Der US-Leitindex S&P 500 steht am heutigen Montag unter dem Eindruck einer verschärften geopolitischen Lage und restriktiver Signale der US-Notenbank Federal Reserve.
In den vorbörslichen Handelsstunden gaben die Futures auf den Index bereits nach, da Investoren mit einer Eskalation im Nahen Osten und einer womöglich strafferen Geldpolitik im September rechnen müssen. Damit droht dem Markt ein schwieriger Start in einen Monat, der historisch gesehen mit einem durchschnittlichen Minus von 1,2 Prozent als einer der schwächsten Börsenmonate des Jahres gilt.
Eskalation im Nahen Osten treibt Ölpreise
Medienberichten zufolge haben US-Streitkräfte heute iranische Raketenwerfer in der Straße von Hormus auf Larak Island angegriffen. Teheran reagierte darauf mit Raketenbeschuss auf US-Militärstützpunkte in Jordanien. Diese militärische Zuspitzung weckt am Markt erhebliche Befürchtungen vor Störungen der globalen Ölversorgung.
Die Preise für die Rohölsorten Brent und WTI legten in einer ersten Reaktion deutlich zu, wobei Brent die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel überschritt.
Die steigenden Energiekosten belasten die Stimmung am Aktienmarkt doppelt: Sie erhöhen einerseits die Betriebskosten der Unternehmen und schüren andererseits die Sorge vor einer erneut aufflammenden Inflation, was den Spielraum für Zinssenkungen massiv einschränken würde.
Nachdem der S&P 500 am Freitag mit einem Schlusskurs von 7.713,22 Punkten aus dem Handel gegangen war, konzentrieren sich Anleger nun auf die Sicherung ihrer Positionen in einem volatileren Umfeld.
Fed-Kurs verschärft sich vor der September-Sitzung
Parallel zur geopolitischen Lage sorgt die US-Notenbank für Verunsicherung. Fed-Chef Warsh signalisierte am Freitag bei der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole, dass die Inflation nach wie vor zu hoch sei und weitere Zinserhöhungen notwendig sein könnten. Marktbeobachter taxieren die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September mittlerweile auf etwa 57 Prozent, nachdem die Erwartungen zuvor deutlich niedriger gelegen hatten.
Diese hawkischen Töne treffen auf einen Arbeitsmarkt, der sich uneinheitlich präsentiert. Während der US-Arbeitsmarkt vor gut drei Wochen noch schrumpfte, was zunächst Hoffnungen auf eine Zinspause nährte, deuten aktuelle Prognosen für den kommenden Freitag auf einen Zuwachs von etwa 58.000 Stellen hin.
Die Renditen zweijähriger Staatsanleihen reagierten bereits mit einem Anstieg auf die Äußerungen von Warsh, was besonders die hochbewerteten Technologiewerte im S&P 500 unter Druck setzt.
Divergenzen trotz starker Berichtssaison
Trotz der aktuellen Kursverluste bleibt die fundamentale Lage der Unternehmen robust. In der Berichtssaison zum zweiten Quartal übertrafen 86 Prozent der Unternehmen im S&P 500 die Erwartungen beim Gewinn pro Aktie.
JPMorgan hatte vor gut drei Wochen das Jahresendziel für den Index auf 8.000 Punkte angehoben, wobei das Papier seither um 0,5 Prozent nachgab. Mit einem Plus von 13 Prozent seit Jahresanfang weist der Leitindex weiterhin eine solide Jahresbilanz auf.
Dennoch zeigen sich erste Risse in der Marktbreite. Der S&P 500 Momentum Index verzeichnete den stärksten vierteljährlichen Rückgang gegenüber dem Gesamtindex seit dem Jahr 2001. Während Schwergewichte wie Nvidia durch Kooperationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz gestützt werden, gerieten andere Sektoren wie Basiskonsumgüter zuletzt unter Verkaufsdruck.
Der Index notiert aktuell mit einem Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -1,3 Prozent weiterhin in Schlagdistanz zu seinen Rekordmarken, sieht sich jedoch im Vorfeld der Fed-Sitzung Mitte September einem zunehmend nervösen Handelsumfeld gegenüber.
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