Vom Raketenbauer zum marktbeherrschenden Telekommunikationskonzern der Umlaufbahn: Wer die Entwicklung von SpaceX in diesen Tagen verfolgt, erlebt die Metamorphose eines Raumfahrtpioniers in ein globales Infrastruktur-Schwergewicht.
Am Dienstag erteilte die US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission die Genehmigung für den Betrieb von 15.000 Direct-to-Device-Satelliten für Starlink Mobile. Es ist ein regulatorischer Meilenstein, der die Dimensionen des Marktes verschiebt und an der Wall Street die Bewertungsmodelle neu justiert.
Reicht der Bau von Raketen noch aus, um die Fantasie der Investoren zu beflügeln? Die Antwort lautet längst Nein. Die Raumfahrt liefert zwar das Fundament, doch der eigentliche Hebel liegt in der globalen Konnektivität.
Mit der Erlaubnis für 15.000 Mobilfunk-Satelliten baut das Unternehmen ein Netz auf, das herkömmliche Funklöcher schlicht auflöst. Es geht nicht mehr nur um stationäre Empfangsschüsseln auf Hausdächern, sondern um den direkten Kontakt zum Smartphone in der Hosentasche – ohne Zwischenstation, rund um den Globus.
Neubewertung an der Wall Street
Diese Verschiebung des Geschäftsmodells ruft die Analysten auf den Plan. Am heutigen Freitag startete Barclays die Beobachtung der Aktie mit einer Overweight-Einstufung und rief ein Kursziel von 254 $ aus.
Analyst Anthony Valentini sieht in dem Vorstoß offenbar enormes Potenzial. Bereits am Mittwoch hatte Charles Minervino vom Analysehaus Susquehanna das Kursziel für den Titel von 144 $ auf 173 $ angehoben, beließ die Einstufung jedoch bei Neutral.
Die wachsende Zuversicht spiegelt sich auch im Börsenwert wider: Das Unternehmen kommt auf eine Marktkapitalisierung von 2.021,96 Milliarden Euro, während das Papier heute mit einem Kursplus von 1,0 Prozent bei 144,60 Euro notiert. Damit honoriert der Markt schrittweise die gewaltige Hebelwirkung von Skaleneffekten im Orbit.
Jeder zusätzliche Satellit vergrößert die Kapazität und festigt eine Markteintrittsbarriere, die von traditionellen Telekommunikationskonzernen kaum noch einzuholen ist.
Infrastruktur gegen operative Kosten
Gleichwohl birgt der Ausbau strategische und finanzielle Risiken. Der Aufbau einer derart riesigen Konstellation erfordert enorme finanzielle Mittel. Medienberichten zufolge verhandelte das Unternehmen über eine Finanzierung von 40 Milliarden Dollar, unter anderem für den Zukauf von KI-Chips.
Zudem bindet die Vereinbarung über den Erwerb des 800-MHz-Frequenzportfolios von Grain Management erhebliche Ressourcen für Starlink Mobile. Der Erwerb dieser Frequenzen steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Federal Communications Commission.
Zugleich muss die Startkadenz aufrechterhalten werden. Während der Bau des Startturms an der Startrampe 39A im Kennedy Space Center nahezu abgeschlossen ist und dort operative Tests anlaufen, verlaufen nicht alle Missionen reibungslos nach Plan.
Ein für die Space Development Agency vorgesehener Falcon-9-Start von der Vandenberg Space Force Base wurde verschoben und soll nun am Samstag stattfinden. Für den 13. Oktober ist zudem die 35. kommerzielle Versorgungsmission zur Internationalen Raumstation im Auftrag der NASA terminiert.
Die Ambitionen von SpaceX gehen weit über das bloße Transportieren von Nutzlasten hinaus. Der Konzern wandelt sich zu einem vertikal integrierten Technologiegiganten, der Satelliten baut, selbst in den Orbit befördert und die weltweite Dateninfrastruktur betreibt. Gelingt die nahtlose Einbindung von Starlink Mobile in den Alltag von Milliarden Smartphone-Nutzern, dürfte die aktuelle Bewertung erst der Beginn eines neuen Kapitels sein.
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