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Symbolbild, KI-generiert

Speicherchips trotzen der Fed: Warum steigende Zinsen diesmal keine Bremse sind

Trotz höherer Leitzinsen treiben Engpässe bei Speicherchips die Kurse. Qiagen profitiert von Übernahmespekulationen, Bilfinger enttäuscht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fed erhöht Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent
  • SK Hynix bestätigt Gespräche mit Intel
  • Qiagen profitiert von möglicher Übernahme
  • Bilfinger senkt Umsatzprognose deutlich

Sehr geehrte Damen und Herren,

3,75 bis 4,00 Prozent: Auf diese Spanne hob die Fed am Mittwoch ihren Leitzins an, die erste Erhöhung seit über drei Jahren. Der Dow reagierte prompt mit einem Verlust von 1,21 Prozent, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang kurzzeitig über 5 Prozent. Wer daraus eine Woche der Ernüchterung ableitete, lag falsch. Schon am Donnerstag drehte das Bild, getragen von fallenden Ölpreisen und einer Halbleiterbranche, die sich von der Zinsdebatte sichtbar abgekoppelt hat. Am Freitag stand dann der große Verfalltag an den Terminbörsen im Kalender, ein Test dafür, wie tragfähig diese Erholung wirklich ist. Die Antwort fällt differenziert aus, und genau darin liegt die Lehre der Woche: Nicht jeder Wert profitiert gleichermaßen von der neuen Zinslandschaft.

Die Ära des billigen Geldes endet in zwei von drei großen Notenbank-Blöcken. Der Fed-Entscheid vom Mittwoch fiel einstimmig, 16 der 18 FOMC-Mitglieder rechnen für 2026 mit einem weiteren Zinsschritt, der Median-Ausblick sieht das Zielband zum Jahresende bei 4,1 Prozent. Begründet wurde die Anhebung mit einer PCE-Inflationsprognose von 3,7 Prozent (Kernrate 3,4 Prozent) bei einer erwarteten Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Am Donnerstag beruhigte sich die Zehnjahresrendite auf rund 4,93 Prozent, der Dow kletterte auf 51.778 Punkte (+0,61 Prozent), der S&P 500 auf 7.637 Zähler (+1,14 Prozent) – angeführt von Halbleiterwerten. Parallel zog am Freitagmorgen die Bank of Japan nach und hob ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent an, den höchsten Stand seit 1995. Die Mehrheit von 7 zu 2 Stimmen fiel jedoch unerwartet knapp aus, was den Yen zum Dollar auf über 157 drückte. Die EZB bleibt mit ihrem Einlagensatz von 2,50 Prozent der ruhende Pol zwischen den beiden strafferen Blöcken – ein Zustand, der für europäische Anleiheportfolios vorerst Stabilität bedeutet, während Dollar- und Yen-Positionen neu kalibriert werden müssen.

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Die erste Zinserhöhung der Fed seit über drei Jahren zeigt deutlich: Die Ära des billigen Geldes neigt sich dem Ende zu, und viele Depots sind auf diese neue Realität aus Zinsanstieg, Inflation und Anleihekrise noch nicht ausgerichtet. Ein aktueller Report erklärt, warum klassische Anlagen an Wirkung verlieren, wie Dividenden zunehmend die Rolle früherer Zinserträge übernehmen und welche Strategien sich als Inflationsschutz eignen. Strategien gegen die Zinswende sichern

Speicherchips sind die eigentliche Geschichte hinter der Zinsdebatte. Während die Fed die Schlagzeilen besetzte, verdichtete sich im Hintergrund eine handfeste Angebotsstory. SK Hynix bestätigte am Mittwoch Gespräche mit Intel über die erste US-Fertigung von Speicherchips überhaupt – im Gespräch sind das Leasing von Intels Ohio-Werk, ursprünglich für 100 Milliarden Dollar geplant und nun auf 2030/31 verschoben, oder ein Joint Venture. Alternativ steht eine Indiana-Investition von 4 Milliarden Dollar für HBM-Packaging ab 2029 im Raum. Der Druck kommt aus Washington, das bei fehlender US-Fertigung Zölle von bis zu 100 Prozent androht. Am Freitag legte Reuters nach: Die SK-Hynix-Tochter Solidigm prüfe zusätzlich den Bau einer eigenständigen NAND-Fabrik im US-Bundesstaat New York. Der Markt quittierte das mit einem Kurssprung von 5,4 Prozent bei SK Hynix, Samsung Electronics zog 2,9 Prozent an. Dahinter stehen harte Zahlen: Der DDR5-Server-Modulpreis hat sich binnen eines Jahres verfünffacht, Samsungs Chipsparte wird für 2026 ein Betriebsergebnis von rund 233 Milliarden Euro zugetraut. Der Kospi kletterte am Freitagvormittag um über 2 Prozent, getrieben auch von südkoreanischen Privatanlegern, die verstärkt in gehebelte ETFs auf Samsung und SK Hynix strömen. Wer investiert ist, sollte sich dennoch bewusst sein, dass ein Anstieg von über 400 Prozent binnen zwölf Monaten – wie bei SK Hynix geschehen – Klumpenrisiken erzeugt, die sich in jedem Value-at-Risk-Modell niederschlagen.

Der Verfalltag legt offen, wie ungleich diese Rally verteilt ist. Am Freitag liefen an den Terminbörsen Optionen und Futures auf Indizes und Einzelaktien aus, mit Fixing bei EuroStoxx 50 und DAX zur Mittagszeit und Eurex-Verfall ab dem späten Nachmittag – traditionell ein Tag erhöhter Schwankungen. Der DAX war am Donnerstag noch um 0,70 Prozent auf 25.717 Punkte gestiegen, getragen von den nachgebenden Renditen. Bemerkenswert ist die Rotation, die sich daraus ergibt: Auf der einen Seite hochvolatile KI- und Speicherchip-Gewinner wie SK Hynix, auf der anderen defensive Cashflow-Werte wie Vonovia, die für 2026 eine geschätzte Dividendenrendite von 7,10 Prozent bieten. Bemerkenswert dabei: Die Immobilienaktie selbst hatte erst am Dienstag ein neues 52-Wochen-Tief bei 17,55 Euro markiert, ehe sie sich seither wieder Richtung 18 Euro stabilisierte. Zum Quartalsende dürfte genau diese Konstellation – Wachstumsrisiko versus Bilanzsicherheit – bei institutionellen Umschichtungen den Ausschlag geben.

Übernahmefantasie und Gewinnwarnung zeigen die zwei Gesichter des deutschen Nebenwertemarkts. Bei Qiagen sorgte ein Bericht des Manager Magazins vom Donnerstag für Bewegung: TPG, Bain Capital, KKR, EQT und Advent wurden als mögliche Bieter für den Diagnostikkonzern genannt, offizielle Bestätigungen gibt es dafür nicht. Die Aktie sprang dennoch auf rund 38,40 Euro, gut 3 Prozent über dem Niveau von Mittwoch. Befeuert wird die Spekulation durch den seit Anfang September amtierenden neuen CEO Jonathan Pratt, dem Beobachter zutrauen, eine Verkaufsdebatte neu zu beleben. Analysten sehen ein Kursziel von 40 Euro; die für 2026 erwartete Dividende von 2,76 Euro entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von gut 7 Prozent – Qiagen bietet damit sowohl spekulatives Übernahmepotenzial als auch laufenden Ertrag. Ganz anders das Bild bei Bilfinger: Der Industriedienstleister senkte am Donnerstag seine Umsatzprognose, die Aktie brach zeitweise um mehr als 21 Prozent ein und markierte mit 56,45 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, bevor sie sich Richtung 59,45 Euro erholte. Binnen zwölf Monaten steht damit ein Kursverlust von 37 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass Guidance-Enttäuschungen in einem Umfeld erhöhter Zinsen besonders unnachsichtig bestraft werden.

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Der Kurssprung bei SK Hynix und Samsung macht sichtbar, wie viel Kapital derzeit in den Speicherchip-Boom fließt – doch die bekannten Branchengrößen sind längst nicht die einzigen Nutznießer dieser Entwicklung. Ein Spezialreport stellt vier weniger beachtete KI-Aktien vor, darunter einen Nischen-Monopolisten sowie einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Verborgene KI-Gewinner entdecken

Gold und Bitcoin zeigen, wie unterschiedlich Anleger auf geldpolitische Unsicherheit reagieren. Trotz des Fed-Zinsschritts kletterte der Goldpreis auf rund 4.390 Dollar je Feinunze, gestützt durch fallende Ölpreise und rückläufige Anleiherenditen, die Inflationssorgen dämpften. Der Rohstoff-Veteran Jim Rogers hält angesichts anhaltend expansiver Geldpolitik in vielen Staaten sogar „absurde Preise“ für Gold und Silber für möglich und sieht beide Metalle weniger als kurzfristiges Handelsobjekt denn als langfristigen Vermögensschutz. Zum bisherigen Jahreshoch von über 5.590 Dollar im Januar fehlt zwar noch ein gutes Stück, doch die Richtung ist eindeutig. Bitcoin dagegen bleibt von der Politik erstaunlich unbeeindruckt: Der Clarity Act, das große Vorhaben zur Neuordnung der US-Kryptomarktaufsicht, scheiterte am Montag im Senat knapp mit 49 zu 50 Stimmen. Ein Verfahrenstrick von Senator Tillis hält eine erneute Abstimmung vor Anfang Oktober oder in einer Lame-Duck-Sitzung im Spätjahr aber offen. Immerhin brachte der Finanzausschuss des Repräsentantenhauses am Mittwoch mit 38 zu 5 Stimmen den Digital Asset Tax Certainty Act durch, der ab 2028 eine Bagatellgrenze von 10 Dollar für Transaktionsgebühren sowie Regeln für Staking und Stablecoins vorsieht. Bitcoin notiert dennoch weitgehend unbewegt bei rund 77.400 Dollar – ein Indiz dafür, dass Marktteilnehmer der Fed-Liquidität mehr Gewicht beimessen als dem Gesetzgebungsschicksal in Washington.

Das große Bild

Diese Woche widerlegt eine verbreitete Annahme: dass straffere Geldpolitik und starke Wachstumsstorys sich zwangsläufig ausschließen. Solange der Auslöser stark genug ist – hier der globale Speicherchip-Engpass –, laufen beide Entwicklungen parallel. Für die kommenden Handelstage wird entscheidend sein, ob die Rendite zehnjähriger US-Anleihen dauerhaft unter der Marke von 5 Prozent bleibt und ob der heutige Verfalltag zusätzlichen Verkaufsdruck freisetzt oder die Erholung bestätigt. Wer sein Depot auf die neue Zinslandschaft ausrichtet, kommt an der Frage nicht vorbei, wie viel Gewicht hochvolatile Halbleiterwerte gegenüber bilanzsicheren Dividendentiteln verdienen. Die Antwort dürfte in den nächsten Wochen handfester ausfallen als jede Prognose.

Ein Freitag mit Verfalltag ist selten ein ruhiger Ausklang der Woche – nutzen Sie das Wochenende, um Ihr Depot in Ruhe gegen diese neue Zinslandschaft zu prüfen.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.