Kaum an der Börse, schon in der Zerreißprobe: SpaceX-Aktien erholten sich am Donnerstag um 2,65 Prozent auf 152,23 Dollar. Der Anstieg folgt auf turbulente Wochen, in denen das Papier am 8. Juli mit 145,20 Dollar ein Allzeittief markierte – kurzzeitig sogar unter den Eröffnungskurs vom Börsengang am 12. Juni.
Morgan Stanley warnt vor gigantischem Kapitalbedarf
Eine Analyse von Morgan Stanley vom 9. Juli bringt neue Unsicherheit ins Spiel. Die Bank bestätigt zwar ihr „Overweight“-Rating mit Kursziel 300 Dollar. Gleichzeitig identifizieren die Analysten ein Finanzierungsrisiko von 672 Milliarden Dollar.
Der Grund: SpaceX benötigt laut Schätzung zwischen 2027 und 2034 jährlich rund 84 Milliarden Dollar an externem Kapital. Nur so lässt sich das aktuelle Wachstumstempo halten. Die Bank rechnet zudem erst ab 2035 mit einem positiven freien Cashflow.
Bis 2031 plant SpaceX Investitionen von 300 Milliarden Dollar. Das Geld fließt vor allem in das Starship-Raketensystem und den Ausbau des Starlink-Satellitennetzwerks.
Nasdaq-100-Aufnahme löst Verkaufswelle aus
Der Kursdruck der vergangenen Wochen hat einen konkreten Auslöser: die beschleunigte Aufnahme in den Nasdaq-100 am 7. Juli – nur 15 Handelstage nach dem Börsendebüt. Indexfonds mussten daraufhin Aktien im Wert von etwa 4,3 Milliarden Dollar kaufen. Das reichte trotzdem nicht.
Institutionelle Anleger verkauften stärker, als die passiven Käufe auffangen konnten. Marktbeobachter sprechen von einem klassischen „Sell-the-News“-Muster, wie es bereits bei früheren Index-Aufnahmen zu beobachten war. Am Tag der Aufnahme brach die Aktie um 6,8 Prozent ein. Frühe Investoren nutzten die Gelegenheit, ihre Bestände an passive Käufer abzugeben.
Damit notiert SpaceX weiterhin rund 32 Prozent unter dem Rekordhoch von 225,64 Dollar, das die Aktie Mitte Juni nach dem Börsengang erreicht hatte.
Wettbewerb verschärft sich
Die Konkurrenz schläft nicht. Jeff Bezos‘ Blue Origin kündigte kürzlich eine Finanzierungsrunde über 10 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 130 Milliarden Dollar an – die erste externe Kapitalaufnahme in der Firmengeschichte. Das Signal ist deutlich: Der Kampf um NASA-Mondverträge und den kommerziellen Raketenmarkt nimmt Fahrt auf.
SpaceX selbst kommt aktuell auf eine Bewertung von rund 1,95 Billionen Dollar. Getragen wird diese vor allem von Starlink. Die Satellitensparte erwirtschaftete 2025 über 11 Milliarden Dollar Umsatz – etwa 61 Prozent des Konzernumsatzes.
Das Gesamtunternehmen schrieb 2025 dennoch einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Hinzu kommt die milliardenschwere Übernahme des KI-Startups Cursor per Aktientausch, kurz nach dem Börsengang verkündet. Sie hat die Verwässerung der Anteile spürbar verstärkt.
Optionsmarkt zeigt Vorsicht
Auch der Optionsmarkt spiegelt die Nervosität wider. Auffällig hohe Volumina verzeichnen Put-Optionen mit einem Basispreis von 80 Dollar und Laufzeit bis Ende 2028. Einige institutionelle Anleger sichern sich damit gegen eine länger anhaltende Bewertungskorrektur ab.
Die Kursziele der Analysten könnten kaum weiter auseinanderliegen. Goldman Sachs sieht lediglich 205 Dollar als fairen Wert, Morgan Stanley liegt bei 300 Dollar. Raymond James traut der Aktie sogar bis zu 800 Dollar zu – vorausgesetzt, SpaceX realisiert sein volles Potenzial bei KI-Anwendungen und orbitalen Rechenzentren.
Diese Spannbreite zeigt, wie schwer sich der Markt mit der Bewertung des Raumfahrtkonzerns tut. Zwischen Starlink-Wachstum, Starship-Ambitionen und KI-Fantasie bleibt SpaceX ein Konglomerat mit vielen offenen Variablen – und einem Kapitalbedarf, der die kommenden Jahre prägen dürfte.
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