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SpaceX: 911,5 Millionen Aktien vor Lockup-Ende

SpaceX präsentiert erstmals Quartalszahlen, während der Ablauf der Haltefrist für 911,5 Millionen Aktien und ein Rekord-Shortinteresse den Kurs unter Druck setzen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Erste Quartalszahlen seit Börsengang
  • Lockup-Ende für 911,5 Millionen Aktien
  • Rekord-Shortinteresse von 34 Prozent
  • Analysten streiten über fairen Wert

Am Dienstag, den 4. August, legt SpaceX nach Börsenschluss zum ersten Mal seit seinem Börsengang Quartalszahlen vor. Nur zwei Tage später, am 6. August, laufen Haltefristen für rund 911,5 Millionen Aktien aus – ein Paket im Wert von umgerechnet fast 116 Milliarden Dollar, das dann erstmals frei gehandelt werden darf. Die Aktie steckt bereits jetzt in einer der schärfsten Korrekturen ihrer kurzen Börsengeschichte, und die kommende Woche gilt als Nagelprobe.

Q2-Debüt mit hohem Erwartungsdruck

Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem Umsatz von rund 6,9 Milliarden Dollar, ein Plus von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Ergebnis je Aktie schwanken die Schätzungen zwischen einem Verlust von 0,23 und 0,35 Dollar. Starlink bleibt der tragende Umsatzpfeiler: Im ersten Quartal steuerte der Satelliteninternet-Dienst 3,3 Milliarden Dollar bei, bei zuletzt 10,3 Millionen Abonnenten. Das KI-Geschäft mit Verträgen mit Anthropic und Alphabet liefert bislang nur einen kleinen Teil des Umsatzes, soll laut Konsensschätzungen aber von 818 Millionen auf gut 2,18 Milliarden Dollar zulegen.

Für das Gesamtjahr 2025 hatte SpaceX einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar bei 18,7 Milliarden Dollar Umsatz ausgewiesen, während allein die Investitionsausgaben auf rund 21 Milliarden Dollar kletterten. Bullische Stimmen rechnen für 2027 sogar mit einem Umsatz von 80 Milliarden Dollar – ein Sprung, der voraussetzt, dass sich das Wachstum in den kommenden zwei Jahren annähernd verdoppelt.

Rekord-Shortinteresse und Lockup-Risiko

Kaum ein US-Großunternehmen wird derzeit so stark leerverkauft wie SpaceX. Ende Juli lag das Short-Interesse bei 219,3 Millionen Aktien, gut 34 Prozent des Streubesitzes, mit einem Marktwert von mittlerweile mehr als 26 Milliarden Dollar. Die bevorstehende Freigabe von 911,5 Millionen Aktien übersteigt sogar den aktuellen Streubesitz von rund 640 Millionen Papieren. Morgan Stanley warnte deshalb vor der „gefährlichsten Phase“ seit dem Börsengang, weil Quartalszahlen und Lockup-Ende binnen zwei Tagen aufeinandertreffen und zusätzliches Verkaufsangebot auf den Markt drücken könnte.

Analysten uneins zwischen Kursziel und Fair Value

Cantor-Fitzgerald-Analyst Colin Canfield bestätigte vor den Zahlen sein Kursziel von 246 Dollar und begründet dies mit dem erwarteten Wachstum im KI-Geschäft sowie der Dynamik bei Starlink. Über alle 37 von Analysten erfassten Einschätzungen hinweg liegt das mediane Kursziel bei 225 Dollar – ein Niveau, das gegenüber dem jüngsten US-Handelspreis mehr als eine Verdopplung bedeuten würde. Deutlich skeptischer fällt die Einschätzung von Morningstar aus: Die Analysten dort taxieren den fairen Wert der Aktie auf lediglich 62 Dollar und verweisen auf eine Bewertung, die zuletzt beim rund 75-Fachen des Umsatzes lag. Die Diskrepanz zeigt, wie unterschiedlich Wall Street die Zukunft des Raumfahrtkonzerns zwischen Starlink-Cashflow und milliardenschweren KI-Wetten einschätzt.

Kursbild bleibt angespannt

Zum Wochenschluss verlor die Aktie 3,48 Prozent und schloss bei 93,96 Euro, nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Damit notiert das Papier 51,68 Prozent unter dem im Juni erreichten Jahreshoch. Der 14-Tage-RSI von 31,0 deutet auf eine überverkaufte Marktlage hin – ein Signal, das manche Anleger als Vorbote einer technischen Gegenbewegung lesen, andere angesichts des bevorstehenden Verkaufsdrucks aus dem Lockup mit Vorsicht behandeln.

Zusätzliche Unsicherheit liefert eine mögliche Fusion mit Tesla. Das Wall Street Journal hatte berichtet, Tesla erwäge, sein China-Geschäft zu verkaufen oder abzuspalten, um einem möglichen Zusammenschluss mit SpaceX den Weg zu ebnen. Elon Musk wies den Bericht als „absurde Fake News“ zurück, dementierte eine Trennung vom Shanghai-Werk jedoch ohne die Fusionsspekulation selbst auszuräumen. Während institutionelle Anleger auf Kennzahlen wie Free-Cashflow-Ausblick und Kapitalbedarf schauen – Morgan Stanley rechnet erst ab 2035 mit positiven freien Mittelzuflüssen bei einem Kapitalbedarf von rund 700 Milliarden Dollar bis dahin –, drehen sich viele Privatanleger-Fragen im Vorfeld des ersten Calls eher um Starship, das Maskottchen „Asteroid“ und die Farbe der Rakete. Diese Kluft zwischen öffentlichem Interesse und harten Finanzkennzahlen dürfte sich am Dienstag auflösen, sobald die tatsächlichen Zahlen vorliegen.

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Diskussion zu SpaceX

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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