SpaceX hat im zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Wall Street klar geschlagen und trotzdem zunächst mit fallenden Kursen reagiert. Erst der Ablauf der Lockup-Frist für Insider-Aktien brachte die notwendige Erholung. Aktuell notiert das Papier bei 117,04 Euro und liegt damit 1,65 Prozent im Plus gegenüber dem Schlusskurs von Freitag.
Rekordumsatz, aber Verkaufsdruck nach den Zahlen
SpaceX legte am Dienstag vergangener Woche seine erste Quartalsbilanz als börsennotiertes Unternehmen seit dem Nasdaq-Debüt im Juni vor. Der Umsatz kletterte auf 7,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich über der Konsensschätzung von rund 6,9 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust verringerte sich auf 541 Millionen Dollar beziehungsweise 9 Cent pro Aktie, nach einem Verlust von einer Milliarde Dollar im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA verdreifachte sich nahezu auf 3,5 Milliarden Dollar.
Besonders das Konnektivitätsgeschäft trug zum Wachstum bei: Es erzielte 4,3 Milliarden Dollar Umsatz und gewann 1,7 Millionen neue Abonnenten netto hinzu. Das KI-Segment wuchs um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar und erreichte die operative Profitabilität früher als erwartet. Das Management bekräftigte das Ziel, bis Ende 2026 eine annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen, und zog den internen Zeitplan für einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar von 2031 auf 2030 vor. Im laufenden Quartal seien bereits weitere Cloud-Aufträge über 6,7 Milliarden Dollar unterschrieben worden, die ab Oktober über sechs Monate hochlaufen sollen.
Trotz dieser Zahlen fiel die Aktie in der Nacht auf den Bilanztag im nachbörslichen Handel um mehr als 7 Prozent. Anleger reagierten offenbar auf die hohen Investitionsausgaben von 18,4 Milliarden Dollar im Quartal, die das Wachstumstempo teuer erkaufen.
Lockup-Ablauf bringt Wende
Am Donnerstag lief für SpaceX-Mitarbeiter und weitere Insider die Haltefrist aus, die seit dem Börsengang den Verkauf ihrer Aktien untersagt hatte. Das verfügbare Angebot handelbarer Aktien verdoppelte sich dadurch mehr als. Statt des erwarteten Verkaufsdrucks setzte eine kräftige Erholung ein: Über die vergangenen sieben Handelstage legte die Aktie um 17,75 Prozent zu. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, erreicht Mitte Juni, fehlen dem Papier aktuell allerdings noch 39,81 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 7,99 Prozent, ein Beleg dafür, wie stark der anfängliche Ausverkauf nach den Zahlen zu Buche schlug, bevor die Erholung einsetzte.
Analysten sehen weiteres Kurspotenzial
Mehrere Investmentbanken reagierten in der vergangenen Woche mit angehobenen Einschätzungen. JPMorgan-Analyst Doug Anmuth erhöhte am 5. August sein Kursziel von 225 auf 240 Dollar und begründete den Schritt mit seinem Vertrauen in die Wachstumsdynamik des Unternehmens. Bank of America bekräftigte am selben Tag über Analyst Ronald Epstein die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 235 Dollar und verwies darauf, dass sowohl Umsatz als auch Profitabilität die Erwartungen übertroffen hätten; das Haus hob zudem seine eigenen Prognosen an. Auch weitere Häuser äußerten sich zuletzt überwiegend positiv zu den langfristigen Wachstumszielen des Unternehmens.
Starship-Flug soll neue Ära einleiten
Operativ bleibt SpaceX im Hochbetrieb: Allein in der vergangenen Woche fanden mehrere Starlink-Missionen statt, darunter der Start der Starlink-17-38-Mission von der Vandenberg Space Force Base und die BlueBird-11-13-Mission von Cape Canaveral, bei der die erste Raketenstufe zum 30. Mal erfolgreich auf einem Bergungsschiff landete. Die Starlink-Konstellation umfasst mittlerweile 12.644 gestartete Satelliten, von denen 10.898 im Orbit und 10.882 funktionsfähig sind.
Für Ende August ist der 14. Starship-Flug geplant, der erste orbitale Startversuch des Systems. Unternehmenschef Elon Musk kündigte an, dabei erstmals die neue Satellitengeneration Starlink V3 in den operativen Orbit zu bringen. Zudem soll erstmals versucht werden, die obere Raketenstufe am Startturm einzufangen, ein Manöver, für das SpaceX bislang stattdessen sanfte Wasserungen im Indischen Ozean genutzt hatte. Der Versuch steht unter dem Vorbehalt einer behördlichen Genehmigung. Musk erwartet, dass sich die Startfrequenz binnen eines Jahres auf mindestens einen Flug täglich erhöhen könnte.
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