Ein Inflationsbericht, der auf den ersten Blick im Plan lag, hat die Wall Street gestern auf dem falschen Fuß erwischt. Der S&P 500 verlor 1,1 Prozent und schloss bei 7.718,94 Punkten. Der Nasdaq traf es mit 1,9 Prozent deutlich härter, der Dow gab nur um 0,1 Prozent nach.
Kernpreise überraschen nach oben
Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,6 Prozent zum Vormonat. Die Jahresrate kletterte auf 3,7 Prozent, beides wie erwartet. Die Kernrate ohne Nahrung und Energie lag mit 0,3 Prozent allerdings über der Prognose von 0,2 Prozent. Auf Jahressicht beschleunigte sie sich auf 2,6 Prozent.
Damit rücken die Zinsen wieder in den Mittelpunkt, noch vor der nächsten Fed-Sitzung später im Monat. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sprang zunächst auf 5,329 Prozent, fiel aber im Tagesverlauf auf 5,185 Prozent zurück. Kurioserweise drehten die Renditen also trotz der heißen Daten, während die Ölpreise weiter stiegen.
Öl und Chipwerte belasten
Zusätzlich drückte der Ölpreis. Die Internationale Energieagentur warnte, dass Angriffe auf Energieinfrastruktur und Tankerverkehr im Nahen Osten die Erholung des Angebots gefährden. US-Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 95,34 Dollar je Barrel.
Die Sektoren spiegelten das deutlich. Der Index für Computerhardware brach um 6,3 Prozent ein, Fluggesellschaften verloren 5,1 Prozent. Auch Gold-, Halbleiter- und Netzwerkwerte gaben spürbar nach. Pharma- und Gesundheitswerte stemmten sich dagegen.
Gute Zahlen halfen nicht. Morgan Stanley lieferte ein solides Quartal, die Aktie fiel dennoch um knapp 3 Prozent. ASML meldete starke Ergebnisse und wachsende Nachfrage, drehte aber früh im Handel ins Minus und schloss 4 Prozent tiefer, im Sog einer breiten Chipschwäche.
Der Blick nach vorn
TV-Kommentator Jim Cramer rät trotz der Unsicherheit durch Inflation, Zinsen und den Iran-Krieg vom Ausstieg ab. Er verweist auf Berechnungen von JPMorgan: Wer zwischen 2005 und 2024 die zehn besten Handelstage verpasste, kam am Ende auf weniger als die Hälfte des Vermögens eines durchgehend Investierten.
Asien dürfte der Wall Street folgen. Der Nikkei steht nach fünf Verlusttagen in Folge knapp unter 67.750 Punkten und deutet auf einen weiteren schwachen Start hin. Die Fed-Sitzung später im Oktober entscheidet, ob die heißere Kernrate die Zinssorgen weiter nährt.
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