Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen klettern auf Niveaus, die Anleger seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Anhaltende Inflationssorgen und die Aussicht auf weitere Zinsschritte der Federal Reserve belasten die Wall Street. Der Leitindex Dow Jones gab am Dienstag um 0,40 Prozent nach, während auch der S&P 500 und der Nasdaq Composite Verluste verbuchten.
Zinsdruck auf Mehrjahreshochs
Am Rentenmarkt setzte sich die Aufwärtsbewegung der Renditen ungebremst fort. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe stieg auf 5,6206 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni 2002. Parallel dazu kletterte die zehnjährige Benchmark-Rendite auf 5,293 Prozent, ein Niveau nahe dem Höchststand von Juni 2007.
Steigende Renditen verteuern die Kapitalbeschaffung für Unternehmen und schmälern deren künftige Ertragskraft. Anleihen bieten zudem wieder eine attraktive Alternative zu Aktien. Dieser Gegenwind traf die Aktienmärkte über weite Teile der Handelsbreite, während wieder anziehende Energiepreise die Teuerungssorgen der Marktteilnehmer weiter schüren.
Uneinigkeit über den Zinspfad
An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinsanhebung um mindestens 25 Basispunkte im Oktober inzwischen auf rund 68 Prozent taxiert. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei etwa 55 Prozent. Mehrere Notenbanker signalisierten zuletzt, dass zusätzliche Zinserhöhungen notwendig sein könnten, um den Preisdruck dauerhaft einzudämmen.
Allerdings gibt es innerhalb der Fed unterschiedliche Stimmen zum Tempo. New Yorks Fed-Präsident John Williams stellte zwar einen weiteren Zinsschritt vor Jahresende in Aussicht, sieht für die kommende Sitzung aber keine Eile. Die Notenbank habe Zeit, eingehende Daten zu prüfen, nachdem sie den Leitzins im September auf eine Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben hatte. Williams erwartet, dass die Inflation zum Jahresende bei etwa 3,5 Prozent liegen wird.
Konjunkturdaten rücken in den Mittelpunkt
Eintrübende Wirtschaftsdaten verstärken derweil die Nervosität der Anleger. Das US-Verbrauchervertrauen sank im September auf den tiefsten Stand seit fast zwölfeinhalb Jahren. Zugleich ging die Zahl der offenen Stellen im August um 256.000 auf 7,079 Millionen zurück, was auf eine allmähliche Abkühlung am Arbeitsmarkt hindeutet.
Klarheit über den weiteren Kurs der Geldpolitik erhoffen sich Marktteilnehmer von den anstehenden Preisdaten: Am heutigen Mittwoch veröffentlicht das US-Handelsministerium den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE), bevor am Freitag der offizielle monatliche US-Arbeitsmarktbericht folgt.
