Überraschender Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze
Nachdem der S&P 500 am Donnerstag noch ein neues Allzeithoch bei 7.816,70 Punkten markiert hatte, geriet der Index am gestrigen Freitag unter Druck. Auslöser waren enttäuschende Konjunkturdaten aus dem US-Einzelhandel. Die Umsätze sanken im Juli überraschend um 0,6 Prozent, was den stärksten Rückgang seit Mai 2025 darstellt. Analysten hatten im Vorfeld im Mittel mit einem leichten Zuwachs von 0,1 Prozent gerechnet. Besonders deutlich fielen die Rückgänge bei Tankstellenbelegen aus, während die Benzinpreise im Monatsvergleich auf 4,08 US-Dollar pro Gallone stiegen.
Zusätzlich belastete die Eintrübung der US-Verbraucherstimmung das Parkett. Der von der University of Michigan erhobene Index für das Konsumvertrauen fiel in einer ersten Schätzung für August auf 51,0 Punkte, nachdem er im Vormonat noch bei 55,2 gelegen hatte. Experten werten dies als Zeichen einer zunehmenden Erschöpfung der Konsumenten, was den S&P 500 gestern um 0,3 Prozent auf 7.777,67 Zähler nachgeben ließ.
Rekordmargen und Index-Anpassungen
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt die fundamentale Lage vieler im S&P 500 gelisteten Unternehmen auf der Ertragsseite robust. Dennoch erreichten die Nettomargen im zweiten Quartal 2026 mit 16,9 Prozent einen neuen Rekordwert seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2009. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung waren die Tech-Giganten Alphabet und Amazon. Ohne diese Schwergewichte läge die Marge bei rund 15 Prozent, was dennoch einen historischen Höchststand markiert. Acht von elf Sektoren konnten ihre Profitabilität im Vergleich zum Vorjahr steigern.
Für Bewegung sorgte zudem die Nachricht über eine Neuzusammenstellung des Index. Die Social-Media-Plattform Reddit wird am 18. August in den S&P 500 aufgenommen und ersetzt dort AvalonBay Communities. Die Reddit-Aktie reagierte darauf mit einem Kurssprung von über 16 Prozent auf 184,28 US-Dollar.
Das Unternehmen profitiert von einem anhaltend starken Umsatzwachstum, das im zweiten Quartal zum achten Mal in Folge die Marke von 60 Prozent überschritt und einen Nettogewinn von 253 Millionen US-Dollar auswies.
Analysten warnen vor Cashflow-Risiken
Während die Gewinnmargen glänzen, mahnen erste Analysten zur Vorsicht hinsichtlich der massiven Investitionsausgaben im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Laut Experten von Jefferies stiegen die Investitionskosten der großen Hyperscaler wie Microsoft, Amazon und Alphabet im zweiten Quartal auf insgesamt 165 Milliarden US-Dollar. Im Gegenzug sank der freie Cashflow dieser Konzerne drastisch von 60 Milliarden US-Dollar im Vorquartal auf nur noch 7 Milliarden US-Dollar. Die Free-Cashflow-Rendite des S&P 500 wird derzeit mit 2,65 Prozent beziffert, was deutlich unter dem Niveau von Oktober 2022 liegt.
Dennoch blickt ein Teil der Marktteilnehmer optimistisch auf die breitere wirtschaftliche Erholung abseits des KI-Sektors. Die Analysten der UBS beobachten, dass sich der Aufschwung zunehmend auf andere Industriezweige ausbreitet. 45 Prozent der S&P-500-Unternehmen planen demnach für das laufende Jahr eine Erhöhung ihrer Investitionsausgaben um mehr als 10 Prozent, verglichen mit 35 Prozent im Vorjahr. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus im S&P 500 trotz der gestrigen Verluste auf 14 Prozent.
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