Die SpaceX-Aktie gerät weiter unter Druck. Im deutschen Handel notiert das Papier am Mittwoch bei 100,10 Euro und verliert damit 2,13 Prozent auf Tagessicht. Der Relative-Stärke-Index von 34,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Warnsignal, das Anleger vor zwei bevorstehenden Belastungsproben ernst nehmen dürften: den ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen am 4. August und dem Ablauf der Lockup-Frist zwei Tage später.
Kurssturz seit dem Rekordhoch
Der Wertverlust seit dem Börsengang ist gewaltig. SpaceX ging am 11. Juni zu 135 Dollar an die Börse, der erste Kurs lag bei 150 Dollar. Nur fünf Tage später markierte die Aktie mit 225,64 Dollar ihr Rekordhoch. Seither ist mehr als die Hälfte des Börsenwerts wieder verschwunden – laut Berechnungen mehrerer Marktbeobachter hat SpaceX seit dem Höchststand über eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. Im deutschen Handel liegt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro inzwischen bei 48,52 Prozent, während das 52-Wochen-Tief erst am Dienstag bei 94,15 Euro markiert wurde.
Belastend wirkten zuletzt auch die Geschäftszahlen: Im ersten Quartal stand einem Umsatz von 4,69 Milliarden Dollar ein Nettoverlust von 4,28 Milliarden Dollar gegenüber. Die Kurzverkäufer-Quote liegt Berichten zufolge bei über 30 Prozent des Streubesitzes – SpaceX zählt damit zu den am stärksten leerverkauften Werten des Jahres. Investmentanalyst Gary Black warnt, die Aktie könnte angesichts eines Forward-KGV von mehr als dem 175-Fachen unter die Marke von 100 Dollar fallen.
Lockup-Ende als nächste Bewährungsprobe
Am 6. August läuft die erste Sperrfrist für Alt-Aktionäre aus. Dann werden bis zu 911,5 Millionen Insider-Aktien handelbar – ein erheblicher Teil des bisherigen Streubesitzes. Der bekannte Börsenkommentator Jim Cramer rät Anlegern trotz grundsätzlich positiver Einschätzung, vor diesem Termin keine großen Positionen aufzubauen. Er verweist zudem darauf, dass die milliardenschweren KI-Rechenleistungsverträge mit Anthropic und Alphabet mit einer Frist von nur 90 Tagen kündbar sind – ein Risiko, das die Bewertung der KI-Sparte relativiert. Sollte eine zweite Freigabewelle folgen, könnte der Streubesitz bis Dezember auf rund 40 Prozent steigen.
Auf der anderen Seite kaufte Cathie Woods ARK Invest zuletzt gezielt gegen den Trend zu und stockte ihre SpaceX-Position um mehrere Zehntausend Aktien auf. Auch der Investor Ron Baron bleibt optimistisch und rechnet mittelfristig mit einer deutlich höheren Bewertung des Unternehmens.
Analysten uneins zwischen Kaufsignal und Warnung
Die Wall Street bleibt insgesamt mehrheitlich bullish, auch wenn die Kursziele enorm auseinanderklaffen. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas hält an einem Kursziel von 300 Dollar fest und sieht im KI-Geschäft – getrieben durch die Übernahme von xAI und den 60-Milliarden-Dollar-Zukauf von Cursor – ein bislang kaum eingepreistes Umsatzpotenzial von bis zu 100 Milliarden Dollar bis 2028. Sollte die Aktie unter 100 Dollar fallen, so Jonas, würden Anleger diese KI-Ambitionen faktisch mit null bewerten. HSBC bleibt dagegen mit einem Kursziel von 115 Dollar vorsichtig auf „Hold“ eingestuft, während Goldman Sachs eine bullishe Haltung einnimmt.
KI-Wette, Anleihen und Bonität
Trotz der Kursverluste treibt SpaceX seine Expansion voran. Laut Reuters bezifferte das Unternehmen im Rahmen seines Börsengangs den adressierbaren KI-Markt auf 26,5 Billionen Dollar – rund 90 Prozent des insgesamt anvisierten Zielmarkts von 28,5 Billionen Dollar. Die Sparte Starlink erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar bei 11,4 Milliarden Dollar Umsatz, während der KI-Bereich einen operativen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar auswies, nach 1,6 Milliarden Dollar im Vorjahr. Zur Finanzierung platzierte SpaceX zudem erstmals Investment-Grade-Anleihen über mehrere Tranchen mit Laufzeiten von fünf bis dreißig Jahren; die Ratingagentur S&P vergab dafür die Bewertung „BBB“ mit stabilem Ausblick. NASA-Administrator Jared Isaacman bezeichnete SpaceX zudem als unverzichtbar für eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond – ein Hinweis darauf, dass neben der volatilen KI-Wette auch staatliche Aufträge das Geschäft langfristig stützen dürften.
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