Der Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail hat einen Paukenschlag gelandet. Am Freitag enthüllte das Unternehmen in Erlen den ersten maßgeschneiderten Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken. Die Präsentation gemeinsam mit dem sardischen Betreiber ARST ist alles andere als eine Randnotiz.
Sie markiert einen echten Meilenstein auf dem Weg zum emissionsfreien Regionalverkehr in Südeuropa.
Technologie für ein komplexes Netz
Schmalspurbahnen sind technisch anspruchsvoll. Der neue Zug stellt sich dieser Herausforderung. Das Herzstück: Brennstoffzellen in einem zentralen „Power Pack“, das Wasserstoff in elektrische Energie umwandelt und die Bordbatterien lädt.
ARST hat bereits zehn Fahrzeuge bestellt. Ab 2028 sollen sie auf Sardinien fahren. Die Einsparung ist beachtlich: Rund 2.100 Tonnen CO2 jährlich im Vergleich zu Dieselfahrzeugen. Der benötigte Wasserstoff soll vor Ort aus Sonnenenergie gewonnen werden. Die Anlagen sind bereits im Bau.
Strategische Positionierung im Nischenmarkt
Stadler ist nach eigenen Angaben derzeit der einzige Hersteller mit einem solchen Angebot für Schmalspur. Und der italienische Markt ist größer als nur Sardinien:
- Sizilien: Die Bahngesellschaft Ferrovia Circumetnea (FCE) hat zwei maßgeschneiderte Wasserstoff-Züge bestellt.
- Kalabrien: Für die Ferrovie della Calabria (FdC) produziert Stadler 15 wasserstoffbetriebene Fahrzeuge.
Alle Einheiten werden am Hauptsitz in Bussnang gebaut. Die EU-Klimaziele treiben die Nachfrage an. Stadler positioniert sich in einem Nischenmarkt, der rasant an Bedeutung gewinnt.
Markt reagiert verhalten
Die Börse nahm die Neuigkeit gelassen auf. Die Aktie schloss am Freitag bei 24,72 Euro, ein Minus von 1,28 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt das Papier aber mit 11,75 Prozent im Plus. Der 14-Tage-RSI von 54 signalisiert einen neutralen Markt.
Das finanzielle Umfeld bleibt anspruchsvoll. Naturkatastrophen bei Zulieferern belasteten 2025 die Margen. Doch der Ausblick ist optimistisch: Für 2026 erwartet das Management einen Umsatz von deutlich über 5 Milliarden Franken bei einer EBIT-Marge von über 5 Prozent. Der Rekord-Auftragsbestand von über 32 Milliarden Franken gibt Rückenwind.
Der nächste wichtige Termin: der Halbjahresbericht im August 2026. Bis dahin dürfte Stadler auf der grünen Welle weiterreiten.
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