Ein Rekordhoch in Reichweite, ein Volatilitätsindex bei entspannten 17,7 Punkten – und trotzdem bricht am Montag mitten im Technologiesektor eine Verkaufswelle los. Der S&P 500 selbst bewegt sich kaum, doch unter der glatten Oberfläche zerren gegenläufige Kräfte so stark wie lange nicht mehr.
Die Woche begann mit Optimismus. Eine neue Feuerpause zwischen den USA und dem Iran drückte die Ölpreise nach unten und ließ die Indizes zunächst im Ein-Prozent-Bereich zulegen. Diese Euphorie hielt allerdings nicht lange. Der S&P 500 gab die Anfangsgewinne wieder ab und notierte zuletzt mit rund 0,1 Prozent im Minus bei 7.402 Punkten, während der Dow Jones dank der günstigeren Ölpreise ein Plus von 0,3 Prozent auf 52.092 Zähler hielt.
Chipsektor bremst die Erholung
Der eigentliche Belastungsfaktor sitzt in der Halbleiterbranche. Ein Bericht über eine anlaufende Produktion von DUV-Lithografiesystemen in China nährte unter Anlegern die Sorge, dass Anlagen des niederländischen Ausrüsters ASML mittelfristig durch chinesische Konkurrenz ersetzt werden könnten. Die Folge: Nvidia verlor im Dow fast fünf Prozent, AMD sackte um 7,4 Prozent ab. Der Nasdaq 100 rutschte unter dem Gewicht der Chipwerte um 0,6 Prozent auf 27.953 Punkte und markierte damit das niedrigste Niveau seit Anfang Mai.
Nicht der gesamte Technologiesektor litt gleichermaßen. Software- und Internetwerte wie Salesforce, Microsoft und Alphabet zählten im Dow zu den Gewinnern und dämpften die Verluste etwas ab. Auch der Quantencomputer-Bereich zeigte sich erholt – D-Wave Quantum sprang um 16 Prozent, nachdem AT&T eine Vereinbarung zur Ausweitung dieser Technologie unterzeichnet hatte.
Im Energiesektor bremste der fallende Ölpreis Chevron und ExxonMobil, während Ford und General Motors nach Kaufempfehlungen von Jefferies gefragt waren. Für Aufsehen sorgte zudem Forte Biosciences: Der Biotech-Konzern Argenx will das Unternehmen für 77 Dollar je Aktie und damit für rund 2,2 Milliarden Dollar in bar übernehmen – die Forte-Aktie sprang daraufhin um fast 40 Prozent.
Fed-Woche mit Sprengstoff
Die eigentliche Nervosität speist sich aus dem Terminkalender. Mit Microsoft, Meta, Amazon und Apple stehen in dieser Woche gleich vier Schwergewichte mit Quartalszahlen an, dazu kommt am Mittwoch die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed. Diese Gemengelage erklärt, warum der Nasdaq 100 am Montag früh noch mit 1,2 Prozent im Plus stand, im Tagesverlauf aber ebenso stark ins Minus drehte.
Bank of America warnt parallel vor einer saisonalen Schwächephase. Von August bis Oktober erzielte der S&P 500 seit 1928 im historischen Schnitt praktisch keine positive Rendite und verzeichnete in dieser Spanne die tiefsten durchschnittlichen Korrekturen aller rollierenden Drei-Monats-Zeiträume. Als historisch robustere Alternativen nennt die Bank US-Dollar, Gold und Staatsanleihen – von November bis Januar dagegen erzielte der Index im Schnitt ein Plus von 3,54 Prozent.
Die kommenden Tage dürften zeigen, ob die Berichte der Tech-Schwergewichte die Chip-Sorgen überlagern können oder ob die Fed am Mittwoch für zusätzliche Unruhe sorgt. Bis dahin bleibt der Index zwischen Rekordnähe und Nervosität gefangen.
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