Am Montag notiert das Papier bei 106,16 Euro und verliert weitere 2,07 Prozent, nachdem es bereits am Freitag mit 108,40 Euro geschlossen hatte. Damit liegt der Kurs nur noch 0,84 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 105,28 Euro, das erst am 20. Juli markiert wurde. Der Relative-Stärke-Index von 33,6 signalisiert eine deutlich überverkaufte Marktlage. Auslöser der jüngsten Talfahrt ist ein technischer Rückschlag beim wichtigsten Zukunftsprojekt des Unternehmens: dem Starship-Programm.
Raptor-3-Triebwerk stoppt Countdown
Am 16. Juli musste SpaceX den Startversuch für Flug 13 der Starship-Rakete kurz vor dem Abheben abbrechen. Grund war ein Zündfehler an einem Raptor-3-Triebwerk. Nach der Verschiebung wurden zwei Triebwerke ausgetauscht, zusätzlich erhielt das Antriebssystem Software- und Hardware-Upgrades. Elon Musk sorgte zwischenzeitlich für Verwirrung, als er per Kurznachricht einen Starttermin am Freitag ankündigte, während SpaceX selbst Donnerstag, den 23. Juli, um 17:45 Uhr amerikanischer Zeit bestätigte.
Der neue Versuch soll 20 Starlink-V3-Satelliten auf eine suborbitale Flugbahn bringen, sechs davon ausgestattet mit Kameras zur Analyse des Hitzeschilds. Es ist der erste Test dieser Art seit dem Börsengang des Unternehmens und zugleich der zweite Flug der V3-Version von Starship. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte ihre Untersuchung zu Flug 12, der eine 52-tägige Grounding-Phase nach sich zog, inzwischen abgeschlossen und grünes Licht gegeben. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Aju Press soll der Booster im Golf landen, das Raumschiff selbst im Indischen Ozean niedergehen. Der ursprüngliche Startabbruch am 16. Juli hatte nach Angaben mehrerer Quellen rund 100 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. An den Wettmärkten von Polymarket stieg die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für einen Start am 23. Juli nach der offiziellen Ankündigung von 23 auf 55 Prozent, bei einem Wettvolumen von mehr als 440.000 Dollar.
Analysten tief gespalten
Die Bandbreite der Kursziele für die Aktie mit dem Kürzel SPCX ist ungewöhnlich weit. Auf der optimistischen Seite steht Raymond James-Analyst Brian Gesuale mit einem Kaufen-Rating und einem Kursziel von 800 Dollar. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth sieht 225 Dollar, Needham-Analyst Ryan Koontz 250 Dollar, Evercore ISI stuft die Aktie mit Outperform und einem Ziel von 230 Dollar ein. Citi kalkuliert mittelfristig mit 200 Dollar, im optimistischen Szenario sogar mit 900 Dollar. In der Summe kommt der Analystenkonsens auf ein durchschnittliches Kursziel von 243,81 Dollar, ein Aufwärtspotenzial von 96,63 Prozent gegenüber dem jüngsten Tiefstand – bei 23 Kaufen-, 5 Halten- und lediglich einer Verkaufsempfehlung.
Auf der anderen Seite formiert sich eine wachsende Zahl von Skeptikern. Der frühere Fidelity-Manager George Noble hält ein Kursziel von nur 30 Dollar für gerechtfertigt. IPO-Experte Jay Ritter, bekannt als „Mr. IPO“, erwog eigenen Angaben zufolge sogar eine Short-Position. Die Ratingagentur CFRA vergibt durch Analyst Keith Snyder ein Verkaufen-Votum. Der Investor Ed Elson warnte zudem vor möglichen Interessenkonflikten der Analysehäuser, die zugleich als Konsortialbanken am Börsengang beteiligt waren.
Lockup-Ablauf und Bewertung als Belastung
Zur technischen Unsicherheit gesellt sich strukturelle Verkaufsangst. Ab dem 11. August dürfen laut Lockup-Zeitplan 20 Prozent der Insider-Aktien erstmals veräußert werden, weitere Freigabewellen folgen am 24. September, 25. Oktober und 7. November mit jeweils 14 bis 28 Prozent. Die ersten Quartalszahlen des Unternehmens werden für Anfang August erwartet. Der Short-Interest liegt nach Angaben mehrerer Quellen bei rund 185 Millionen Aktien und damit bei etwa 29 Prozent des Streubesitzes – ein außergewöhnlich hoher Wert für ein erst kürzlich börsennotiertes Unternehmen.
Gegen den Trend kaufte Cathie Woods Ark Invest am 17. Juli 147.805 Aktien zu. Die aktuelle Marktkapitalisierung beziffern die Marktdaten auf 1.427,82 Milliarden Euro. Ob sich das Bild nach dem Starship-Start am Donnerstag aufhellt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob die Raptor-3-Nachrüstung diesmal hält – und ob die Anleger den Lockup-Termin im August als nächste Belastung oder als überstandene Hürde verbuchen.
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