Die Papiere von SpaceX geben am Dienstag kräftig nach, nachdem sie in den drei Handelstagen zuvor um rund 28 Prozent zugelegt hatten. Im deutschen Handel notiert die Aktie bei 113,60 Euro und verliert damit 5,19 Prozent.
Ein neuer negativer Auslöser ist nicht erkennbar – Marktbeobachter werten den Rückgang als Gewinnmitnahme nach dem starken Lauf der vergangenen Tage, befeuert von einem Kursziel-Upgrade des Analysehauses Argus am vergangenen Freitag.
Lockup-Frist rückt in den Fokus
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der bevorstehende zweite Lockup-Ablauf am 20. August, bei dem rund 320 Millionen Aktien für den Handel freigegeben werden. Der erste große Lockup-Termin Anfang August mit 911,5 Millionen Aktien war zuvor ohne die befürchtete Verkaufswelle über die Bühne gegangen – die Aktie legte danach sogar deutlich zu.
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 1,52 Billionen Euro. Vom 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro, erreicht im Juni, ist das Papier mittlerweile 41,58 Prozent entfernt, was die Nervosität der Anleger nach dem historisch größten Börsengang der Firmengeschichte widerspiegelt.
Zahlen zeigen deutliche Verbesserung
Operativ präsentiert sich SpaceX zuletzt deutlich robuster als noch vor Jahresfrist. Der Umsatz des zweiten Quartals 2026 kletterte um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar. Der Nettoverlust verringerte sich von rund einer Milliarde Dollar im Vorjahresquartal auf 541 Millionen Dollar. Der operative Verlust schrumpfte parallel von 970 Millionen auf 143 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA stieg auf 3,54 Milliarden Dollar.
Treiber des Wachstums sind zwei Geschäftsfelder abseits der klassischen Raketenstarts: Der KI-Compute-Umsatz sprang um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, während Starlink mit 4,3 Milliarden Dollar Umsatz und einer auf 12 Millionen verdoppelten Abonnentenzahl wuchs.
Firmenchef Elon Musk bekräftigte das Ziel, bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar zu erreichen. Diesem Wachstum steht ein massiver Investitionsbedarf gegenüber: Die Investitionsausgaben lagen im Quartal bei 18,37 Milliarden Dollar.
Morgan Stanley sieht Kurspotenzial durch Cursor-Übernahme
Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgt die geplante Übernahme des KI-Unternehmens Cursor für 60 Milliarden Dollar in Aktien, deren Abschluss bis Ende August erwartet wird.
Cursor soll laut den Schätzungen von Morgan Stanley im laufenden Jahr 2,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften und 2027 auf 13 Milliarden Dollar wachsen, bei einem wiederkehrenden Jahresumsatz von 8 Milliarden Dollar bis Jahresende und 33 Milliarden Dollar bis 2030. Morgan Stanley beziffert den Wertbeitrag des KI-Geschäfts auf 12 Dollar je Aktie und hält an seinem Kursziel von 300 Dollar fest, sieht in einem optimistischen Szenario aber sogar 600 Dollar als möglich. Das Analysehaus Arete hob sein Kursziel im gleichen Zuge von 401 auf 450 Dollar an.
Auch andere Häuser bleiben mehrheitlich zuversichtlich: UBS-Analystin Hodulik bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Dollar, William Blair stufte die Aktie auf Outperform. Von 31 erfassten Analysten empfehlen 24 den Kauf, fünf raten zum Halten und zwei zum Verkauf – im Schnitt ergibt sich ein Kursziel von 231,15 Dollar.
Ausblick
Die kommenden Wochen dürften für SpaceX-Anleger von zwei Fragen geprägt sein: ob der Markt den anstehenden Lockup am 20. August ähnlich gelassen verdaut wie den vorangegangenen, und ob sich die Wachstumsdynamik bei Starlink und dem KI-Compute-Geschäft angesichts der hohen Investitionslast fortsetzt.
Die Diskrepanz zwischen optimistischen Kurszielen jenseits der 200-Dollar-Marke und der aktuellen Kursschwäche zeigt, wie stark der Markt die anhaltenden Verluste und den Nachbörsen-Überhang gegen das langfristige Wachstumsversprechen abwägt.
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