte also weniger an den reinen Zahlen liegen als an überzogenen Erwartungen im Vorfeld – ein Muster, das bei Halbleiterwerten in den vergangenen Quartalen häufiger zu beobachten war.
Rechenzentrumsgeschäft als Wachstumstreiber
Konzernchef Jean-Marc Chery verwies auf kräftige Auftragseingänge in allen Endmärkten und erste Engpässe bei einzelnen Produktkategorien. Besonders das Geschäft mit Chips für KI-Rechenzentren gewinnt an Gewicht: Für das laufende Jahr rechnet der Konzern hier mit Umsätzen von mehr als einer Milliarde US-Dollar, im kommenden Jahr soll die Marke von zwei Milliarden US-Dollar deutlich überschritten werden.
Für das dritte Quartal stellt STMicroelectronics einen Umsatz von 3,70 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Anstieg von rund 6 Prozent zum Vorquartal, bei einer erwarteten Bruttomarge von etwa 37 Prozent. Im vierten Quartal soll der Umsatz erstmals seit Längerem wieder die Marke von 4 Milliarden US-Dollar überschreiten.
Sog erfasst auch Infineon
Der Kursrutsch blieb nicht auf STMicroelectronics beschränkt. Die Aktien des deutschen Wettbewerbers Infineon gaben im vorbörslichen Handel mehr als drei Prozent nach. Auch der US-Konzern Texas Instruments verlor trotz angehobener eigener Prognose an Boden – ein Zeichen dafür, dass die Stimmung in der gesamten Chipbranche derzeit fragil bleibt und Anleger jede Abweichung von hohen Erwartungen sofort abstrafen.
Ob STMicroelectronics die selbst gesteckten Ziele im Rechenzentrumsgeschäft tatsächlich erreicht, zeigt sich spätestens mit den Zahlen zum vierten Quartal, wenn die angepeilte Umsatzmarke von über 4 Milliarden US-Dollar auf dem Prüfstand steht.
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