SpaceX-Aktien schließen die Woche mit heftigem Druck. Der Titel fällt auf ein frisches 52-Wochen-Tief. Grund ist eine beispiellose Wette gegen das Unternehmen – kurz vor dem ersten Quartalsbericht als börsennotierter Konzern.
Am Freitag schließt die Aktie bei 101,18 Euro. Das bedeutet ein Minus von 6,61 Prozent binnen einer Woche und einen Absturz von 25,71 Prozent im Monatsvergleich. Vom Rekordhoch bei 194,46 Euro trennen die Aktie inzwischen fast 48 Prozent.
Leerverkäufe erreichen historische Dimension
Die eigentliche Geschichte der Woche spielt sich im Hintergrund ab. Rund 206 Millionen SpaceX-Aktien sind aktuell leerverkauft. Das entspricht knapp 32 Prozent des frei handelbaren Streubesitzes und einem Wettvolumen von etwa 25 Milliarden Dollar, schätzt der Datendienstleister S3 Partners.
Vor einer Woche lag diese Quote noch bei 29 Prozent, vor einem Monat bei gerade einmal 5 bis 7 Prozent. Die Shortpositionen haben sich damit binnen weniger Wochen vervielfacht.
Elon Musk reagierte öffentlich auf X. Firmen mit dauerhaft hohen Shortpositionen gegen SpaceX hätten „eine sehr geringe Überlebenswahrscheinlichkeit“, schrieb der CEO. Er bekräftigte zudem seine alte Ansage: SpaceX werde am Ende mehr wert sein als die Erde selbst.
Analysten sehen hinter dem Short-Aufbau allerdings keine simple Wette auf fallende Kurse. Matthew Unterman, Forschungsleiter bei S3, erklärte gegenüber CNBC, Leerverkäufer würden ihre Positionen gezielt vor mehreren anstehenden Ereignissen ausbauen – allen voran der erste Quartalsbericht und die danach folgenden Lock-up-Fristen.
Eine Woche der Extreme
Die Talfahrt beschleunigte sich zur Wochenmitte. Die Aktie fiel zeitweise auf ein neues 52-Wochen-Tief, bevor eine Gegenbewegung einsetzte – ein Muster, das sich mehrfach wiederholte. An einem Handelstag legte der Kurs intraday um bis zu 8 Prozent zu, gab die Gewinne dann aber wieder ab.
Am Donnerstag kippte die Stimmung erneut. Im Zuge eines breiteren Tech-Ausverkaufs fiel SpaceX zusammen mit Oracle und QuantumScape auf ein neues Jahrestief, deutlich unter den ursprünglichen Ausgabepreis von 135 Dollar.
Die Schwankungsbreite der Aktie liegt derzeit bei annualisiert 67,12 Prozent – ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel greifbar macht. Der RSI notiert bei 33,9 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Das allein ist aber keine Garantie für eine baldige Erholung.
Der 4. August wird zur Nagelprobe
Der nächste große Termin steht fest. SpaceX will nach US-Börsenschluss am 4. August seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vorlegen. Investoren erhalten damit erstmals einen detaillierten Einblick in die Geschäftszahlen seit dem Börsengang.
Der Termin hat zusätzliches Gewicht, weil er die gestaffelte Freigabe gesperrter Aktien auslöst. Am zweiten vollen Handelstag nach der Veröffentlichung dürfen Investoren 20 Prozent ihrer gesperrten Anteile verkaufen – bis zu 911,5 Millionen Aktien. Weitere 10 Prozent könnten freigegeben werden, sollte die Aktie an fünf von zehn Handelstagen vor dem Bericht mindestens 30 Prozent über dem Ausgabepreis schließen. Von dieser Schwelle ist der Kurs derzeit weit entfernt.
Die Bewertung bleibt dabei ambitioniert: Trotz des Kurssturzes wird SpaceX noch immer mit dem mehr als 80-Fachen des Umsatzes gehandelt, während das Geschäft nach eigenen Angaben um rund 33 Prozent jährlich wächst. Der 4. August entscheidet damit über zwei gegensätzliche Lager: jene, die auf einen Beweis für die hohe Bewertung hoffen, und jene, die ihre wachsenden Shortpositionen bestätigt sehen wollen.
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