Die SpaceX-Aktie hat die Woche mit einem kräftigen Kurssprung beendet. Am Freitag schloss das Papier bei 115,14 Euro, ein Plus von 15,66 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht summiert sich der Zugewinn auf 22,53 Prozent – eine deutliche Erholung, nachdem die Aktie zuvor unter Druck geraten war und weiterhin spürbar unter ihrem Rekordhoch aus dem Frühsommer notiert.
Rally nach starkem Wochenschluss
Den Ausschlag für den jüngsten Schub gab gestern eine Neubewertung durch Argus Research. Analyst Steven Silver hob seine Einstufung von Hold auf Buy an und setzte ein Kursziel von 160 Dollar. Silver begründete den Schwenk mit der schnellen Amortisation der milliardenschweren KI-Infrastrukturausgaben und widersprach damit der pessimistischen Stimmung, die nach den jüngsten Quartalszahlen aufgekommen war.
Rekordumsatz trifft auf ausufernde KI-Investitionen
Grundlage der Debatte sind die Zahlen zum zweiten Quartal, die SpaceX am Dienstag vorgelegt hatte. Der Umsatz sprang um 92 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar und übertraf die von Analysten erwarteten 6,93 Milliarden Dollar deutlich. Der Nettoverlust fiel mit 541 Millionen Dollar beziehungsweise 0,09 Dollar pro Aktie geringer aus als befürchtet, während sich das bereinigte EBITDA auf 3,5 Milliarden Dollar nahezu verdreifachte.
Für Verunsicherung sorgte dagegen die Investitionsseite. Die Kapitalausgaben schnellten auf 18,37 Milliarden Dollar und lagen damit deutlich über der von Analysten erwarteten Marke von 13,22 Milliarden Dollar; allein 15,83 Milliarden Dollar flossen in KI-Infrastruktur. Das Management stellte für das Gesamtjahr ein Investitionsvolumen von rund 65 Milliarden Dollar in Aussicht, verglichen mit einem Marktkonsens von 50 Milliarden Dollar. Direkt nach der Veröffentlichung reagierte die Aktie im nachbörslichen Handel zunächst mit Verlusten von bis zu acht Prozent, weil Anleger die hohen Ausgaben skeptisch aufnahmen.
Innerhalb der Zahlen sticht das KI-Geschäft heraus: Es wuchs im Jahresvergleich um 247 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, getrieben von neuen Cloud-Service-Verträgen und nicht von den Grok-Modellen. Erstmals erzielte die Sparte ein positives bereinigtes EBITDA, trotz eines operativen Verlusts von 1,3 Milliarden Dollar. Finanzvorstand Bret Johnsen bezifferte die Amortisationszeit der KI-Rechenzentren-Investitionen auf weniger als ein Jahr – genau jenes Argument, das auch Argus Research für sein Upgrade anführte.
Auch das Kerngeschäft mit Starlink liefert Rückenwind: Die Sparte kam auf 12 Millionen Abonnenten, doppelt so viele wie vor einem Jahr und 17 Prozent mehr als im Vorquartal. Das Unternehmen peilt bis Jahresende einen annualisierten wiederkehrenden Umsatz von 100 Milliarden Dollar an. Die Barreserven kletterten dank der Erlöse aus dem Börsengang auf 93,5 Milliarden Dollar, während Schulden und Finanzierungsleasing im gleichen Zeitraum auf 36,8 Milliarden Dollar stiegen. Johnsen verwies zudem auf neu abgeschlossene Cloud-Verträge über 6,7 Milliarden Dollar, deren Umsatzbeitrag ab Oktober hochgefahren wird.
Strategisch untermauert wird das KI-Wachstum durch die Partnerschaft mit Nvidia: Unter dem Namen Starmind AI1 entwickeln beide Unternehmen eine satellitengestützte Rechenlast, künftige SpaceX-Rechenzentren sollen ausschließlich mit Nvidias Vera-Rubin-GPUs und Vera-CPUs bestückt werden. SpaceX-Chef Elon Musk rechnet bis Jahresende mit mehr als zwei Gigawatt Rechenleistung, die bis Ende 2027 auf rund zehn Gigawatt steigen soll.
Parallel dazu liefen am Donnerstag die Haltefristen aus dem Börsengang aus: 911,5 Millionen Aktien von Insidern und Mitarbeitern wurden erstmals handelbar und ließen den frei verfügbaren Anteil auf rund 1,55 Milliarden Aktien steigen. Trotz der Sorge vor einem Angebotsüberhang legte das Papier weiter zu.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Rekordzahlen und die üppigen Investitionen spalten die Wall Street. Neben Argus zeigte sich auch JPMorgan-Analyst Doug Anmuth am Donnerstag zuversichtlicher und erhöhte sein Kursziel auf 240 Dollar von zuvor 225 Dollar – trotz der hohen Kapitalausgaben, mit Verweis auf die erstmalige EBITDA-Profitabilität der KI-Sparte.
Die übrigen Häuser bleiben uneins: Die Spannbreite reicht von 140 Dollar bei Piper Sandler, das sein Kursziel am Donnerstag senkte, bis zu 300 Dollar bei Morgan Stanley. Insgesamt fällt der Analystenkonsens weiterhin deutlich bullish aus, das mittlere Kursziel bewegt sich zwischen 229 und 233 Dollar.
Für Ende August hat Musk zudem den nächsten Teststart der Starship-Rakete angekündigt. Flug 14 soll erstmals Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation aussetzen und erstmals eine Landung der Oberstufe versuchen – ein weiterer möglicher Kurstreiber für die ohnehin schwankungsanfällige Aktie.
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