Elon Musk hat gestern die Effizienz der SpaceX-Investitionen verteidigt und seine Erwartungen an Rechenzentren im All bekräftigt. Für Anleger liegt die entscheidende Frage jedoch in deren Wirtschaftlichkeit: Medienberichten zufolge warnen Google-Energiespezialisten, solche Anlagen könnten bis zu 100-mal teurer sein als terrestrische Rechenzentren. Damit stehen Musks Ausbauplänen erhebliche Kostenvorbehalte gegenüber.
Der Gegensatz betrifft den Kern der Strategie. SpaceX will Rechenleistung nicht nur auf der Erde ausbauen, sondern künftig auch über Satelliten bereitstellen. Ob daraus ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht, hängt allerdings von mehr ab als der technisch verfügbaren Kapazität.
Hohe Erwartungen an den Weltraum
Musk erwartet, dass die monatlich neu installierte Rechenleistung im Orbit die entsprechende terrestrische Leistung gegen Ende 2028 erreicht und 2029 übertrifft. Das ist eine Prognose, kein bereits erreichter Entwicklungsschritt.
SpaceX plant dafür bis zu 1 Mio. Starmind-KI-Satelliten. Tausende könnten ab Ende 2027 starten. Die angekündigte Größenordnung verdeutlicht den Anspruch, sagt für sich genommen aber noch nichts über die erzielbare Rendite aus.
Die Kostenwarnung der Google-Spezialisten stellt deshalb eine zentrale Annahme infrage: Der Standort im All muss nicht automatisch wirtschaftlicher sein. Die mögliche Kostendifferenz ist ebenfalls eine Einschätzung und keine bereits feststehende Rechnung für das SpaceX-Projekt.
Analyst Kyle Reidhead schätzt die Ausgaben für den angestrebten Ausbau der Rechenkapazität auf rund 470 Mrd. US-Dollar über fünf Quartale. Diese Modellrechnung betrifft den Kapazitätsausbau insgesamt und darf nicht als Kostenanschlag allein für die Satellitenpläne verstanden werden.
Für Aktionäre ist diese Trennung wichtig. Die Finanzierung des gesamten KI-Ausbaus und die Wirtschaftlichkeit orbitaler Anlagen sind miteinander verbunden, aber nicht dieselbe Frage. Eine schnelle Ausweitung des Geschäfts beantwortet noch nicht, welcher Teil der Infrastruktur langfristig die besten Erträge liefert.
Amortisation hängt an den Annahmen
Finanzchef Bret Johnsen zufolge amortisiert sich neue Rechenkapazität bei den derzeitigen Preisen in weniger als zwölf Monaten. Musk erwartet, dass sich dieser Zeitraum im nächsten Jahr auf sechs Monate verkürzen könnte.
Der Vorbehalt der aktuellen Preise ist entscheidend. Die Aussage beschreibt die Wirtschaftlichkeit neuer Kapazitäten unter diesen Bedingungen. Sie belegt nicht, dass künftige Rechenzentren im Orbit dieselben Amortisationszeiten erreichen werden.
Wie stark die langfristigen Rechnungen von der Umsetzung abhängen, zeigt auch ein Modell von Sequoia-Partner Shaun Maguire. Es setzt für 2028 insgesamt 250 Starship-Flüge voraus. Die angenommene Startleistung ist damit eine wesentliche Voraussetzung seiner Kalkulation.
Für die Bewertung von SpaceX zählt folglich nicht allein das Tempo des Kapazitätsausbaus. Belastbar wird die Weltraumstrategie erst dann, wenn sich Investitionsbedarf, technische Umsetzung und wirtschaftlicher Rückfluss zusammenbringen lassen. Musks Erwartungen und die Kostenwarnung markieren derzeit unterschiedliche Einschätzungen dieser noch offenen Rechnung.
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