SpaceX hat am Dienstag seine erste Quartalsbilanz als börsennotiertes Unternehmen vorgelegt – und die Reaktion der Anleger fiel gespalten aus. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und übertraf die von Analysten erwartete Marke von rund 6,8 bis 6,9 Milliarden Dollar deutlich. Der Nettoverlust schrumpfte im Jahresvergleich von rund einer Milliarde Dollar auf 541 Millionen Dollar. Trotzdem schickten die massiv gestiegenen Investitionen in Künstliche Intelligenz die Aktie im nachbörslichen US-Handel deutlich nach unten.
Starlink und KI treiben das Wachstum
Größter Umsatztreiber blieb das Satelliteninternet-Geschäft Starlink: Der Connectivity-Umsatz kletterte um 66 Prozent auf rund 4,3 Milliarden Dollar, die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich binnen eines Jahres auf 12 Millionen. Das KI-Geschäft legte sogar um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar zu, blieb operativ mit einem Verlust von 1,26 Milliarden Dollar aber tief in den roten Zahlen – wenngleich besser als von Analysten befürchtet. Der klassische Raumfahrtbereich, in dem unter anderem Starship-Erlöse verbucht werden, wuchs um 29 Prozent auf 962 Millionen Dollar, verzeichnete jedoch ebenfalls einen operativen Verlust. Das bereinigte EBITDA insgesamt verdreifachte sich nahezu auf 3,5 Milliarden Dollar.
Der Finanzchef von SpaceX kündigte laut CNBC an, dass ab Oktober zusätzliche 6,7 Milliarden Dollar an Cloud-Umsätzen vertraglich gesichert seien. Bis Dezember peile das Unternehmen eine annualisierte Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar an. Firmenchef Elon Musk äußerte sich laut BBC noch ambitionierter: Ein Jahresumsatz von einer Billion Dollar bis zum Jahr 2030 sei möglich – ein Zeitplan, der gegenüber früheren Aussagen sogar vorgezogen wurde.
Investitionsflut in KI-Infrastruktur schreckt Wall Street
Der eigentliche Belastungsfaktor für die Aktie waren die Investitionsausgaben. Die Kapitalausgaben schnellten im Quartal auf 18,4 Milliarden Dollar hoch – ein Plus von rund 550 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich mehr als die von Analysten erwarteten rund 13 Milliarden Dollar. Rund 15,8 Milliarden Dollar davon flossen allein in KI-Infrastruktur, überwiegend im Zusammenhang mit xAI. Zur Einordnung: Im ersten Halbjahr summierten sich die Investitionen bereits auf 28 Milliarden Dollar, nach lediglich 7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Auf der Bilanzseite verfügte SpaceX zum Quartalsende über eine Barreserve von 93,5 Milliarden Dollar, dem stehen Schulden von 36,8 Milliarden Dollar gegenüber.
Die Kombination aus starkem Umsatzwachstum und explodierenden Ausgaben verunsicherte Investoren spürbar. Im nachbörslichen US-Handel verlor die Aktie zwischen 5 und 9 Prozent, je nach Handelsplattform. Damit setzte sich der Abwärtstrend fort, der die Aktie bereits deutlich unter ihren Ausgabepreis von 135 Dollar beim Börsengang im Juni gedrückt hatte – zeitweise lag SpaceX mehr als 40 Prozent unter dem im Handelsverlauf erreichten Rekordhoch.
Lockup-Ablauf erhöht den Druck
Zusätzliche Unsicherheit bringt der Ablauf der Haltefrist für Altaktionäre am morgigen Donnerstag mit sich. Rund 911,5 Millionen Aktien werden dann erstmals frei handelbar – eine Menge, die den frei verfügbaren Streubesitz mehr als verdoppelt. Bis zum Jahresende sollen laut Berichten sogar bis zu 40 Prozent der ausstehenden Aktien freigegeben werden. Parallel dazu registrierten Marktbeobachter ein Short-Interesse von rund 219 Millionen Aktien, was etwa einem Drittel des Streubesitzes und einem Gegenwert von 24,6 Milliarden Dollar entspricht – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der Anleger auf weiter fallende Kurse setzt. Ob die frisch handelbaren Aktien tatsächlich auf den Markt drängen oder Insider ihre Bestände zunächst halten, dürfte in den kommenden Tagen über die weitere Kursrichtung entscheiden.
Kursbild bleibt angespannt
Der heimische Handel in Euro zeigte das Ausmaß der jüngsten Schwankungen bereits deutlich: Am Dienstag schloss die Aktie bei 108,80 Euro, ein Tagesplus von 9,46 Prozent – getrieben von der Vorfreude auf die Zahlen, noch bevor die nachbörsliche Reaktion auf die hohen KI-Ausgaben einsetzte. Zum 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro beträgt der Abstand weiterhin rund 44 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von 22,53 Prozent zu Buche. Der RSI von 46,2 signalisiert eine neutrale Marktlage, während die annualisierte Volatilität von knapp 65 Prozent die Nervosität rund um Bilanz und Lockup unterstreicht. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus operativem Wachstum, hohen KI-Investitionen und dem bevorstehenden Angebotsschub an frei handelbaren Aktien der zentrale Risikofaktor der kommenden Handelstage.
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