Ein Plus von 6,48 Prozent binnen einer Woche, nahezu ohne nennenswerten Rückschlag — solche Sprünge sieht man sonst eher nach Crashs, nicht im Rekordhoch. Genau das aber passiert derzeit beim S&P 500, der am Mittwoch mit rund 7.790 Punkten sein bisheriges Hoch von 7.793 Punkten streifte. Der Auslöser ist eine Mischung aus geopolitischer Erleichterung, starken Bilanzen — und einem technischen Mechanismus, der die Aufwärtsbewegung zusätzlich befeuert.
Öl, Iran und starke Zahlen als Fundament
Den Grundstein legt die Hoffnung auf eine Übergangslösung zur Öffnung der Straße von Hormus. Die Ölpreise waren zuvor binnen zwei Handelstagen um mehr als zehn Prozent eingebrochen, Brent und WTI notieren nun bei rund 78,70 und 74,90 Dollar je Barrel — eine Entlastung für Verbraucher und Unternehmen zugleich. Dazu kommt eine kräftige Berichtssaison: Eli Lilly sprang nach überzeugenden Quartalszahlen zeitweise um bis zu sieben Prozent, Disney legte nach besser als erwarteten Gewinnen rund 2,3 Prozent zu und stützte den Dow, der erstmals die Marke von 54.000 Punkten überschritten hat.
Wenn die Optionsmechanik die Rally selbst befeuert
Technisch betrachtet trägt die Bewegung deutliche Spuren eines sogenannten Gamma-Squeeze. Wenn Anleger massiv Call-Optionen auf den Index kaufen, müssen Händler ihre Absicherung durch den Kauf der zugrunde liegenden Aktien oder Futures nachziehen — je höher der Kurs steigt, desto mehr müssen sie kaufen. Das erzeugt eine selbstverstärkende Kaufwelle, die den Index förmlich „auf Schienen“ nach oben schiebt. Die technischen Indikatoren stützen dieses Bild: Die wöchentliche RSI liegt bei 68,1, der CCI bei 256 und der StochRSI klebt bei einem Wert von 100 — Zeichen einer stark überkauften Marktlage.
Solche Squeezes enden erfahrungsgemäß so abrupt, wie sie beginnen. Sobald der Index größere Optionsstrike-Cluster durchbricht oder Kontrakte auslaufen, kippt die mechanische Kaufkraft ins Gegenteil — Händler werden dann bei steigenden Kursen plötzlich zu Verkäufern statt zu Käufern.
Ein Blick auf die Realwirtschaft relativiert die Euphorie zudem etwas. Der ADP-Bericht zeigte für Juli lediglich 44.000 neue Stellen im Privatsektor, deutlich unter den erwarteten 75.000 und dem nach unten revidierten Vormonatswert von 95.000. Die anstehenden Daten zur Dienstleistungskonjunktur und die Entwicklung der Optionsmärkte in den kommenden Handelstagen dürften zeigen, ob die Rally auf eigenen Beinen steht — oder tatsächlich nur von der Absicherungsmechanik der Händler getragen wird.
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