Der Markt preist einen Sieg der Demokraten im Kongress offenbar noch nicht ein, obwohl Umfragen und Wettmärkte in diese Richtung zeigen. Genau darin liegt das Risiko für den heutigen Wahltag. Fällt das Ergebnis eindeutig blau aus, könnte der Index am Mittwoch unter Druck geraten.
Kurzfristige Szenarien
JPMorgan rechnet bei einer sogenannten blauen Welle mit einem Minus von rund einem halben Prozent. Behalten die Republikaner dagegen beide Kammern, sähe das Haus ein Plus von bis zu einem Prozent. Wells Fargo argumentiert ähnlich: Der Markt wisse, wie er mit einer republikanischen Mehrheit umzugehen habe.
Citigroup nennt noch ein drittes Szenario. Verlieren die Republikaner das Repräsentantenhaus, halten aber den Senat, wäre das demnach Rückenwind für Aktien bis zum Jahresende. Wolfe Research befragte mehr als 100 institutionelle Investoren. Das Ergebnis: Kaum jemand ist klar auf ein Wahlergebnis positioniert.
Historie spricht für Erholung, die Lage nicht ganz
Historisch ist das Muster eindeutig. Nach Zwischenwahlen lag der S&P 500 ein Jahr später stets im Plus, und das vierte Quartal fällt im Schnitt kräftig aus. Meist ging dem allerdings eine Schwächephase vor der Wahl voraus, die dem Index Luft aus dem Kurs nahm.
Diesmal ist es anders. Der Index steht 2026 zweistellig im Plus, zuletzt ging es aber abwärts. Die Nasdaq verzeichnete am Freitag ihren schwächsten Tag seit Juni, am Montag fiel der S&P 500 um ein halbes Prozent und schloss auf dem tiefsten Stand seit drei Monaten. BTIG-Techniker Jonathan Krinsky hält deshalb das Gegenteil des erwarteten Post-Wahl-Anstiegs für wahrscheinlicher.
Sektoren im Wahlfokus
Besonders sensibel reagieren KI-Werte. Ein überraschender Sieg der Demokraten im Rennen um das Gouverneursamt in Texas, einem Zentrum des Rechenzentrumsbooms, könnte die Verkäufe verstärken. Goldman Sachs hält zwar steuerliche Anreize für gefährdet, ein landesweites Moratorium aber für unwahrscheinlich.
Rüstungsaktien könnten bei Ausgabengrenzen unter Druck geraten, Gesundheitswerte dagegen profitieren. Banken sehen sich womöglich erneut Debatten über eine Deckelung der Kreditkartenzinsen gegenüber.
Der Iran-Faktor
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt der Konflikt mit Iran. Eskaliert Präsident Trump nach der Wahl militärisch, könnte der Ölpreis erneut anspringen. Evercore ISI hält in diesem Fall bei einem Demokraten-Sieg einen zweistelligen Rückgang des S&P 500 auf 6.800 Punkte zum Jahresende für möglich.
Am Mittwoch zeigt sich zunächst, welches der Szenarien der Markt spielt. Die Marke von 6.800 Punkten markiert das Worst-Case-Szenario von Evercore, die Erholung bis Jahresende das Basisszenario von Citigroup.
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