SpaceX hat nach einem heftigen Kurseinbruch in Folge der Quartalszahlen und einer historischen Aktienfreigabe zum Wochenschluss wieder Boden gutgemacht. Das Papier notiert am Freitag bei 101,58 Euro, ein Plus von 2,04 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag. Auf Wochensicht steht damit ein Anstieg von 8,10 Prozent, auf Monatssicht bleibt jedoch ein Rückgang von 21,69 Prozent stehen – ein Beleg dafür, wie sehr die vergangenen Tage die Anleger durchgeschüttelt haben.
Rekordumsatz, aber Gewinnwarnung bei den Investitionen
Ausgangspunkt der Turbulenzen waren die Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die SpaceX am Dienstag vorlegte. Der Umsatz kletterte um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 6,9 Milliarden Dollar deutlich. Das Connectivity-Segment um Starlink lieferte mit 4,3 Milliarden Dollar Umsatz und 1,66 Milliarden Dollar operativem Gewinn den einzigen profitablen Bereich des Konzerns. Die Zahl der Starlink-Abonnenten verdoppelte sich auf 12 Millionen, wobei der monatliche Durchschnittsumsatz pro Nutzer wegen der Fokussierung auf erschwingliches globales Breitband von 85 auf 66 Dollar sank.
Auch das KI-Geschäft überraschte: Es wuchs um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar und erreichte laut Finanzchef Bret Johnsen bereits vor Plan eine positive bereinigte EBITDA-Marge. Johnsen sprach von einer Amortisationszeit von unter einem Jahr für einzelne KI-Rechenzentrums-Investitionen. Der Konzern verbuchte zudem neue KI-Verträge über 14,1 Milliarden Dollar und meldete einen Nettoverlust von 541 Millionen Dollar, deutlich weniger als die rund eine Milliarde Dollar Verlust im Vorjahresquartal.
Der Haken lag in den Investitionsausgaben: Mit 18,4 Milliarden Dollar lagen die Capex-Ausgaben weit über den von Analysten erwarteten rund 13 Milliarden Dollar. Das Management signalisierte, dass Quartal drei und vier auf ähnlichem Niveau folgen dürften – hochgerechnet auf etwa 65 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr, gegenüber einem Marktkonsens von 50 Milliarden Dollar. Trotz des Umsatzsprungs reagierte die Börse zunächst negativ: Die Aktie brach im nachbörslichen Handel um mehr als 7 Prozent ein, da Anleger die Kostenexplosion stärker gewichteten als das Wachstum.
Lockup-Ende verstärkt den Verkaufsdruck
Zusätzlichen Druck brachte am Donnerstag die erste Tranche eines neunstufigen Lockup-Ablaufs nach dem Börsengang. 911,5 Millionen Aktien wurden handelbar – rund 43 Prozent mehr als ursprünglich beim Börsengang ausgegeben wurden. Damit stieg der frei handelbare Anteil von 4,9 auf 11,8 Prozent der ausstehenden Aktien, mit einem Marktwert von rund 101 Milliarden Dollar zu aktuellen Kursen. Weitere Tranchen folgen bis Dezember, was nach Einschätzung von Marktbeobachtern anhaltenden Verkaufsdruck erzeugen könnte.
Analysten bleiben trotz hoher Investitionen zuversichtlich
Trotz der Kursreaktion reagierten mehrere Analysehäuser positiv auf die Geschäftsentwicklung. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth hob sein Kursziel am Mittwoch von 225 auf 240 Dollar an. Bank of America-Analyst Ronald Epstein bekräftigte am selben Tag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 235 Dollar und zeigte sich nach den Zahlen „positiver“ hinsichtlich der Positionierung des Unternehmens in seinen Kernmärkten – trotz der hohen Investitionsausgaben.
Starship-Flug als nächster Prüfstein
Auf operativer Seite richtet sich der Blick nun auf Ende August: Dann soll mit Flug 14 der erste orbitale Einsatz von Starship erfolgen, bei dem erstmals Starlink-V3-Satelliten in den Betriebsorbit gebracht werden sollen. Vorbehaltlich behördlicher Genehmigung will SpaceX zudem erstmals versuchen, die Starship-Oberstufe direkt am Startplatz einzufangen, statt sie wie bisher im Indischen Ozean landen zu lassen. Konzernchef Elon Musk bekräftigte beim Earnings Call zudem das Ziel, bis Dezember eine annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen, und zog das langfristige Ziel von einer Billion Dollar Jahresumsatz von 2031 auf 2030 vor.
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