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S&P 500: Ölpreisschock trifft Wall Street

Ein Ausbruch des Nahostkonflikts blockiert die Straße von Hormus und treibt die Ölpreise in die Höhe. Dies belastet die US-Börsen und lässt Inflationsängste sowie Zinssenkungserwartungen schwinden.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • S&P 500 und Dow Jones brechen deutlich ein
  • Ölpreise erreichen höchsten Stand seit Juli 2024
  • Inflationssorgen und Zinserwartungen verschärfen sich
  • Energieintensive Branchen erleiden schwere Verluste

Die Wall Street erlebt einen Rückschlag. Nach der kurzen Erholung am Mittwoch sackte der S&P 500 am Donnerstag um 0,6 Prozent auf 6.830 Punkte ab. Der Dow Jones Industrial Average gab noch deutlicher nach und verlor 1,6 Prozent auf 47.954 Punkte – das tiefste Schlussniveau seit über zwei Monaten. Verantwortlich für den Ausverkauf: ein explosiver Cocktail aus eskalierendem Nahostkonflikt und rasant steigenden Ölpreisen.

Öl durchbricht 80-Dollar-Marke

Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI schoss am Donnerstag um über 6 Prozent nach oben und kratzte an der 80-Dollar-Marke. Brent-Öl kletterte auf 84,23 Dollar – der höchste Stand seit Juli 2024. Damit setzt sich die Rallye der vergangenen fünf Handelstage fort. Der Grund: Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels fließt, ist praktisch blockiert. Der Iran hat nach eigenen Angaben einen US-Tanker im nördlichen Persischen Golf attackiert und gedroht, die strategisch entscheidende Meerenge komplett zu sperren.

Der Schiffsverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen. Öllieferungen aus dem Iran und von anderen Produzenten am Persischen Golf sind unterbrochen, mehrere Förderländer müssen ihre Produktion drosseln. China versucht bereits, Kraftstoff zu sparen, japanische Raffinerien fordern die Freigabe strategischer Reserven. „Öl ist so wichtig für die Weltwirtschaft – und zu sehen, wie der Preis innerhalb einer Woche so schnell steigt, lässt Investoren verwirrt zurück“, kommentierte Dan Coatsworth von AJ Bell die Lage.

Konflikt weitet sich aus

Der Iran-Krieg, der noch keine Woche alt ist, zieht immer weitere Kreise. Eine ballistische Rakete flog Richtung Türkei, einem NATO-Mitglied. Israel setzt seine Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im Libanon fort. In den Golfstaaten kommt es zu Drohnenattacken auf zivile Ziele, die USA versenkten vor Sri Lanka ein Kriegsschiff. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth dämpfte Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende: Der Konflikt könne bis zu acht Wochen dauern, möglicherweise aber auch früher vorbei sein.

Die IWF-Geschäftsführerin Kristalina Georgieva warnte vor den wirtschaftlichen Folgen: „Dieser Konflikt testet die globale wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Falls er sich als langwierig erweist, hat er offensichtliches Potenzial, globale Energiepreise, Marktstimmung, Wachstum und Inflation zu beeinflussen.“

Inflationssorgen kehren zurück

Die steigenden Energiepreise wecken Inflationsängste – und die kommen zur Unzeit. Denn zeitgleich zeigt sich der US-Arbeitsmarkt unerwartet robust. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe blieben mit 213.000 unverändert und damit unter den erwarteten 215.000. Das Beige Book der Federal Reserve zeichnete ebenfalls ein optimistisches Bild der US-Wirtschaft, und der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor kletterte im Februar auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch.

Die Kombination aus starken Wirtschaftsdaten und steigenden Energiepreisen macht Zinssenkungen der Fed immer unwahrscheinlicher. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis zur Juni-Sitzung fiel auf nur noch 39 Prozent – der niedrigste Wert in diesem Jahr. Die Renditen am Anleihenmarkt schossen entsprechend nach oben: Die zehnjährige US-Staatsanleihe legte um 6,6 Basispunkte auf 4,146 Prozent zu.

Sektorenrotation verstärkt Abwärtsdruck

Besonders hart traf es energieintensive Branchen. Airline-Aktien stürzten um 5,9 Prozent ab und erreichten ein Dreimonatstief. Goldminen-Titel verloren 4,2 Prozent, parallel zum fallenden Goldpreis. Auch Stahl-, Telekommunikations-, Immobilien- und Biotechnologie-Werte gerieten unter Druck. Gegen den Trend hielten sich lediglich Software-Aktien und – wenig überraschend – Ölproduzenten.

Der Nasdaq 100 zeigte sich mit einem Minus von nur 0,3 Prozent vergleichsweise widerstandsfähig. Stütze war der Chipkonzern Broadcom, dessen Aktie um fast 5 Prozent zulegte. Das Unternehmen hatte mit seinen Quartalszahlen überzeugt und für das laufende Quartal KI-Halbleiter-Umsätze von 10,7 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Zudem kündigte Broadcom ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Milliarden Dollar an.

Alle Blicke richten sich nun auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Die Nonfarm Payrolls werden zeigen, ob sich der robuste Arbeitsmarkt weiter hält – und damit die Erwartungen an die Fed-Zinspolitik weiter belasten könnten.

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Diskussion zu S&P 500

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.