Neue Aufträge füllen die Bücher, technische Mängel belasten die Bilanz. Bei Stadler Rail klaffen operativer Erfolg und finanzielle Realität derzeit spürbar auseinander. Das Schweizer Unternehmen wächst im urbanen Schienenverkehr. Parallel dazu kämpft der Konzern mit teuren Rückschlägen.
Neue Städte für die TINA-Plattform
Der Hersteller feiert aktuell Fortschritte auf zwei Fronten. In Augsburg nahm Mitte April die erste von 15 neuen Tramlink-Straßenbahnen den Linienbetrieb auf. Pandemie und Lieferkettenprobleme hatten die Auslieferung zuvor um Jahre verzögert.
Indes sichert sich Stadler einen weiteren Auftrag in Sachsen. Die Görlitzer und Zwickauer Verkehrsbetriebe bestellen 14 Niederflur-Straßenbahnen des Typs TINA. Die Vergabe startete nach der Insolvenz des Konkurrenten HeiterBlick neu. Stadler setzte sich in der Ausschreibung erfolgreich durch. Damit nutzen bald acht europäische Städte dieses Modell.
Teure Nachbesserungen bremsen
Trotz der Verkaufserfolge steht die TINA-Plattform unter Druck. Lärm- und Vibrationsprobleme sorgen für Ärger. Städte wie Darmstadt und Basel haben die Abnahme der Züge vorerst ausgesetzt. Die Folge: Stadler muss nachrüsten. Bis Ende 2026 wird das Unternehmen 25 Fahrzeuge auf eigene Kosten überarbeiten.
Dieser technische Frust spiegelt sich in den Bilanzen wider. Stadler verdoppelte den Nettogewinn im vergangenen Jahr auf knapp 101 Millionen Schweizer Franken. Ein negativer freier Cashflow trübt dieses Bild jedoch. Finanzchef Raphael Widmer erwartet auch für das laufende Jahr keine Besserung beim Geldfluss.
Leerverkäufer wetten gegen die Aktie
Am Aktienmarkt zeigt sich ein gespaltenes Bild. Die Papiere notieren mit rund 24,50 Euro aktuell nur knapp unter ihrem Jahreshoch. Seit Januar steht ein Plus von fast elf Prozent auf der Anzeigetafel.
Viele Profi-Investoren bleiben trotzdem skeptisch. Laut UBS-Daten weist die Aktie eine der höchsten Leerverkaufsquoten im Schweizer Markt auf. Auch Analysten halten sich zurück. Von neun Experten rät derzeit nur einer zum Kauf.
Für das laufende Jahr peilt das Management einen Umsatz von über fünf Milliarden Franken an. Die operative Marge soll fünf Prozent übersteigen. Außerdem fließen dreistellige Millionenbeträge in den Kapazitätsausbau.
Der nächste Prüfstein für Stadler steht bereits fest. Im August präsentiert das Unternehmen seinen Halbjahresbericht. Dann muss der Vorstand mit konkreten Zahlen belegen, ob die internen Effizienzprogramme die Margen tatsächlich stützen.
