Freitag wird zum Prüfstein für SpaceX. Nur Stunden nach einer turbulenten Börsenwoche startet die Rakete Starship zu ihrem 13. Testflug. Parallel dazu wächst die Nervosität um den ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen – ein Termin, der eine gewaltige Aktiensperre lockert.
Die Aktie von Space Exploration Technologies schloss am Donnerstag bei 103,88 Euro, ein Plus von 2,79 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 4,12 Prozent, auf Monatssicht sogar von 23,73 Prozent. Erst am Mittwoch markierte das Papier mit 97,54 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.
Starship startet nach zwei Verschiebungen
SpaceX will am Freitag die 13. Testmission von Starship starten. Erstmals sollen dabei Satelliten der neuen „V3“-Generation für das Starlink-Netzwerk ins All gebracht werden. Zwei Anläufe sind bereits gescheitert.
Am 16. Juli brach das Unternehmen den Countdown in letzter Sekunde ab, weil mehrere Triebwerke nicht zündeten. Nach dem Austausch einzelner Triebwerke setzte SpaceX den 23. Juli als neuen Termin an – nur um den Start wegen schlechten Wetters wenige Stunden vor dem Abheben erneut zu verschieben.
Beim Flug sollen alle 33 Raptor-3-Triebwerke des Super-Heavy-Boosters zünden. Sie erzeugen zusammen einen Schub von bis zu 18 Millionen Pfund. Nach der Stufentrennung soll der Booster diesmal nicht vom Startturm gefangen werden, sondern kontrolliert im Golf von Mexiko wassern.
Die Mission trägt zusätzliches Gewicht. Ein zentrales Ziel ist die Aussetzung von 20 Starlink-V3-Satelliten aus dem Raumschiff – die erste Auslieferung von Serien-Satelliten dieser Generation überhaupt.
Der vorherige Flug endete in einem Teilfehlschlag. Nach fast zweimonatiger Pause hatte SpaceX den Booster von Flug 12 beim Rückflug in den Golf verloren. Ein erneuter Rückschlag träfe die Aktie in einer heiklen Phase, denn sie handelt nahe ihrem schwächsten Niveau seit dem Börsengang.
Quartalstermin schürt Lock-up-Ängste
Der Starttermin fällt in eine ohnehin angespannte Woche. SpaceX hat gerade erst den Termin für seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen festgelegt – ein zweiter Belastungsfaktor für die Stimmung. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 kommen am 4. August nach Börsenschluss.
Mit diesem Termin startet zugleich die erste Tranche einer gestaffelten Freigabe von Insider-Aktien. Die Dimension ist beachtlich: Ab dem 6. August, dem zweiten vollen Handelstag nach der Veröffentlichung, dürfen Insider bis zu 20 Prozent ihrer gesperrten Anteile verkaufen. Das entspricht bis zu 911,5 Millionen Aktien.
Eine zweite Tranche von 455,8 Millionen Aktien würde nur freigegeben, wenn die Aktie an fünf von zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bis zum Berichtstermin mindestens 175,50 Dollar hält. Bei den aktuellen Kursen erscheint dieses Szenario unwahrscheinlich.
Die Bestätigung des Berichtstermins hatte zunächst für Erleichterung gesorgt. Die Aktie legte am 21. Juli um 3,08 Prozent zu und beendete damit eine siebentägige Verlustserie – kurz nachdem Musk die erste Telefonkonferenz für August bestätigt hatte. Diese Erholung verpuffte allerdings rasch, die Aktie fiel bis Mittwoch auf ihr neues Jahrestief.
Bewertung unter Druck
Die Kombination aus richtungsweisendem Raketentest und der bevorstehenden Aktienflut hält die Schwankungsbreite hoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 90 Prozent, der 14-Tage-RSI bei 35,2 – ein Wert, der auf überverkaufte Bedingungen nach dem steilen Monatsrückgang hindeutet.
Seit ihrem Allzeithoch hat die Aktie bereits mehr als eine Billion Dollar an Marktwert eingebüßt. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 1.431 Milliarden Euro.
Anleger richten den Blick nun auf zwei Termine: das technische Ergebnis des Starts am Freitag und den fundamentalen Test am 4. August. Das Management muss zeigen, dass der operative Cashflow die milliardenschweren Investitionszyklen in Starship und KI-Infrastruktur auffangen kann – mit Starlink als wichtigstem Umsatztreiber.
Ein sauberer Starship-Flug zusammen mit soliden Quartalszahlen könnte die Aktie stabilisieren, die seit ihrem Junihoch fast die Hälfte ihres Wertes verloren hat. Scheitert dagegen einer der beiden Termine, droht sich der Ausverkauf zu verschärfen – ausgerechnet dann, wenn die größte Aktienfreigabe in der kurzen Handelsgeschichte des Unternehmens ansteht.
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