Wenn Aktionäre lieber über die Lackierung einer Rakete diskutieren als über Kennzahlen, sagt das einiges über die Stimmung vor einem wichtigen Termin. Heute Abend nach US-Börsenschluss legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor. In einem eigens eingerichteten Online-Forum haben Kleinanleger ihre Fragen für die Telefonkonferenz eingereicht und darüber abgestimmt — ganz oben stehen der Wunsch nach mehr Filmmaterial von der Mondlandung im Rahmen der Artemis-Mission und die Frage, ob die nächste Rakete pink lackiert werden könnte. Die Frage, wann das KI-Geschäft profitabel wird, landete erst auf Platz 183 des Rankings.
Erster Bericht mit Rekordvolatilität erwartet
Am Optionsmarkt deutet eine auffällig große Call-Position darauf hin, dass Händler mit heftigen Kursausschlägen rechnen. Der erste Quartalsbericht der Firmengeschichte könnte damit zur bislang volatilsten Handelsphase seit dem Börsengang werden. Analysten erwarten einen Umsatz von 6,81 Milliarden Dollar, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem geschätzten bereinigten Verlust von 0,24 Dollar je Aktie.
Ein Grund für den Optimismus mancher Beobachter liegt im neuen KI-Geschäft. Kurz vor dem Börsengang schloss SpaceX eine Vereinbarung mit Google, die dem Unternehmen monatlich 920 Millionen Dollar für bereitgestellte Rechenkapazität einbringen soll. Hinzu kommen ein Abkommen mit Anthropic, das die gesamte Kapazität des SpaceX-Rechenzentrums Colossus-1 in Memphis nutzen will, sowie eine separate Vereinbarung mit Reflection AI.
Vom Rekord-IPO zum Kursverlust
SpaceX ging am 12. Juni zum Ausgabepreis von 135 Dollar an die Nasdaq und erreichte dabei eine Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar. Binnen weniger Handelstage folgte ein Zwischenhoch, seither zeigt der Kursverlauf steil nach unten.
Besondere Brisanz bekommt der heutige Bericht durch den Kalender: Zwei Tage nach den Zahlen, am Donnerstag, endet die erste Sperrfrist für Altaktionäre — ein Termin, den Marktbeobachter als zusätzlichen Belastungsfaktor werten.
Seit dem ersten Handelstag hat SpaceX nach Berechnungen mehr als 500 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. Die Aktie notiert aktuell rund 43 Prozent unter ihrem Rekordhoch, bei etwa 114,53 Dollar.
Analysten uneins, Musk selbstkritisch
Am Markt gehen die Einschätzungen weit auseinander. Cantor sieht ein Kursziel von 246 Dollar, gestützt auf die neuen KI-Einnahmen, während New Street Research mit 165 Dollar deutlich vorsichtiger kalkuliert — Analyst Ben Harwood hält den Kursrückgang trotzdem für eine attraktive Einstiegsgelegenheit. Deutsche Bank Research bestätigte zuletzt ihr Buy-Rating mit einem Kursziel von 255 Dollar und sprach von einem „holprigen Weg“ zum ersten Ergebnisbericht.
Überschattet wird die Debatte von Elon Musks politischem Nebenengagement. In einem Ende Juli veröffentlichten Interview räumte er ein, sich „zu sehr in die Politik eingemischt“ zu haben — eine Anspielung auf seine Rolle als Leiter der Sparbehörde DOGE. Sein persönliches Vermögen schwankte im gleichen Zeitraum drastisch: von einem Höchststand von 1,45 Billionen Dollar Mitte Juni auf geschätzte 962 Milliarden Dollar Ende des Monats.
Ob die neuen KI-Erlöse die Wachstumsstory tatsächlich untermauern, zeigt sich heute Abend in den Zahlen selbst. Am Donnerstag folgt mit dem Ende der ersten Sperrfrist die nächste Belastungsprobe für den Kurs.
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