SpaceX hat mit Google Cloud eine Vereinbarung über Rechenzentrums-Infrastruktur im Volumen von rund 30 Milliarden Dollar geschlossen. Das Raumfahrt- und Technologieunternehmen mietet demnach 110.000 Nvidia-Grafikprozessoren für monatlich 920 Millionen Dollar, laufend von Oktober 2026 bis Juni 2029. Die Rechenleistung soll unter anderem für Googles KI-Modell Gemini genutzt werden. Google Cloud schloss zeitgleich Kooperationen mit IBM und Palantir ab und meldet einen Auftragsbestand von 460 Milliarden Dollar.
Der Deal fügt sich in eine Reihe ähnlicher Vereinbarungen ein. Bereits zuvor hatte SpaceX mit Anthropic einen Vertrag über 1,25 Milliarden Dollar pro Monat für ein Rechenzentrum in Memphis abgeschlossen. Bemerkenswert an der neuen Verbindung zu Google: Der Suchmaschinenkonzern hält selbst rund fünf Prozent an SpaceX. Berichten zufolge könnte diese Beteiligung durch die enge Zusammenarbeit auf einen Wert von bis zu 100 Milliarden Dollar steigen.
Nvidia als zentraler Partner
Auf dem ersten Earnings-Call nach dem Börsengang hatte Firmenchef Elon Musk zuvor eine exklusive Partnerschaft mit Nvidia hervorgehoben. Sie betrifft die kommende Vera-Rubin-Chipgeneration, die sowohl in Rechenzentren als auch in den geplanten Starmind-Satelliten zum Einsatz kommen soll. Die Ankündigung sorgte an den Märkten für gegensätzliche Reaktionen: Während Nvidia-Aktien um 3,7 Prozent zulegten, gab der Konkurrent AMD um 6 Prozent nach.
Die Kombination aus Cloud-Großaufträgen und Chip-Partnerschaft unterstreicht, wie stark SpaceX sein KI-Geschäft inzwischen antreibt. Das Segment hatte im zweiten Quartal seinen Umsatz auf 2,56 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht, blieb operativ mit einem Verlust von 1,26 Milliarden Dollar aber tief in den roten Zahlen.
Bilanzdruck und Aktienschwemme als Hintergrund
Die frische Vertragslage ändert nichts an der angespannten Ausgangslage, aus der SpaceX aktuell kommt. Am vergangenen Dienstag hatte das Unternehmen seine erste Quartalsbilanz nach dem Börsengang vorgelegt: Der Umsatz stieg um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, der Nettoverlust verringerte sich auf 541 Millionen Dollar von rund einer Milliarde Dollar im Vorjahr. Anleger reagierten dennoch verschreckt auf Investitionsausgaben von 18,4 Milliarden Dollar, von denen allein 15,8 Milliarden Dollar in die KI-Infrastruktur flossen – seither hat die Aktie rund 12,5 Prozent verloren.
Verschärft wird der Druck heute durch das Ende der ersten Sperrfrist für Insider-Aktien: 911,5 Millionen Aktien aus dem Besitz von Mitarbeitern und Frühinvestoren werden ab heute handelbar und lassen den frei handelbaren Aktienanteil deutlich steigen. Zusätzliche Tranchen sollen bis Mitte 2027 folgen. In diesem Umfeld dürften Nachrichten über belastbare Großaufträge wie den Google-Deal für Anleger ein willkommenes Gegengewicht zur Verkaufsangst sein.
Kurs stabilisiert sich nahe am Jahrestief
Im deutschen Handel notiert die SpaceX-Aktie am Donnerstag bei 95,18 Euro und legt damit um 1,84 Prozent zu. Sie bewegt sich damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 91,04 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde. Der leichte Aufschlag deutet darauf hin, dass positive Unternehmensmeldungen dem Kurs nach den turbulenten Tagen seit dem Börsengang wieder etwas Halt geben.
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte gestern ein Ereignis, das mit der operativen Bilanz nichts zu tun hat: Die ausgebrannte Oberstufe einer Falcon-9-Rakete schlug auf dem Mond ein. Das Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte bestätigte den Einschlag zwischen den Kratern Bell und Einstein; erste Schätzungen gehen von einem neuen Krater mit einem Durchmesser zwischen 18 und 30 Metern aus. Für das operative Geschäft von SpaceX bleibt der Vorfall ohne Relevanz, zeigt aber, wie breit das Aktivitätsspektrum des Unternehmens zwischen Kapitalmarkt, Cloud-Geschäft und Raumfahrt inzwischen gespannt ist.
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