Zwei Nachrichten, eine Reaktion: SpaceX verlor am Montag knapp neun Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Werten unter den Mega-Caps. Auslöser ist ein Zusammenspiel aus einer milliardenschweren Anleiheemission und einer nüchternen Ersteinschätzung von KeyBanc.
Pflichttermin am Anleihemarkt
Das Unternehmen hat offiziell seine erste Emission vorrangiger unbesicherter Anleihen gestartet — ein Volumen von mindestens 20 Milliarden Dollar steht im Raum. Die Emission ist kein Wachstumsmanöver aus freien Stücken, sondern ein Muss: Ein Brückenkredit läuft im September 2027 aus und muss refinanziert werden. Die Konditionen sind jedenfalls günstig — alle drei großen Ratingagenturen haben SpaceX ein Investment-Grade-Rating im BBB-Bereich vergeben.
Was Anleger bewegt, ist weniger die Anleihe selbst als die dahinterliegende Botschaft. Oppenheimer hatte bereits vergangene Woche vorgerechnet, dass die Nettoverschuldung von heute rund 13 Milliarden Dollar bis 2031 auf über 400 Milliarden Dollar ansteigen könnte, wenn SpaceX seine Investitionspläne für KI-Infrastruktur und orbitale Rechenzentren konsequent umsetzt. Diese Zahl hängt seitdem wie ein Fragezeichen über der Aktie.
KeyBanc sieht Luft raus
Zur Anleiheemission gesellte sich Montagmorgen die Erstabdeckung durch KeyBanc — mit dem Urteil „Sector Weight“, was in der Analystensprache einem neutralen Halten entspricht. Die Botschaft des Brokers: SpaceX sei zwar der unbestrittene Marktführer in der Raumfahrt, die langfristigen Wachstumschancen seien aber bereits im Kurs eingepreist. Das Risiko-Rendite-Verhältnis sei ausgewogen, solange mehr Klarheit über den Zeitplan des Starship-Programms fehle.
Konkret handelt die Aktie auf Basis der KeyBanc-Schätzungen für 2027 beim etwa 29-Fachen des Umsatzes und beim 71-Fachen des EV/EBITDA — deutlich teurer als vergleichbare Werte aus dem KI-, Raumfahrt- und Kommunikationssektor. Sechs weitere Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, CFRA ist mit einem Sell-Rating die einzige Gegenstimme.
Hinzu kommt eine Morningstar-Anpassung: Analyst Nicolas Owens kürzte seinen fairen Wert auf 62 Dollar je Aktie, nachdem SpaceX die rund 60 Milliarden Dollar schwere Übernahme des KI-Codier-Startups Anysphere in eigenen Aktien angekündigt hatte. Die resultierende Verwässerung von rund 3,4 Prozent fiel ins Gewicht.
Was als Nächstes zählt
Das Starship-Programm bleibt der entscheidende operative Taktgeber. Flug 13 ist für den 29. Juni geplant — ein Test, der über die Entwicklungsgeschwindigkeit der nächsten Starlink-Generation und die Wirtschaftlichkeit künftiger Missionen entscheidet. Das KI-Segment wächst zwar rasant, Grok hält in den USA aber erst 3,1 Prozent Unternehmensadoption — verglichen mit 41 Prozent für Anthropic und knapp 40 Prozent für OpenAI. KeyBanc nennt die nächsten zwölf bis 24 Monate explizit eine „Bewährungsphase“ für diesen Geschäftsbereich. Gelingt Starship 13 und gewinnt Grok an Boden, könnte das die Neubewertungsdiskussion rasch drehen — scheitert beides, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten.
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